Perleberger Schüler wurde Landessieger : Der Vorleser

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Perleberger Hannes Grunewald verwies Brandenburger Konkurrenz auf die Plätze

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26. Mai 2017, 12:00 Uhr

Hannes Grunewald heiße er, ist zwölf Jahre jung, besucht die Klasse 6b der Rolandschule und ist Brandenburgs bester Vorleser. „Jeder sollte zum Deutschunterricht ein Buch mitbringen und es vorstellen.“ Hannes Wahl fiel auf ein Comic. Er machte seine Sache gut. Der Lohn: Er durfte gleich ein zweites Mal antreten. Dieses Mal zum Schulausscheid. Aufregung pur, denn im Publikum saßen auch die aus der 6a und Eltern. Am Ende: Glückwünsche zum 1. Platz, eine Eins in Deutsch, ein Gutschein und „Schokolade“, fügt er an und gesteht offen, dass er schon gerne nascht.

Bis dahin dachte er immer noch, das Ende der Fahnenstange sei erreicht, „maximal noch ein Vergleich der besten Vorleser der Perleberger Grundschulen zog er ins Kalkül. Stattdessen sollte es zum Landeswettbewerb nach Frankfurt/Oder gehen.

Während Hannes die Nachricht zwar stolz aber eben noch recht gelassen aufnahm, änderte sich das, je näher der Termin rückte. Denn eigentlich liebe er einfache, witzige Bücher. Doch für den Brandenburgausscheid sollte es dann doch wohl etwas Anspruchsvolleres sein, meinte die Mutti. Mark Twain, aber nicht die gängigen Geschichten, sondern für „Der geheimnisvolle Fremde“ fiel Muttis Entscheidung, nicht ahnend, wie schwer die Lektüre eigentlich zu lesen war, räumt sie im Nachhinein offen ein. Hannes trug es mit Fassung. „Ein schweres Buch, vielleicht gibt es dafür schon einen Bonuspunkt.“

Fleißig wurde Lesen geübt, doch eigentlich reichte die Zeit nicht, um auch noch tiefer in Leben und Werk des Schriftstellers einzutauchen. „Da musste Hannes alleine durch“, gesteht die Mutti, die ihren Jüngsten nicht zum Ausscheid begleiten konnte. Das übernahm Deutschlehrerin Katharina Starr, „und dafür bin ich ihr sehr dankbar“, betont Hannes Mutti.

Dann endlich war der Perleberger an der Reihe. Er hatte nur noch einen Blick für die Zeilen in seinem Buch und die Vase vor ihm auf dem Tisch. „Dadurch war das Publikum nicht ganz so groß“, erzählt er und muss selbst lachen.

Platz eins – so das Urteil der Jury. Klar sei er nach Frankfurt/Oder gefahren, um zu siegen. Dass er es schafft, daran hat er aber selbst nicht geglaubt. Mutti aus dem Häuschen, Vati begeistert, die große Schwester, die derzeit über Work & Travel in Australien unterwegs ist, stellt „dort im ganzen Land ihren berühmten Bruder vor“, wie auch seine andere Schwester, die in Magdeburg studiert, mächtig stolz aufs Nesthäkchen ist.

Und dabei sei er doch ein ganz normaler Junge. Er liebt Computerspiele, möchte vielleicht später solche beruflich mal testen. Er spielt Gitarre und kann kochen. Am liebsten Rührei, „das muss nicht so ordentlich wie Spiegeleier aussehen.“ Ja, und lesen tut er gerne, ganz klassisch Seiten zwischen zwei Buchdeckeln.

Vom 19. bis 21. Juni geht es für den Sechsklässler, der ab dem neuen Schuljahr das Gottfried-Arnold-Gymnasium besucht, nach Berlin zum Bundesausscheid der besten Vorleser. Was ihn dort erwartet, das wisse er selbst noch nicht. Nur immer wieder lesen, ansonsten könne er sich nicht vorbereiten, denn welche Bücher dort zur Auswahl stehen, wisse er nicht. Zwei Tage bekommen sie aber im Vorfeld einen Lesetrainer zur Seite „und am 3. Tag hoffe ich auf meine Klassenkameraden, die mich unterstützen kommen“. „Der Prignitzer“ jedenfalls drückt dem Zwölfjährigen ganz fest die Daumen, wenn er gegen die Besten aus 344 Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet antritt.  

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