Der Spreewald läuft über

<fettakgl>Idyllisch ist was anderes:</fettakgl> Dieses Schild mit 'Sperrbereich' irritiert nicht nur Camper, sondern vor allem Campingplatzbetreiber Marco Rähm - er fürchtet einen größeren wirtschaftlichen Schaden. <foto>dapd</foto>
Idyllisch ist was anderes: Dieses Schild mit "Sperrbereich" irritiert nicht nur Camper, sondern vor allem Campingplatzbetreiber Marco Rähm - er fürchtet einen größeren wirtschaftlichen Schaden. dapd

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20. Oktober 2011, 08:51 Uhr

Lübbenau | Monika Weber sitzt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern vor dem Wohnwagen auf einem der größten Campingplätze im Spreewald. Bei blauem Himmel und imposantem Ausblick auf den Hindenberger See scheint der Urlaubsort bei Lübbenau perfekt. Doch ein Schild vor ihren Augen stört die Herbst-Idylle. "Sperrgebiet. Betreten verboten. Lebensgefahr" steht dort in großen Buchstaben. "Das ist kein schönes Gefühl", sagt die Mutter, die mit ihrer Familie die Ferien in Hindenberg verbringt.

Das Landesbergamt hat große Teile des Campingplatzes und die Uferbereiche des Sees gesperrt, weil Rutschungen auf den gegenüberliegenden Kippen des ehemaligen Tagebaus befürchtet werden, die eine Flutwelle auslösen würden. Für Campingplatzbetreiber Marco Rähm sind die plötzlichen Verbote eine Katastrophe. "Wird die Sperrung nicht schnell aufgehoben, bin ich pleite", sagt er. Im nächsten Mai wird der Campingplatz von Rähm zehn Jahre alt. Rund 1,5 Millionen Euro habe er in das 42 Hektar große Areal investiert, ein Drittel davon seien Fördermittel gewesen, sagt er. Zu der Vier-Sterne-Anlage gehören auch ein Restaurant und eine Bowlingbahn. Rähm beschäftigt zehn feste Mitarbeiter. 58 000 Euro müsse er jährlich für die Kreditrate aufbringen. "Ohne die Campinggäste ist das nicht möglich", sagt er. Dabei lief das Geschäft in den vergangenen Jahren immer besser. Rähm erweiterte die Zahl der Stellplätze, mittlerweile sind es 155, baute außerdem zehn feste Ferienhäuser. "Für Pfingsten und Himmelfahrt 2012 ist die Anlage schon fast ausgebucht", erzählt Rähm. Wenn aber die Sperrung bestehen bleibe, drohe der Totalausfall. Vor einem Jahr sei bereits der hintere Teil des Campingplatzes praktisch über Nacht gesperrt worden. Heute grenzt eine Barriere die Zufahrt zu diesem Bereich ab. Dahinter verbirgt sich eine Geisterstadt. Leere Wohnwagen, zurückgelassene Vorzelte und verwaiste Terrassen zeichnen das Bild. "Diese Dauercamper sehe ich nie wieder", sagt Rähm.

Im April habe das Landesbergamt weitere Teile gesperrt, darunter auch den öffentlichen Strand. "Der erhöhte Wasserstand war hier der Grund", sagt er. Deshalb sei über eine Leitung mit dem Abpumpen begonnen worden. "Bis zum Sommer sollte eine Lösung gefunden werden", dann sei stattdessen aber der verbleibende Teil des Dauercampingplatzes auch noch gesperrt worden. "Ohne vorherige Rücksprache", kritisiert der Betreiber. "Die erneute Sperrung kam für uns aus heiterem Himmel."

Grund ist ein neues Gutachten, dessen Ergebnis für Rähm nicht nachvollziehbar ist. Als er das Gelände 1998 gekauft hatte, habe ein Gutachten genau festgelegt, wo er bauen darf. "An diese Vorgaben habe ich mich gehalten", blickt er zurück.

Der Präsident des Landesbergamts, Klaus Freytag, verweist indes auf Gefahren durch mögliche Rutschungen an einer Kippe auf der anderen Seite des Tage bausees, die eine Flutwelle auslösen könnten. "Oberste Priorität hat die Sicherheit der Menschen", sagt er. Ziel sei es aber, See und Campingplatz so schnell wie möglich wieder sicher zu machen. Dafür werde momentan eine neue Einschätzung erarbeitet, die Ende November vorliegen soll.

Freytag kann sich vorstellen, mit Verdichtungsarbeiten oder einer Absenkung des Wasserstandes die Gefahr zu beseitigen. Er gehe davon aus, dass der Campingplatzbetreiber für den betriebswirtschaftlichen Schaden eine Entschädigung erhält. Das werde noch geprüft.

Nach dem tödlichen Zwischenfall in Nachterstedt vor zwei Jahren waren in der Lausitz alle Sanierungsgebiete nochmals unter die Lupe genommen worden. Dass es in anderen bereits freigegebenen Gebieten ähnliche Verbote geben werde, kann Freytag "nicht völlig ausschließen". Ursache dafür sei vor allem der schnelle Wiederanstieg des Grundwassers. "Nach 200 Jahren Braunkohletagebau in der Lausitz wird der Sanierungsprozess noch Jahrzehnte andauern", prophezeit Freytag.

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