Prignitz : Deutlich weniger Inobhutnahmen

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Sozialer Dienst hat wieder mehr Zeit für den Einzelfall – Hilfen zur Erziehung nutzen ein breites Netzwerk von Initiativen und Freien Trägern.

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02. März 2018, 05:00 Uhr

In der Prignitz werden immer weniger Kinder vom Sozialdienst in Obhut genommen. Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen lag im Vorjahr bei 31. 2013 waren es noch 61. Ausgenommen aus dieser Statistik sind unbegleitete minderjährige Ausländer.

Für David Kahl, Sachgebietsleiter Allgemeiner Sozialdienst, ist eher die Tendenz als die einzelne Zahl aussagekräftig. Denn Heimschließungen oder wenn große Familien von Inobhutnahmen betroffen sind, können in einzelnen Jahren das Bild verzerren. Als Aufnahmeeinrichtung dient das „Falkennest“ der Bildungsgesellschaft Pritzwalk.

Die sinkenden Fallzahlen in der Prignitz führt David Kahl auf die umfangreichen und vielgestaltigen Hilfen zur Erziehung zurück, die die Kreisverwaltung, vor allem das Jugendamt und der Allgemeine Sozialdienst anbieten. Dabei wird eine hohe Dichte an Kontakte mit den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Eltern angestrebt. So können Probleme früh erkannt und wenn notwendig sozialpädagogische Begutachtungen erstellt werden. Auf dieser Grundlage sind fundierte Entscheidungen möglich.

Für deren Umsetzung bestehen gute personelle Voraussetzungen, ein Mitarbeiter betreut in der Regel 35 Fälle von Hilfen zur Erziehung. Dieser Wert wird von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement als optimal eingestuft. Das berücksichtigt in einem Flächenkreis wie der Prignitz auch den hohen Aufwand für Fahrten, um Gespräche zu führen und auch für regelmäßige Kontrollen, um die Umsetzung der beschlossenen Schritte zu überprüfen. Gespräche im häuslichen Umfeld stellen für die Mitarbeiten ein bewährtes Mittel dar, um sich Eindrücke vor Ort zu verschaffen. Viele Menschen sprechen auch in der gewohnten Umgebung offener über Probleme und ihre Lage. Auslöser für Erziehungs- und Familienprobleme sind Trennungen, neue Partner, Alkohol und Drogen, Arbeitslosigkeit und Geldprobleme. Über die Entschärfung von Akutsituationen hinaus werden Pakete geschnürt, um langfristig wirkende Lösungen zu erreichen. Klare Sprache und Spielregeln und ein hohes Maß an Transparenz zählen zu den Grundsätzen bei den vielfältigen Hilfen zur Erziehung. Diese beruhen auf der Erfahrung, dass nur gemeinsam mit den Eltern etwas zu erreichen ist. Aber diese müssen sich dann auch darauf einlassen, die Ziele und Hilfen, Terminstellungen und Abrechenbarkeit zu akzeptieren, so David Kahl.

Er und seine Mitarbeiter werden immer wieder auch mit den Wünschen 15- bis 17-Jähriger konfrontiert, unbedingt raus aus dem Elternhaus zu wollen. Dabei werden jeweils genau die Gründe erforscht.

Nicht leicht ist es für die Mitarbeiter, Gewaltvorwürfe zu überprüfen. Das erfolge in jedem Fall, oftmals müsse die Polizei eingeschaltet werden, betonte Kahl. Die gute Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk in Pritzwalk, die sehr flexibel agiere, hilft in diesen Fällen, auch kurzfristig zu einer Unterkunft zu kommen.

Der Sozialdienst stützt sich bei seinen Bemühungen auf ein Netzwerk Freier Träger und Initiativen beginnend beim Babybegrüßungsdienst, den frühen Hilfen, Eltern-Kind-Gruppen, der Patenarbeit bis zur Initiative Gesunde Kinder. Dabei gibt es eine enge Abstimmung. Diese sichert eine umfangreiche präventive Arbeit. Dabei hilft auch die Möglichkeit Freier Träger, die Anonymität Betroffener zu wahren, dennoch zu helfen oder sie zu ermuntern, sich um Unterstützung durch Behörden zu bemühen.

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