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Storch liebt über Ländergrenzen hinweg : Deutsche Mutter, polnischer Vater

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Austausch: Ein Adebar aus dem Nachbarland hat hier Nachwuchs – ein Werbener Storch wird in Kolberg registriert.

Der deutsch-polnische Freundschaftsvertrag wird auch auf Storchenebene gelebt: Ein Storch aus der Nähe des polnischen Kolberg hat Nachwuchs auf der Werbener Salzkirche. Währenddessen hat sich ein Jungstorch aus Werben nahe dem polnischen Bromberg niedergelassen. Erstmalig gibt es darüber in diesem Jahr eine Rückmeldung. Storchenkenner Michael Tillmann ist erstaunt.

Ausnahmen bestätigen auch im Storchenleben die Regel. Normalerweise lassen sich Jungstörche, wenn sie aus dem Süden zurückkehren, im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern von ihrem Kinderhorst nieder, um früher oder später selbst für Nachwuchs zu sorgen. So weiß Michael Tillmann, ein Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Weißstorch Nordrhein-Westfalen. Er ist regelmäßig und auch derzeit in Werben zu Besuch, um sich neben dem Werbener Gunter Zwinzscher auch dort den Adebaren zu widmen.
Die Storchensaison lief „mäßig bis schlecht“, aber sie hat eine Besonderheit. Erstmalig gab es eine Rückmeldung aus Polen: Es hat sich in der Ortschaft Chometowo nahe Bydgoszcz (Bromberg/Pommern) ein in Werben geschlüpfter Storch als Brutvogel niedergelassen. Damit ist der Storchenaustausch perfekt, denn seit drei Jahren macht sich in Werben ein polnischer Storch zu schaffen.

Das Storchenmännchen mit der Ringnummer PLG 1P542 wurde im Jahr 2010 im pommerschen Dorf Siemysl-Niezyn in der Nähe von Kolobrzeg (Kolberg) beringt. Im Jahr 2014 sah man ihn auf dem Kamin der alten Werbener Apotheke. Im vergangenen Sommer hielt er sich überwiegend auf dem Horst in der Langen Straße 50 auf. „Erstmalig schritt er nun in diesem Jahr zur Brut“, sagt Michael Tillmann. Auf der Salzkirche hat er sich die ebenfalls beringte Storchendame (DEW 4X096) aus dem niedersächsischen Verden an der Aller angelacht. Zwei Jungvögel sind das Resultat dieser Vereinigung.

Michael Tillmann hat die Daten in seinem Laptop gespeichert. „Ich mag Statistiken, das ist mein Ding“, sagt er, der als Lehrer für Mathematik und Sozialwissenschaften arbeitete. Tillmann ist es auch, der die Nummern der in Werben beobachteten, beringten Störche an die zuständige Vogelwarte Hiddensee weiterleitet.

Von dort kommen die Bescheide zurück. Dadurch wissen die Werbener etwa auch, woher das Pärchen, das am Elbtor mindestens seit 2010 miteinander vereint ist, stammt. Einer der beiden Störche kommt aus Köthen (Beringung 2005) und einer aus Gommern (2004). Es handelt sich bei den beiden also auch um „Fernsiedler“ – und schon betagtere Störche. Wobei ein Storch in freier Wildbahn bis zu 25 Jahren alt werden könne. „Störche, die das erste Lebensjahr überstanden haben, werden aber im Schnitt neun Jahre alt“, so Tillmann.
Das Storchenjahr neigt sich seinem Ende entgegen. Die Jungvögel machen noch Flugversuche. Sie versammeln sich ab dem 10. August mit anderen Jungstörchen, um dann gemeinsam den Weg gen Süden anzutreten. Die Strecke steht in ihren Genen geschrieben – es fliegt kein erfahrener Storch mit. Die Altvögel heben etwas später ab, sind aber meist auch bis Ende August weg.

 

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erstellt am 28.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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