Stavenow : Die Biber ärgern Waldbesitzer

Das war eine böse Überraschung für Waldbesitzer Hartmut Gerloff. Ohne Vorwarnung stürzte diese stattliche Buche bei Stavenow über die Löcknitz. Fotos: Manfred Drössler
Das war eine böse Überraschung für Waldbesitzer Hartmut Gerloff. Ohne Vorwarnung stürzte diese stattliche Buche bei Stavenow über die Löcknitz. Fotos: Manfred Drössler

Das unter Artenschutz stehende Nagetier breitet sich auch im Bereich Stavenow immer weiter aus. Rindenfraß an Bäumen nimmt zu

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07. August 2015, 08:00 Uhr

„Am Anfang habe ich mich gefreut, dass der Biber wieder da ist. Er gehört zur Natur. Aber inzwischen richtet er immer mehr Schäden an“, sagt Olga von Hinckeldey. Seit drei, vier Jahren, wie die Stavenower Waldbesitzerin sagt, macht sich der Biber immer mehr an ihren Buchen am Ufer der Löcknitz zu schaffen. Rund 150 ihrer Bäume sind betroffen, „er hat die Rinde in etwa einem Meter Höhe abgenagt. Noch konzentriert sich der Biber auf die Buchen“, sagt Olga von Hinckeldey.

Auch ihr Waldnachbar Hartmut Gerloff aus Karstädt kennt das Problem. Vor wenigen Wochen stürzte eine rund 100 Jahre alte Buche über die Löcknitz. „Der Biber baut sich einen Unterschlupf und unterhöhlt die Uferböschung“, so Gerloff, der natürlich sagt, dass sein „Wirtschaftswald zur Nutzung ist“. Doch die Bäume hätten durch die Unterhöhlung nicht mehr den nötigen Halt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächsten umstürzen“, so die beiden unisono. Gerloff, bei dem etwa 25 bis 30 Bäume betroffen sind, hat inzwischen „einige abgefressene Stellen mit Thuja-Heckenschnitt gesichert. Das mögen die Biber nicht“, so Gerloff.

Beide würden sich eine gewisse Unterstützung auch in Bezug auf Schadensregulierung wünschen. Denn Fakt ist: Hier treffen Naturschutz und Interessen der Waldbesitzer aufeinander. Denn der Biber steht unter Artenschutz. Das Problem im Bereich Stavenow, der FFH-Gebiet ist, ist sowohl der unteren Naturschutzbehörde, als auch dem Biosphärenreservat und dem Wasser- und Bodenverband Prignitz bekannt. Denn vor wenigen Wochen gab es eine Ortsbesichtigung.

„Im Bereich Stavenow ist aber keine Gefahr im Verzuge. Wenn der Biber in ein Gebiet neu einwandert, ist er sehr rabiat. Das ist seine Natur. Es ist aber ein grundsätzliches Problem und Stavenow ein Beispiel dafür, dass auf Landesebene eine generelle Lösung gefunden werden muss“, sagt Dr. Sven Rannow, Leiter des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in Rühstädt. Er habe das Anschauungsprotokoll von Stavenow an das LUGV weitergeleitet.

Für eine Sicherung der Uferböschung sieht der Wasser- und Bodenverband Prignitz derzeit keinen Handlungsbedarf. „Wasserwirtschaftlich besteht keine Gefahr. Der Wasserabfluss ist nicht gefährdet. Aber wir werden die Situation im Bereich Stavenow weiter beobachten. Wenn Bedarf besteht, werden wir eine Lösung finden“, sagt Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz. Er weiß, dass im Landkreis der Biber von der Elbe immer weiter die Löcknitz und die Stepenitz hochwandert. Wie Schröder sagt, „ist unser Aufwand deutlich gestiegen, um Schäden, die er anrichtet, zu beseitigen. Und die Tendenz ist steigend“. Er beziffert die Kosten zur Schadensbeseitigung im vergangenen Jahr auf rund 30 000 Euro. Auf der anderen Seite betont der Geschäftsführer, dass die Ansiedlung des Nagetieres „auch positiv ist. Es zeigt, dass wir zunehmend eine intaktere Natur haben.“

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