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Der Prignitzer

24. November 2017 | 17:57 Uhr

Der Vorhang fällt, aber der Film bleibt

vom

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erstellt am 10.Feb.2013 | 05:11 Uhr

Glöwen | Ob Enkeltrick, Handtaschenraub oder Sparkassenüberfall, die Mitglieder der Sicherheitspartnerschaft Glöwen habe in den vergangenen 15 Jahren so ziemlich jeden Schreckensmoment erlebt, vor dem sich Senioren fürchten. Doch gab es niemals einen Geschädigten. Seit ihrer Gründung im Jahre 1998 haben sie mit kleinen Sketchen und Theateraufführungen Tausende Zuschauer vor aktuellen Gefahren gewarnt. Nach über 600 Auftritten verabschieden sich nun die Mitglieder.

Der letzte Vorhang ist zwar schon vor fast einem Jahr gefallen, doch wurde jetzt die offizielle Verabschiedungsurkunde verliehen (der "Prignitzer" berichtete), bevor die Zusammenarbeit mit der Polizei mit Wirkung zum 28. Februar offiziell beendet ist. "Wenn wir wenigstens in der jetzigen Verfassung bleiben würden, sähe das noch anders aus", verdeutlicht Erich Hübscher die Gründe für den Abschied. Und der Leiter der Gruppe "Senioren beraten Senioren" Hans Kurthals ergänzt: "Wir hätten gern weiter gemacht, aber auch wir werden immer weniger und älter." 1998 noch mit 16 Gründungsmitgliedern eher aus einen Zufall heraus gestartet, kamen zur Abschiedsfeier noch acht Sicherheitspartner. "Es sind keine Nachfolger mehr gekommen und am Schluss hatten wir teilweise nur noch vier Leute, die gespielt haben", erzählt Hans Kurthals, der bei Auftritten mitunter sogar in vier verschiedene Rollen schlüpfen musste.

Doch was bleibt nach 15 Jahren des Bestehens, sind neben den vielen Höhepunkten und Ehrungen vor allem viele amüsante Anekdoten rund um die Sicherheitsarbeit und die Reisen durch ganz Brandenburg. So erzählt Erich Hübscher, der bei Auftritten und auch in der Filmproduktion stets den Bösewicht darstellte und selbst von Kurthals "Meisterdieb" genannt wird, von einer Begebenheit, die ihm im Kyritzer Baumarkt passierte: "Ein Fremder hat mich angetippt und gesagt ,Ist in Glöwen nicht mehr genug zu klauen, dass du schon hierher kommen musst?’ Das hatte ich dann von meinen bösen Rollen." Auch Renate Kuhfeldt erinnert sich gern zurück. "Eine Kollegin ist 1999 krank geworden, und ich bin eigentlich nur eingesprungen und war seit dem immer dabei", so die ehemalige Lehrerin.

Genauso wie die vielen Darsteller zum Theater, kam das gesamte Projekt eher zufällig zustande. "Wir wollten ursprünglich einfach eine Gruppe für gute Nachbarschaft, dass jemand zum Beispiel nach dem Briefkasten sieht, wenn einer im Urlaub ist. Daraus ist dann die Sketchgruppe mit der Darstellung des Enkeltricks entstanden und dann kam die Zusammenarbeit mit der Perleberger Polizei", rekapituliert Kurthals die Entstehungsgeschichte. Was dann folgte, war eine Theater-Erfolgsgeschichte. Viele Präventionsveranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und vor allem Brandenburg bildeten den Rahmen und gipfelten im vergangenen Jahr schließlich in der Verleihung des Landespräventionspreises, überreicht durch den Brandenburger Innenminister Dietmar Woidke.

Überregional bekannt machte die Gruppe dann ein 25-minütiges Video, welches in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg die häufigstens Betrugsfälle und entsprechende Verhaltensmaßnahmen zeigt. Dieser Film verbreitete sich über die regionalen Dienststellen, Oranienburg bis nach Berlin und wurde sogar bundesweit beim Präventionstag in Stuttgart vorgeführt. "Es ist halt etwas anderes, ob wir einen jungen Kollege zu den Senioren schicken und ihn etwas über Handtaschenraub erzählen lassen oder die Mitglieder ihnen auf einer Stufe begegnen", erläutert Polizeidirektor a. D. Uwe Westen.

Und auch wenn zum Abschluss die Wehmut überwiegt und der, mit mittlerweile 73-Jahren Jüngste der Gruppe Hans Kurthals sagt, "es waren viele schöne Tage dabei" und Renate Kuhfeldt ergänzt "es tut allein Leid, dass es aufhört", so wird doch zumindest der Film noch lange ihr Bestehen dokumentieren und eventuell so machen vor Enkeltrick, Handtaschenraub oder Sparkassenüberfall bewahren.

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