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Prignitzer Gewässerschau : Der Stepenitz auf den Grund gehen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Jährliche Gewässerschau nimmt sich den unteren Flusslauf von Perleberg nach Wittenberge vor

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2016 | 10:00 Uhr

Eine Schar von Enten treibt gemächlich auf der Stepenitz. Das Schnattern geht los, als eine Rentnerin auf der Perleberger Ziegelhofbrücke von ihrem Rad steigt und ihnen Brot zuwirft. Wo die Enten sich tummeln, liegt unter der Wasseroberfläche der beste Laichplatz für allerlei Fischarten.

Das erklärt Bernd Lindow, Sachbereichsleiter Natur- und Gewässerschutz beim Landkreis. Denn hier kommen die Flussarme, die die Innenstadt einschließen, wieder zusammen, es ist Bewegung im nährstoffreichen Wasser, das Flussbett aber relativ flach. Auf der Ziegelhofbrücke stehen nicht nur Lindow und seine Kreiskollegen, sonder auch Vertreter vom Landesamt für Umwelt in Potsdam und aus den Stadtverwaltungen Wittenberges und Perlebergs.

Sie treffen sich am Donnerstag früh hier zur jährlichen Gewässerschau, wollen sehen, wie es um den Abfluss und die Ökologie der Stepenitz am unteren Lauf bestellt ist (wir berichteten gestern). Die Stepenitz ist häufiger von Hochwasser betroffen. Der Blick wandert über die fadenförmigen Algen an der Flusssohle. „Wir entkrauten nicht wegen der Optik, sondern für den Hochwasserschutz“, so Lysann Jacob, Bereichsingenieurin im Landesamt für Umwelt (LfU), das unterhaltspflichtig für das Flüsschen ist. Demnächst wird wieder entkrautet.

Es entspinnt sich eine Diskussion zwischen Landesamt, Wasser- und Fischereibehörde des Kreises, ob die Geräusche der Entkrautungsboote die angesiedelten Fische vertreiben könnten. Denn immerhin: „Meerforellen sind hier gesehen worden“, sagt Monika Wulff von der unteren Fischereibehörde. Stehen Ökologie und Abfluss im Widerspruch? „Halten wir fest, die Boote machen Krach“, so Lindow. Die Gewässerschau wird punktgenau protokolliert.

Die Stepenitz ist hier ein urbaner Fluss, man sieht es an der Art des Mülls, der im Perleberger Stadtgebiet in das Flussbett wandert. In einem Jahr sind mal sieben Fahrräder geborgen worden. Dicke Äste werden auch regelmäßig herausgeholt. Eine Motorsäge ist mit an Bord.

Etwas fürs Auge könnte an der Landzunge am Zusammenfluss der Stepenitzarme beim kleinen Pegelhäuschen geschehen. Man wolle das Ufer wieder mehr für die Einwohner zugänglich machen. Antje Hartwig, verantwortlich für Natur- und Landschaftspflege in der Stadtverwaltung Perleberg, faltet Pläne auseinander. „Überall ist Wasser in der Stadt, aber man kommt nicht richtig ’ran“, sagt sie. Landkreis und LfU scheinen froh, die Pläne zu sehen, bevor sie ins Stadtparlament wandern.

An manchen Uferstreifen haben Grundstücksbesitzer Trittstege, Schutzwände oder einfach ihre Gartenlaube nah ans Wasser gebaut. Bei einem Hochwasser ist vieles davon wieder hin. Es gebe eine Art „Hochwasserdemenz“, wie Bernd Lindow meint. Nach wenigen Jahren sei immer vergessen, wie schlimm es wirklich war. Mancherorts wird Grünschnitt direkt am Ufer angelagert, so auch am Abschnitt des Kleingartenvereins Weidenkaveln e. V. Zur Befestigung ist das kaum geeignet. Nun wird es Post von den Behörden geben. Am Rieseleiwehr fällt auf, dass die Strömung zur Anhäufung von Sediment an der Flusssohle führt. Der Handlungsbedarf wird protokolliert.

Vier Stunden ist die Delegation unterwegs. Bis zur Mündung schafft sie es nicht. Bei niedrigem Wasserstand wie jetzt, verliert sich das Flüsschen beim Nähmaschinenwerk in ein paar Rinnsalen, bevor es in den Karthanesee fließt. „Hier hat sich das Flussbett deutlich erhöht. Es ist nicht absehbar, dass das LfU die hunderte Kubikmeter Sediment beseitigen kann. Das letzte Mal hat man das meines Wissen in den 80er-Jahren getan“, resümiert Lindow beim Abschlussgespräch in Wittenberge.

Dort, in der Außenstelle des LfU, stellt Jens Martin die Renaturierungsvorhaben zwischen Breese und Weisen vor. Alte Flussarme sollen an den natürlichen Lauf angeschlossen werden, hydraulische Flusssohlen werden bei Niedrigwasser den Strom umlenken. Der Fluss soll mäandern, Flutmulden geschaffen werden. Im Zusammenhang mit den neuen Deichen soll das den Hochwasserschutz am Stepenitzufer komplettieren.


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