Bombensprengung in Breese : Die Detonationen lassen die Erde beben

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Riesige Krater überziehen das Baugebiet in Breese. Druckwelle schleudert mächtigen Laubbaum durch die Luft. Keine Schäden an Häusern im Ort gemeldet

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31. März 2016, 20:00 Uhr

Die Schneise durch den Wald am Breeser Sportplatz ähnelt einer Mondlandschaft. Die Krater liegen im hinteren Bereich des etwa zwei Hektar großen Areals relativ nahe beieinander. In den kommenden Tagen werden sie zugeschüttet. Auch eine Stunde nach der Sprengung von zwölf Weltkriegsbomben liegt noch der Geruch ihrer Sprengladungen in der Luft.

Es ist kurz nach 15 Uhr. Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg hat soeben die 1000-Meter-Sperrzone per Sirenensignal aufheben lassen und steht nun an einem der Krater. „Es hat das Grundwasser hochgedrückt“, sagt er und deutet zum Boden des Erdlochs. Dort steht die braune Brühe, wie auch in den anderen Löchern. Nur zwei Meter unter der Erde verläuft das Grundwasser in dem Bereich. Da die Munitionsexperten aber deutlich tiefer graben mussten, um an die Blindgänger zu kommen, haben sie teilweise im Wasser gestanden, mussten immer wieder abpumpen. „Deswegen stehe ich auch in Gummistiefeln hier“, sagt Fleischhauer.

Die Kraft der Detonationen wird deutlich, als die Mitarbeiter der Munitionsbergungsfirma Röhll an einem umgekippten, etwa 20 Meter langen Laubbaum stehen. „Den hat die Sprengung komplett entwurzelt und mehrere Meter durch die Luft geschleudert“, beschreibt Mitarbeiter Henry Konstantin das Geschehen. Kein Wunder: Elf 500-Kilo-Bomben und eine mit einem Gewicht von einer Tonne wurden unschädlich gemacht.

Die Detonationen ließen die Erde beben. Bis in die Wittenberger Innenstadt waren die Erschütterungen zu spüren, Staubwolken stiegen über den Dächern auf. „Meine Gläser in der Küche haben gewackelt und der ganze Boden. Wohne Nähe Stern“, schreibt Christiane Kooh auf unserer Facebook-Seite.

„Da wirken unglaubliche Kräfte“, sagt Chris Balke von der Firma Röhll. Und sein Kollege Henry Konstantin fügt an: „Wenn man hier arbeitet, denkt man immer wieder daran, wie schrecklich es damals im Krieg gewesen sein muss.“ Er zeigt einige der Stahlsplitter, die von den Bomben übrig geblieben sind und nun in Kummersdorf entsorgt werden. „Die waren nach den Sprengungen sehr heiß und haben sich dadurch stellenweise stark verfärbt“, erklärt Konstantin.

Seit 15 Jahren ist Gerd Fleischhauer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst. Das Entschärfen oder Sprengen von Kriegsüberresten ist für ihn Alltag. Aber der Auftrag in Breese sticht in seinem Lebenslauf heraus. „Das war schon eine außergewöhnliche Situation“, gibt Fleischhauer zu. Nicht mal in Oranienburg habe es bisher so viele Blindgänger auf einer Räumstelle gegeben. Laut Fleischhauer waren die leichteren Bomben etwa 1,30 Meter lang und hatten einen Durchmesser von zirka 30 Zentimetern. „Die eine Tonne schwere Bombe ist genauso lang, aber dicker“, so Fleischhauer.

Um die Fliegerbomben für die Sprengung vorzubereiten, baggerten sie die Erde soweit es ging ab. Mit Stichsonden, die in das Erdreich hinabgelassen wurden, prüften die Experten behutsam, wie tief es noch bis zur Bombe ist. Die restlichen Zentimeter Erde wurden mit Spaten und Schaufeln entfernt.

Dann setzten die Experten zwei Rohre auf jede Bombe und bedeckten alles wieder mit Erde. Durch die Rohre wurden die Zünder auf die Bomben gesetzt. Dabei hatten die Arbeiter immer mit dem hohen Grundwasser zu kämpfen. „Wir haben Aluringe in die ausgebaggerten Löcher gesetzt, damit sie verhindern, dass die aufgeweichte Erde vom Rand des Loches nachrutscht“, schildert Fleischhauer.

Große Schäden durch eine Druckwelle hat es auf den ersten Blick nicht an den Häusern innerhalb der Sperrzone gegeben. Auch einige Feuerwehrmänner bestätigen im Lagezentrum, dass es augenscheinlich keine Schäden gebe. Dieses Fazit zog auch Ordnungsamtsleiter Gerald Neu gestern Abend auf Nachfrage unserer Redaktion. „Bisher sind mir keine Schäden bekannt. Auch der Strom ist meines Wissens nach nicht als Folge der Explosionen ausgefallen“, sagte Neu.

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