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Der Prignitzer

19. Oktober 2017 | 13:10 Uhr

Fußball-EM : Diagnose: Sehr lebendig

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Eindruck täuscht: Public Viewing-Veranstalter und Händler zufrieden mit dem Zuspruch zur Fußball-EM

von
erstellt am 06.Jul.2016 | 21:00 Uhr

Fußball-Europameisterschaft 2016: Weniger Zuschauer beim Public Viewing, weniger Deutschlandfarben an Autos? Das ist der gefühlte Eindruck seit gut drei Wochen, trifft aber auf die Prignitz nur zum Teil zu. Kurz vor dem Start der EM hatte sich „Der Prignitzer“ umgehört und eine Übersicht zu fast allen Standorten des „Rudelguckens“ zusammengestellt. Nun, kurz vor dem Anpfiff der alles entscheidenden Spiele in Frankreich, wollten wir wissen, wie es um die Fanseelen bestellt ist und wie das Public Viewing läuft.

Berichte über Einbrüche der Zuschauerzahlen, wie auf den großen Fanmeilen der Republik, hört man in der Prignitz nicht. Im Gegenteil: „Die Resonanz ist super, wir hatten bis jetzt pro Deutschland-Spiel um die 200 Zuschauer in der Karthanehalle“, sagt Heike Winkler vom SV Prignitz-Bad Wilsnack/Legde. Der Sportverein organisiert seit langem regelmäßig zu diesen Events das gemeinschaftliche Fiebern vor der Großleinwand.

„Der Zuspruch ist bei uns im Vergleich zu früheren Ereignissen unverändert“, so Winkler. „Die Wilsnacker kennen das schon und kommen sowieso. Viel Besuch hatten wir an Wochentagen aber auch aus dem ,Haus Arbeitssicherheit’ sowie von Patienten der Elbtalklinik beziehungsweise Kurgästen. Sie kommen teilweise auf ihren Krücken hierher, setzen sich zu den Einheimischen dazu und finden’s gut.“

Sollte Deutschland den Einzug ins Finale schaffen, will der SV Prignitz-Bad Wilsnack/Legde sein Programm für Sonntag erweitern: Dann wird an und in der Halle ab 18 Uhr ein Familien-Fanfest geboten, u. a. mit Hüpfburg und Feuerwehrauto-Fahren. „Das ist schon vorbereitet“, sagt Heike Winkler.

Erweitert wurde erstmals das Fußball-Schauen in der Wilsnacker Kristall-Therme: Hier kann man in einem eigens dafür ausgestatteten Bereich 2016 alle Spiele sehen, nicht nur die der deutschen Elf. Viele Gäste verbinden den Relax-Besuch in der Kurstadt gern mit einem Blick auf den Großbildschirm, weiß Betriebsleiterin Nicole Schlegel. Gewürzt werden das Public Viewing und das jeweilige Abschneiden der deutschen Mannschaft mit Freibier und – bei Deutschlandspielen – ab 20 Uhr sogar freiem Eintritt. Geguckt wird bis zum Abpfiff, egal, zu welcher Uhrzeit der ist. „Das kommt gut an“, resümiert Nicole Schlegel.


Steigende Besucherzahlen


Zufrieden sind die Veranstalter der Public Viewings in der Gaststätte „Zur alten Mälzerei“ in Pritzwalk sowie auf der „Alten Ölmühle“ in Wittenberge. Mit dem Fortkommen der deutschen Kicker im Turnier stieg die Kurve der Beteiligung und der Begeisterung. „Auch die überwiegend späten Übertragungszeiten tun der Sache keinen Abbruch“, schätzt Cornelia Leue von der Ölmühle ein. Die Besucher kämen geschmückt und in Deutschlandfarben dekoriert. „Also, auch was das angeht, können wir nicht feststellen, dass es einen Rückgang gibt“, so Leue.

Diesen Eindruck bestätigen Einzelhändler: „Etwas weniger geworden ist es tatsächlich an Autos. Das ist aber eher eine Trend-Geschichte“, verdeutlicht Solveig Hannemann, Pressereferentin bei der famila-Handelsmarkt Kiel GmbH & Co. KG. Von den 82 famila-Märkten in Norddeutschland befindet sich eine Niederlassung in Perleberg. Besonders gut hätten sich – im Gegensatz zur Auto-Staffage – Deutschland-Schminke, jegliche Deko und Hawaii-Ketten in Schwarz-Rot-Gelb verkauft. „Das geht so richtig auch immer erst mit dem Auftakt des Turniers los und steigert sich, je weiter die deutsche Mannschaft kommt“, sagt Hannemann. „Wir sind also noch nicht am Ende“, fügt sie an.

Heike Schmidt-Heinke, Leiterin des Pritzwalker real-Marktes, macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: „Die Vielfalt dessen, was zu solchen Ereignissen angeboten wird, wächst enorm. Inzwischen springt die Lebensmittelindustrie darauf an, von Fußball-Eiern bis -Gummibärchen gibt es fast nichts, was es nicht gibt.“ Mit den Verkaufszahlen ist sie zufrieden, ebenso wie Ines Foth, Betriebsleiterin des „Kaufland“ in Wittenberge.

Fan-Sein und „Rudelgucken“: Die vermeintliche Provinz scheint den Metropolen den Rang abzulaufen. Im überschaubaren Umfeld lebt die Geselligkeit munter weiter, auch im zehnten Jahr des Public Viewings.

 

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