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Dorf macht Oper : Des Ritters Angriff aufs Zwerchfell

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

„Dorf macht Oper“ erfand sich wieder einmal neu: Amüsant-besinnliche deutsche Uraufführungen mit einem doppelten Don Quichotte

Sie hätten es sich leicht machen können, die Klein Leppiner Opernenthusiasten: Der Ritter von der traurigen Gestalt, Don Quichotte, und sein tollpatschiger Helfer Sancho Panza geistern nämlich seit über 400 Jahren durch Literatur, Musiktheater, Film und über die Bühnen der Welt. „Dorf macht Oper“ schuf aus der Vorlage von Joseph Bodin de Boismortier („Don Quichotte chez la Duchesse“) allerdings etwas ganz Eigenes: eine Operncollage in fünf Stationen, mit eigener Bühnenfassung, eigener Übersetzung des französischen Librettos, einer selbst vervollständigten Partitur. Die deutsche Uraufführung wurde zu einem Gesamtkunstwerk im und am Festspielhaus, das am Wochenende rund 1000 Gäste in die vier Vorstellungen lockte und sie restlos begeisterte.

Die Parodie von Miguel de Cervantes auf die seinerzeit hoch im Kurs stehenden Ritterromane wurde dem Publikum zunächst schauspielerisch nahe gebracht. Benjamin Schaup und David Jonathan Ford begeisterten mit ihrer temperamentvollen, lustigen Darstellung bzw. Operneinführung und avancierten zu Publikumslieblingen. Das könnte man aber genauso gut z. B. von Sophia Körber sagen, die in der fünften Station – der eigentlichen Oper – den Part des Bauernmädchens übernahm. Die gebürtige Pritzwalkerin bestach in ihrer Nebenrolle nicht nur mit Stimme, sondern auch mit witziger Mimik und Gestik.

Toll ebenso der Opernchor, dem szenisch so einiges abverlangt wurde. Die Prignitzer Sänger überraschten u. a. mit ungewöhnlichen Kostümen, allen voran: die Bademantelszene. „Wir haben dafür 50 weiße Frotteemäntel zur Verfügung gestellt, hatten für unsere Gäste am Wochenende aber noch genügend Reserve“, berichtet Nicole Schlegel, Betriebsleiterin der Kristall-Therme Bad Wilsnack, einer von vielen Förderern, die das Projekt seit Jahren unterstützen.

Die teils aufwändigen Bühnenbauten und Requisiten, für die es teils sogar Szenenapplaus gab, hatten Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan, die in Glöwen leben, gebaut. Sie bekochten auch die 1000 Gäste mit einem syrischen Gastmahl, das sie selbst musikalisch umrahmten und für alles viel Applaus erhielten. Besser kann man Integration nicht leben.  

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erstellt am 18.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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