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Der Prignitzer

15. Dezember 2017 | 18:52 Uhr

"Die 22 Jahre waren eine schöne Zeit"

vom

svz.de von
erstellt am 02.Okt.2012 | 11:58 Uhr

Perleberg | "Es ist unglaublich, wie viele Menschen Waffen mit sich führen", sagt Lutz-Peter Keck. Er muss es wissen. 22 Jahre lang arbeitete er als Wachtmeister im Amtsgericht Perleberg. In dieser Funktion zählte zu seinen Aufgaben unter anderem die Personenkontrolle. "Es wollte sogar einmal eine Frau mit vier Messern zu uns ins Gericht", erinnert er sich.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten trat Lutz-Peter Keck vergangene Woche seinen letzten Arbeitstag an. "Keck war ein ganz besonderer Kollege", ehrte Frank Jüttner, der Direktor des Perleberger Amtsgericht, ihn zu seinem Abschied.

Der pensionierte Wachtmeister blickt auf bewegte Zeiten zurück. "Die Arbeit mit den Menschen, von jung bis alt, das ist es, was mir an diesem Beruf so gefallen hat", erklärt Keck.

Dabei wollte der heute 63-jährige eigentlich Kfz-Techniker werden. Durch eine Krankheit bedingt, konnte er seinen Beruf nicht lange ausüben. 1990 fing er daher in Perleberg bei der Außenstelle der Staatsanwaltschaft Schwerin als Kraftfahrer an. Mit der Wende kam die Umstrukturierung der Gerichtsverfassung. Aus der Außenstelle wurde das Amtsgericht Perleberg und Lutz-Peter Keck wurde zum Wachtmeister.

Von da an sorgte er für die Sicherheit im Amtsgericht. Oft war es seine Aufgabe, Angeklagte beim Prozess vorzuführen. Auf die Frage, wie vielen Verfahren er wohl beiwohnte, zuckte er nur mit den Schultern: "Das kann man nicht sagen. Das waren so viele."

Ein Prozess blieb ihm dann doch besonders im Gedächtnis: "Ein junger Mann entwischte den JVA-Mitarbeitern bei seinem Haftprüfungstermin. Er schaffte es vom Gelände des Gerichts und versteckte sich unter einem Balkon eines anliegenden Wohnhauses", erinnert sich Keck. "Durch die Hilfe von Anwohnern konnte ich ihn schließlich wieder einfangen."

Angst habe er trotzdem nie gehabt, wie er sagt: "Du musst mit Fingerspitzengefühl an die Menschen herantreten."

Frank Jüttner ist sehr zufrieden mit der Arbeit Kecks: "Er ist ein wahrer Meister der Deeskalation. Er hat alle Aufgaben mit sehr viel Souveränität bewältigt."

Doch nicht nur in Gefahrensituationen war Keck zur Stelle. Als Wachtmeister gehörten ebenfalls Aktentransport, Postverkehr, der Pfortendienst und die Telefonzentrale zu seinem Tätigkeitsfeld. "Auf ihn war immer Verlass", lobt Frank Jüttner. "Er war sowohl den Mitarbeitern, als auch den Bürgern sehr aufmerksam gegenüber. Oft übernahm er Aufgaben, die er nicht hätte machen müssen."

Dass Keck als Mitarbeiter sehr geschätzt wurde, zeigte auch seine Abschiedsfeier am Donnerstag, der fast das gesamte Gericht beiwohnte. Jüttner bedauert: "Nun geht eine Ära zu Ende."

Auf die faule Haut legen will Keck sich auch im Ruhestand nicht: "22 Jahre waren eine schöne Zeit, aber nun freue ich mich auf das, was kommt." Mit seinen drei Enkelkindern, ist er sich sicher, kommt keine Langeweile auf. Außerdem plant der Rentner, bei Einheit Perleberg als Übungsleiter den Nachwuchs im Fußball zu trainieren.

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