Integration in Wittenberge : Die Brückenbauer

Mahmoud Alsultan (M.) und Sanaa Yacoub (r.) fühlen sich wohl in Wittenberge.
Mahmoud Alsultan (M.) und Sanaa Yacoub (r.) fühlen sich wohl in Wittenberge.

Zwei Syrer helfen den geflüchteten Kindern, sich hier einzuleben / Sprache ist Schlüssel zur Integration

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22. Juni 2017, 12:00 Uhr

Sanaa Yacoub und Mahmoud Alsultan sind mittlerweile aus den städtischen Schulen und der Kita kaum noch wegzudenken. Die beiden Syrer erleichtern es den Kindern aus ihrem Heimatland, sich in Wittenberge einzuleben. „Ich übersetze den Deutschunterricht ins Arabische“, erzählt Sanaa Yacoub. Doch das ist nicht das Einzige, das die 34-Jährige sowohl an der Elbland- als auch an der Jahn-Grundschule seit dem 1. März macht. Sie ist auch bei Elternsprechtagen dabei und ist das sprachlich-kulturelle Bindeglied zwischen den Geflüchteten und den Einheimischen. Sanaa Yacoub arbeitete zwölf Jahre als Sportlehrerin in Syrien, bevor sie vor knapp anderthalb Jahren mit ihrem Mann und den beiden Kindern nach Deutschland flüchtete. „Mir macht die Arbeit hier sehr viel Spaß“, sagt sie lächelnd.

Genauso fällt auch das Resümee von Mahmoud Alsultan aus. Der 25-Jährige ist seit dem 1. Mai in der Kita Märchenland in der Sandfurttrift tätig. Er ist Übersetzer, Spielkamerad und Freund – nicht nur für die 16 arabisch-sprachigen Kinder der kommunalen Einrichtung, sondern auch für die deutschen Steppkes. „Ich bin ein kleiner Helfer“, sagt der junge Mann bescheiden. Dabei ist er viel mehr. Er sorgt dafür, dass die arabisch-sprachigen Kinder sich schneller einleben. „Sie fühlen sich wohl, wenn sie merken, dass da jemand ist, der so aussieht wie sie und ihre Sprache spricht“, schildert Kita-Leiterin Heidi Bartoll. Erzieherin Anja Hoffmeister fügt hinzu, dass Mahmoud Alsultan eine Erleichterung für die Kollegen sei – besonders während der Eingewöhnungszeit, wenn die Kinder sich von ihren Eltern lösen und das ungewohnte Umfeld kennenlernen sollen. Die Stimmung der syrischen Eltern sei grundsätzlich eine andere, alle würden gelöster sein. „Und er kann die Kleinen besser trösten, wenn sie weinen. Das geht in der Muttersprache besser“, so Heidi Bartoll.

Die Sprache, die sonst eine Barriere wäre, ist nun eine Brücke zur schnelleren Integration, weil jemand da ist, der beide Seiten versteht. „Mahmoud übersetzt die Begriffe für die Kinder, und so lernen sie schneller Deutsch“, weiß Anja Hoffmeister. Dabei hatte der 25-Jährige beruflich einen ganz anderen Weg eingeschlagen, bevor er vor zwei Jahren nach Deutschland kam. „Ich habe in Syrien angefangen Ökonomie zu studieren.“ In die Pädagogik wolle er trotz der positiven Erfahrungen in der Kita nicht unbedingt wechseln. „Ich möchte ab Oktober eine Studienvorbereitung in Coburg machen, danach will ich in Nürnberg Informatik studieren“, blickt er voraus. Damit wird die Stelle, die er seit dem 1. Mai besetzt, Ende September auslaufen. Die Stelle von Sanaa Yacoub, die teilweise über das Jobcenter gefördert wird, endet planmäßig am 31. Oktober. Somit muss für beide Posten eine Lösung gefunden werden.

Bei der Stadt läuft die Suche, es geht ums Geld. „Wir prüfen, welche Fördermitteltöpfe es geben könnte“, sagt Hauptamtsleiterin Waltraud Neumann mit Blick auf die klamme Stadtkasse. Dass die Stellen sinnvoll sind, daran zweifelt niemand. „Zwischen null und sieben Jahren werden die Grundlagen für ein verständnisvolles Miteinander bereitet“, betont Heidi Bartoll.

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