Diagnose: Musikalisch vorbelastet

<strong>Multitalent Thomas Rühmann:</strong> 'Dr. Heilmann' singt und spielt Gitarre.<foto>Agentur</foto>
Multitalent Thomas Rühmann: "Dr. Heilmann" singt und spielt Gitarre.Agentur

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18. Januar 2013, 04:57 Uhr

Wittenberge | Seit 14 Jahren geht Thomas Rühmann in der Sachsenklinik auf Visite. Als Dr. Roland Heilmann hat er sich in die Herzen tausender Fernsehzuschauer gespielt und gilt als einer der beliebtesten deutschen Seriendarsteller. Zusätzlich betreibt er das "Theater am Rand" im Oderbruch. Doch das reichte dem gebürtigen Sachsen-Anhaltiner nicht aus. Aktuell lebt er deshalb sein musikalisches Talent aus. Nachdem im vergangen Jahr Gerhard Gundermann Texte mit Musik von Neil Young verschmolz, gehen im aktuellen Programm Texte von Hans-Eckardt Wenzel und bekannte Rockmusik eine Symbiose ein. Am morgigen Sonntag um 19 Uhr gastieren "Thomas Rühmann & Band" in Wittenberge. Vorerst zum letzten Mal erklingt ihr Projekt "Falsche Lieder". "Prignitzer"-Volontär Felix Alex sprach vorab mit ihm über Journalismus, Weltmusik und medizinische Kenntnisse.

Herr Rühmann, sie haben selbst ein Studium der Journalistik begonnen. Gibt man nach so vielen Jahren immer noch gern Interviews oder würden Sie lieber auf der anderen Seite stehen?

Nein, als Journalist muss man sehr diszipliniert denken und das ist nicht meine Stärke. Ich plappere lieber drauf los. Mache mir allerdings auch keinen Kopf mehr. Früher, mit weniger Erfahrung, war das noch anders. Mittlerweile gehört es einfach zum Beruf dazu.

Sie spielen seit 14 Jahren in der ARD-Serie "In aller Freundschaft", betreiben zusätzlich ein Theater. War das dem Künstler Thomas Rühmann noch nicht genug oder fehlte die musikalische Komponente?

Musik habe ich schon immer gemacht. In bestimmten Lebensphasen treten wahrscheinlich gewisse Sachen stärker hervor. Mit der Gründung des "Theaters am Rand" und vor allem mit Tobias Morgenstern ist das im Laufe der letzten 14, 15 Jahre noch einmal gewachsen. Und irgendwann will man dann auch eine eigene Band und dann halt auch losrocken.

Können Sie uns Ihren musikalischen Werdegang einmal schildern? Welche Instrumente spielen sie?

Wir waren sieben Kinder zu Hause und unser Vater Chorleiter. Dadurch wurde praktisch immer gesungen. Wir waren ein sehr musikalischer Haushalt und es stand auch immer eine Gitarre in der Ecke. In meiner Erinnerung habe ich so mit neun Jahren immer zur Gitarre gegriffen, diese dann stunden- und tagelang bearbeitet und dazu gesungen. Erst mit dem Beruf des Schauspielers wurde es professioneller und trat mehr in mein Leben.

Sie haben etwa 100 Drehtage im Jahr, stehen gerade täglich vor der Kamera, dazwischen Auftritte mit Ihrem Musikprojekt. Brauchen Sie diese Abwechslung mit den Auftritten vor Publikum?

Bei mir ist es so, dass Theater und Film stets parallel existiert haben. Dadurch ist es sehr selbstverständlich und ich kann es mir nicht anders vorstellen.

Spielt dabei auch eine Rolle, dass Sie etwas eigens kreieren können?

Durch mein Schauspielerleben geht ein kleiner roter Faden. Ich war immer interessiert an kleinen, selbstbestimmten Unternehmungen. Also wo man die Idee hat, daran arbeitet und es auf die Bühne bringt.

Wir sind einmal als Schauspielstudenten mit einem kleinen Theaterkarren von Mühlhausen nach Eisenach gezogen und haben auf den Dörfern gespielt. Das war das erste Mal, dass wir uns als Gruppe etwas ausgedacht haben. Dieses Erfolgsgefühl, dass man etwas selbst auf die Beine gestellt hat, zieht sich durch und da ist das "Theater am Rand" vielleicht sowas wie ein Höhepunkt. Und wenn man so etwas im reifen Alter macht, ist man auch gelassener und fürchtet sich nicht mehr so vor Niederlagen. Die gehören einfach dazu und das macht es entspannter.

In Ihrem Programm verknüpfen Sie Texte von Hans-Eckardt Wenzel mit Rockmusik. Sind sie privat auch eher in dieser Richtung beheimatet?

Von der Musik her bin ich sehr vielseitig interessiert. Von Klassik bis Rockmusik, aber auch Hans-Eckardt Wenzel in seinen originalen Musiken höre ich unheimlich gern. Er berührt eine Seite, was glaube ich, so kein anderer schafft.

Wie muss man sich das Entstehen eines solchen Songs vorstellen?

Ich hören eine tolle Musik, die irgend etwas in mir auslöst und dann schiebt sich da so ein Text drüber. Das passiert oft beim Autofahren, wenn die Gedanken schweifen und manchmal muss man an den Texten nichts verändern.

Zurück zu Ihrer Rolle als Dr. Roland Heilmann. Inwiefern hat er sich auf Ihr Privatleben ausgewirkt?

Manchmal fällt den Leuten mein Name nicht ein, dann sagen sie schon Dr. Heilmann, aber eher aus Verlegenheit. Dass die Menschen nach Diagnosen fragen - das nicht. Die Leute sind nicht bekloppt und können sehr gut unterscheiden.

Wie ist es um ihre Medizinkenntnisse bestellt? Hat die Figur abgefärbt?

Wenn man eine Szene spielt, dann ist das eine erste Schicht und man weiß ja nicht in der Tiefe, was hinter einem Vorgang steckt. Dafür studieren die Menschen ja ein Leben lang. Ich sage eher, je mehr ich das mache, desto weniger weiß ich. Das ist für mich ehrlicher. Ich lasse es mir schon erklären, aber man kann es nicht bis ins Letzte verstehen. Das wäre vermessen.

Was erwartet die Wittenberger Konzertbesucher am Sonntagabend?

Ein vielgesichtiger, vieltöniger, lebendiger Abend - zwischen kräftiger Rockmusik, poetischen Liedern und Weltmusik.

Wie gehts es mit ihrer Musik weiter? Kann man sich auf mehr außergewöhnliche Kombinationen freuen?

In jedem Fall gibt es im März eine Fortsetzung der "Jung & Young"-Tournee mit Rainer Rohloff. Dann ziehen wir wieder vor allem durch die ostdeutschen Bundesländer. Da freue ich mich bereits drauf.

Vielen Dank für das Gespräch.

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