WTAZV Prignitz : Der Schuppen des Anstoßes

 Zeichnung: Steuer
Zeichnung: Steuer

Streitpunkt: Wann darf die Feuerwehr Wasser aus den Leitungen des Westprignitzer Trink- und Abwasserzweckverbandes entnehmen.

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10. Dezember 2019, 05:00 Uhr

Es war zwar nur ein Schuppen, der Ende November in der Gemeinde Karstädt niederbrannte. Doch er könnte für eine nachhaltige Verstimmung zwischen dem Westprignitzer Trink- und Abwasserzweckverband, Kommunen und den Feuerwehren im Landkreis sorgen. Denn nach dem Löscheinsatz der Feuerwehr verzeichnete der Zweckverband zwei Rohrbrüche in Trinkwasserleitungen im Ort. Und sie macht dafür die Wasserentnahme durch die Wehren verantwortlich. Auf der jüngsten Tagung der Verbandsversammlung bezifferte Vorsteherin Sylvia Klann die Kosten für die Beseitigung der Schäden auf mehr als 8600 Euro. Als Ursache sehen sie und Technik-Chef Fabian Reiwald durch die schlagartige Wasserentnahmen und deren ebenso harten Stopp Druckwellen in den Rohren. Nur so sei erklärbar, dass es nicht zu einfachen Brüchen gekommen sei, sondern ein Stück Oberteil abgesprengt wurde. Dies sei kein Einzelfall.

Der Zweckverband weise seit Jahren darauf hin, dass in seinem Netz nur Trinkwasser befördert werde, kein Löschwasser. Denn dafür reichten die Kapazitäten nicht aus. Eine Löschwasserentnahme durch die Feuerwehr sei nicht vorgesehen, eine Ausnahme sei Perleberg. Eine Wasserentnahme durch die Feuerwehren aus den Hydranten sei nur im allerhöchsten Gefahrenfall zulässig. Ein Hausbrand gehört aus ihrer Sicht nicht dazu. Die Kommunen seien seit Jahren angehalten, Flachspiegelbrunnen und Zisternen für die Wasserversorgung bei Löscheinsätzen der Feuerwehr zu errichten, so die Verbandsvorsteherin. Sie will in Gesprächen mit dem Kreisfeuerwehrverband und der Brand- und Katastrophenschutzbehörde des Landkreises entsprechende Leitlinien und Schulungen für die Führungskräfte durchsetzen.

Beim Brand- und Katastrophenschutzbereich der Kreisverwaltung sieht man die Lage deutlich anders. „Wenn es brennt, dann müssen wir löschen und sind auch berechtigt, Wasser aus den Hydranten zu entnehmen“, sagte Hans-Hugo Hüttmann auf Prignitzer-Anfrage. So sehe es auch das Brand- und Katastrophenschutzgesetz des Landes vor. Deshalb seien auch alle Löschfahrzeuge mit sogenannten Standrohren für die Wasserentnahme aus Hydranten ausgestattet. Diese Standrohre enthielten auch spezielle Filter-und Trenneinrichtungen, um eine Verschmutzung der Trinkwasserleitungen zu verhindern.

Das Thema Wasserentnahme aus dem Trinkwassernetz, das ähnlich auch mit dem Pritzwalker Zweckverband diskutiert werde, sei regelmäßig im Kreisfeuerwehrverband und bei Wehrleiterberatungen angesprochen worden. Mit den Kommunen als Träger des Brandschutzes arbeite man gemeinsam daran, eine zusätzliche Löschwasserversorgung vor Ort über Flachspiegelbrunnen und Zisternen aufzubauen, Sollte der Zweckverband Kosten für das Löschwasser oder Sachschäden geltend machen wollen, müsste er sich an die Gemeinde als Träger des Brandschutzes wenden, so Hüttmann.

Neben den rechtlichen Fragen haben die Feuerwehren auch aus personellen Gründen oft kaum eine Chance, auf die Wasserentnahme aus den Hydranten zu verzichten. Besonders an den Wochentagen, während der Kernarbeitszeit können pro Wehr oft nur wenige Kameraden alarmiert werden. Liegt die Zisterne oder der Flachspiegelbrunnen bei einem Brand am anderen Ende des Ortes, fehlen die personellen Möglichkeiten, eine Wasserversorgung über mehrere hundert Meter aufzubauen.

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