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Seltsamer Fund in Plattenburg : Der Wetterballon im Nussbaum

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Radiosonde der Bundeswehr stürzte in Krampfer in einen Garten. Finder werden gebeten, die Sonde zu entsorgen oder zurückzusenden.

von
erstellt am 01.Jul.2017 | 09:00 Uhr

„Was hast Du denn für Lumpen in den Nussbaum geschmissen“, sagt Maria Sommer* zu ihrem Sohn, als sie die roten und weißen Stofffetzen entdeckt. Als sie näher herankommt, sieht sie eine zirka 20 Meter lange Strippe, die vom Baum in die Wiese führt. Und dann liegt dort noch etwas: Ein kleiner grau-weißer Kasten, der 70 x 90 Millimeter misst, und aus dem Kabel, eine kleine Antenne sowie eine elektronische Schiene herausstehen.

Der daran befestigte Zettel gibt Aufklärung: Es handelt sich um eine Radiosonde, die zur Messung meteorologischer Daten in der freien Atmosphäre diente und nun ihren Auftrag erfüllt hat. Der Finder wird gebeten, sie umweltgerecht zu entsorgen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, das Gerät kompakt bzw. die nicht entsorgten Teile an das Bundeswehrdienstleistungszentrum in München zu senden. Für die Kostenrückerstattung wird um Beifügung der Kontonummer gebeten.

Das verunsichert Maria Sommer. Sie wendet sich an ihre Nachbarn, Ulrich und Dagmar Teschner, die den „Prignitzer“ informieren.

Wir versuchen den Weg zu verfolgen und rufen bei der Bundeswehr in München an. Von Maria Wagner, Campusbeauftragte des Bundeswehrdienstleistungszentrums erfahren wir, dass die Bundeswehr an drei Standorten (Kümmersbruck, Ider-Oberstein und Bergen-Hohne) und der Deutsche Wetterdienst in Offenbach jeden Tag Radiosonden aufsteigen lassen.

Nähere Informationen gibt es vom Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr: „Die Radiosonden werden in der Regel vier Mal am Tag mit einem heliumgefüllten Ballon an entsprechenden Aufstiegsstationen in die Luft gelassen“, so Regierungsamtmann Stephan Albrecht. In der Regel werden mit solchen Sonden die Temperatur, der Taupunkt – das ist das Feuchtemaß der Luft, der Druck und abgeleitet auch die Windgeschwindigkeit vom Boden bis in etwa 35 Kilometer Höhe gemessen. Die Meteorologen erhalten dadurch einen Überblick über die Atmosphäre.

„Mit diesen Daten können die Fachleute sagen, ob es Schauer oder Gewitter gibt, ob es Hagel oder starke Böen gibt“, weiß Stephan Albrecht. Selbst die Größe möglicher Hagelkörner könne ermittelt werden.

Im Zeitalter moderner Technik werden die Radiosonden mit GPS verfolgt, die Daten über Funk in ein globales Fernmeldenetz eingespeist, so dass sie allen Wetterdiensten zur Verfügung stehen. „Gerade in Gebieten, wo nicht viele Messstationen vorhanden sind, kann man nur mit Hilfe der so gewonnenen Daten Aussagen über den kurzfristig zu erwartenden Wetterverlauf machen“, informiert Albrecht.

Die Radiosonde besteht aus einem Ballon, einem GPS-Sender, einem Temperatur- und Taupunktfühler sowie einer Druckdose. Je nach der Größe des Ballons führt seine Ausdehnung beim Anstieg in Schichten mit niedrigerem Luftdruck dazu, dass die Hülle platzt. Die Messtechnik fällt dann auf die Erde, wo sie, wie in Krampfer, gefunden wird.

Übrigens braucht sich Maria Sommer keine Sorgen machen, weil sie die Kontonummer angeben sollte. „Wer die Sonde an die Bundeswehr zurücksendet oder Teile, die er nicht entsorgen konnte, der erhält auf diesem Wege das Porto erstattet“, sagt Maria Wagner abschließend.

* Name von der Redaktion geändert

 

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