3. Prozesstag um Todesschützen von Hinzdorf : Der Schuss aus der Wehrmachtswaffe

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Gestern sagte die Schwägerin des Angeklagten, Maria C., aus. Auch Details über die Waffe sind bekannt. Maria C. hatte ein ungutes Gefühl, als ihr der Ex-Schwager Peter L. mit dem Auto in Wittenberge entgegenkam ...

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18. November 2010, 08:18 Uhr

Hinzdorf | Der Fall: Der 57-jährige Peter L. muss sich seit dem 11. November wegen versuchten Mordes, fahrlässiger Tötung und Geiselnahme vor dem Landgericht Neuruppin verantworten: Er soll am 15. Mai dieses Jahres während der Jugendweihefeier seiner Nichte auf einem Zeltplatz in Hinzdorf auf seinen Bruder Lars geschossen haben. Das Projektil durchschlug dessen Hals und traf dann zufällig die hinter ihm sitzende Karin T. tödlich.

Gestern sagte die Schwägerin des Angeklagten, Maria C., aus. Auch Details über die Waffe sind nun bekannt. Maria C. hatte ein ungutes Gefühl, als ihr der Ex-Schwager Peter L. am 15. Mai dieses Jahres mit dem Auto in Wittenberge entgegenkam, sagte sie vor dem Landgericht Neuruppin. Dort hatte der Angeklagte zuvor abgestritten, gezielt auf seinen Bruder, Lars L., geschossen zu haben. Seiner Aussage nach hatte er die Pistole über den Kopf von Lars L. gerichtet, "um auf diesen Druck auszuüben". Lars L. sollte ihm den Aufenthaltsort seiner Schwester verraten, die nach 17 Jahren aus der eheähnlichen Gemeinschaft mit Bruder Peter L. 2007 ausgebrochen war und seitdem an einem unbekannten Ort lebt. Peter L. hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sie ausfindig zu machen. Bei der Jugendweihe hatte er gehofft, sie zu sehen. Allerdings war er nicht eingeladen worden. "Darüber war er sehr wütend", sagte die Zeugin Maria C. gestern. Sie hatte ihn ausgeladen, weil er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zerstritten war. Der Angeklagte Peter L. warf ihnen vor, auf der Seite der verschwundenen Schwester zu stehen. Häufig hatte er Maria C. gegenüber geäußert, die Entflohene würde schon sehen, was sie davon hätte - wenn er sie denn eines Tages ausfindig machen würde. Er hatte auch gedroht, seinen Bruder Lars zu erschießen, weil dieser die Post für die Schwester entgegengenommen und einen eigentlich für Peter L. bestimmten Brief nicht herausgegeben hatte. Die Sprüche ihres Ex-Schwagers im Ohr rief Maria C. ihren neuen Lebensgefährten auf der Jugendweihe an, um ihn zu warnen. Dieser meldete sich daraufhin zurück und sagte, dass Peter im Zelt sei und schieße. Lars und Karin T. seien getroffen.

Geschossen hatte Peter L. mit einer Selbstladepistole der Marke Walther P 38, die Standarddienstpistole der Wehrmacht. Die hatte er sich nach eigenen Angaben etwa vier Monat vor der Tat auf einem Flohmarkt für 1000 Euro besorgt. Eigentlich habe er sich damit umbringen wollen, so Peter L. Sein Bruder Lars L. leidet noch heute an den Folgen seiner Verletzung. Das Geschoss hat zahlreiche Nervenstränge durchtrennt. Lars L. will von seinem Bruder Peter ein Schmerzensgeld von mindestens 20 000 Euro. Der psychiatrische Gutachter hatte den Angeklagten als einen Mann beschrieben, der es nur schwer erträgt, wenn Frauen ihm die Beziehung aufkündigen. Bereits 1985 stand er in Bremen vor Gericht. Damals hatte er seine Freundin, die sich von ihm trennen wollte, festgehalten und mit einem Brotmesser bedroht. Der Staatsanwalt beantragte gestern, noch weitere Zeugen zu hören. Außerdem soll der Rechtsmediziner Auskunft geben darüber, wie Peter L. mit der Pistole gezielt haben muss. "Was der Angeklagte dazu gesagt hat, kann nicht stimmen", sagte der Staatsanwalt. Die Verhandlung wird am 30. November fortgesetzt.

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