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Bombensprengung in Breese : „Die Bomber waren direkt über uns“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hans-Joachim Thalmann (85) hat den Angriff auf das Raw 1945 hautnah miterlebt

von
erstellt am 08.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die Bombensprengung in Breese vor gut einer Woche hat in Hans-Joachim Thalmann (85) Jugenderinnerungen hervorgerufen. „Ich habe die Bombardierung im Frühjahr 1945 als 15-Jähriger miterlebt. Damals war ich Schlosser-Lehrling im Reichsbahnausbesserungswerk, das dann ja angegriffen wurde“, erzählt der Wittenberger bei einem Besuch in unserer Redaktion. Thalmann erinnert sich genau, dass es der 10. April war, denn zwei Tage später war seine Ausbildung erstmal beendet.

Es habe am Vormittag Vollalarm gegeben, das Werkstor wurde geöffnet „und wir rannten, die Bomber direkt über uns, in den Breeser Wald. Dort hatten Raw-Leute schon Unterstände gebaut und Gräben angelegt“. Die amerikanischen Flugzeuge wurden von der Flag, die in Lindenberg stationiert war, beschossen.

Dann kam die Entwarnung und die Belegschaft machte sich auf den Weg zurück ins Werk. „Einige der Flieger, ich schätze etwa 30, kehrten aber um und flogen einen weiteren Angriff. Ich habe das Rauschen der fallenden Bomben in der Luft gehört“, erinnert sich Thalmann. „Es war ein ganzer Bombenteppich mit Zeitzündern. Als er aufschlug, hat der Boden gebebt. Die ganze Stadt brannte. Es war furchtbar.“ Diese Eindrücke werde er nie vergessen. Als er nun die Berichterstattung über die Sprengung von zwölf der Fliegerbomben in unserer Zeitung verfolgte, kamen sie wieder hoch.

Am 12. April war die Lehre für Hans-Joachim Thalmann beendet. „Anfang Mai kamen die Russen und einige Tage später konnten wir wieder zurück ins Werk.“ Die Anweisung damals lautete: Demontage. „Das Werk wurde abgebaut und als Reparationszahlung in die damalige Sowjetunion gebracht. Ich musste meinen Schraubstock abbauen.“ Doch Thalmann und ein Freund wollten einige Erinnerungsstücke behalten und steckten sich mehrere Stahlbohrer ein. „Als das ein sowjetischer Aufseher bemerkte, rannten wir was das Zeug hielt. Der Vater meines Freundes arbeitete als Pförtner im Raw und hat uns schnell das Tor geöffnet. Danach durften wir nicht mehr zurück ins Werk“, berichtet Thalmann mit einem Schmunzeln. Beruflich schulte er komplett um, wurde Friseur und war einige Jahre bei der Wasserschutzpolizei.

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