zur Navigation springen

Berichte von Wölfen in der Prignitz : Der Wolf wird heimisch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach der ersten Sichtung im Frühjahr häufen sich die Fotobeweise im Gadower Forst / Bauernverband zeigt sich skeptisch

von
erstellt am 20.Jul.2016 | 04:00 Uhr

„Leser entdeckt den ersten Wolf“ titelten wir heute vor genau drei Monaten. Timo Haase hatte uns ein Foto gesandt. Damals war es noch ein Einzeltier, jetzt mehren sich die Anzeichen, dass weitere Wölfe in der Region sind und heimisch werden. „Davon gehen wir aktuell aus“, bestätigt Uwe Roese, Wolfsbeauftragter im Landkreis.

Für zwei Tiere hat er handfeste Fotobeweise vorliegen. „Es könnte sich zwar um das gleiche Tier handeln, aber das glaube ich nicht.“ Eine erste Spurendokumentation hat Roese angefertigt, Meldungen an das Landesumweltamt und den -jagdverband geschickt.

Von einem Rudel in der Prignitz geht Roese aktuell zwar noch nicht aus. Dazu würden sechs bis acht Tiere gehören. Aber auch er hört von Indizien, die nahe legen, dass mehr als nur die zwei Tiere in Prignitzer Wäldern leben. Jungtiere sind in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten, die Welpen werden im Mai geboren und leben maximal zwei Jahre im Rudel, bevor sie vertrieben werden.

 Grafik: Nabu
Grafik: Nabu
 

Fotobeweise hat unter anderem Holger Galonska geliefert. Der Jäger und Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz arbeitet in seinem Revier mit einer Wildkamera. „Mehrmals hat sie einen Wolf fotografiert, unter anderem aufgenommen, wie er an einem Teich das Nest einer Wildente ausnimmt.“ Auch die Jagd auf ein Reh habe die Kamera festgehalten. Die meisten Aufnahmen seien in den vergangenen vier Wochen im Gadower Forst entstanden.

Überrascht ist Galonska nicht. „Wir haben bei uns das höchste Wildvorkommen in ganz Deutschland. Der Wolf musste früher oder später zu uns kommen.“ Mittlerweile würden in Deutschland über 100 Tiere leben. Damit steige der Druck auf die Population Die Tiere müssen sich neue Lebensräume suchen.

Bei Wustrow, Ferbitz, Boberow seien Wölfe gesichtet worden. Unsere Leserin Anja Rokitta habe kürzlich einen entlang der Bahnlinie bei Breese gesehen. Fast wöchentlich würden Jäger von neuen Begegnungen berichten.

Das Wild hat bereits auf den Jäger reagiert. „Seit der Wolf da ist, fängt die Kamera deutlich seltener Muffel- und Rehwild ein. Die Tiere verstecken sich“, so Galonska. Auch die großen Rudel an Muffelwild mit bis zu 70 Tieren seien seltener geworden.

„Auf den Birkholzer Wiesen hat der Wolf vermutlich zwei Kälber gerissen“, weiß Galonska von einem Vorfall. Natürliche Feinde habe das unter Naturschutz stehende Raubtier nicht. Das bestehende Jagdverbot ist in der Jägerschaft heftig umstritten. Entsprechend skeptisch reagiert der Kreisbauernverband: „Wir verteufeln ihn nicht, warten die Entwicklung ab“, sagt Geschäftsführerin Christina Stettin.

Besorgt seien die Landwirte in jedem Fall. In manchen brandenburgischen Landkreisen sei die Zahl der Rinderisse gestiegen. Auch die vielen Pferdebesitzer mit Fohlen hätten Grund zur Sorge, meint Stettin. Die Entschädigungspraxis des Landes sei kompliziert und wenig vertrauenserweckend, so die Geschäftsführerin.

Ganz praktische Probleme sieht sie bei den großen Rinderherden in der Prignitz. „Die können nicht vollständig eingezäunt werden.“ Das sei finanziell nicht machbar. Sollte der Wolf in der Prignitz heimisch werde, müsse das Wolfsmanagement funktionieren. „Wir brauchen Aufklärung und auch der Jagdverband sollte sich positionieren.“

In Anbetracht der wachsenden Population in Brandenburg stelle sich eines Tages die Frage: „Wie viele Wölfe vertragen wir? Darauf brauchen wir eine ehrliche Antwort“, sagt Christina Stettin.

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen