Schräges und Traditionelles : Der Scheißer als Glücksbringer

Miguel Vazquez berichtet über außerwöhnliche Traditionen in Katalonien. Einen Plüschweihnachtsmann, den man sich als Mütze auf den Kopf setzt – er leistet ihm auf diesem Foto Gesellschaft – kennt der Spanier indes aus seiner Heimatregion nicht.
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Miguel Vazquez berichtet über außerwöhnliche Traditionen in Katalonien. Einen Plüschweihnachtsmann, den man sich als Mütze auf den Kopf setzt – er leistet ihm auf diesem Foto Gesellschaft – kennt der Spanier indes aus seiner Heimatregion nicht.

Miguel Vazquez stammt aus der Nähe von Barcelona - Der Azubi berichtet über traditionelle und schräge Bräuche in Katalonien

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06. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute nach Spanien.

25 Jahre nach der Wende scheint Spanien uns ein nahes, vertrautes Land zu sein. Schon allein, weil es als eines der Top-Urlaubsziele der Deutschen gilt. Christlich-katholisch geprägt ist die Historie – welche Unterschiede soll es also in den Weihnachtstraditionen zwischen hier und dort geben? Von einem sehr delikaten Unterschied erzählt Miguel Vazquez gleich zu Beginn des Interviews mit dem „Prignitzer“. El Caganer heißt er, zu Deutsch: der Scheißer. „Das gibt es nur bei uns, das ist typisch für Katalonien“, erzählt der 22-Jährige schmunzelnd. Er stammt aus Caldes de Montbui, einer Stadt, zirka 30 Kilometer von Barcelona entfernt. Bei der Firma Cleo, Bad Wilsnack, und der Bildungsgesellschaft Pritzwalk absolviert er eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker. Seinen Wohnsitz er in Wittenberge. Nach Deutschland kam Miguel im April dieses Jahres über das Programm „MobiPro“ der IHK, entfloh der hohen Jugendarbeitslosigkeit in seinem Land, fühlt sich wohl hier. „Ich kann selbstständig leben, auf eigenen Füßen stehen“, sagt er. Er liebt seine Heimat, möchte aber in Deutschland bleiben. „Zum Arbeiten ist es super hier.“

Aber zurück zu „El Caganer“: Die eigenwillige Krippenfigur aus dem katalanischen Kulturkreis stellt eine Person mit heruntergelassener Hose dar, die sich im Umfeld der Geburt Jesu erleichtert – mit dem Segen von ganz oben: Die spanische katholische Kirche akzeptiert die Anwesenheit des Caganer bei der Geburt Jesu als Glücksbringer. Gemutmaßt wird, dass die Figur, deren Ursprünge ins 17. Jahrhundert zurück reichen, ein Sinnbild für den Kreislauf der Natur darstellt. Sie düngt die Erde, lässt eine gute Ernte fürs kommende Jahr erwarten. Außerdem sieht man im Caganer ein Symbol für einen gesunden und ausgeglichenen Körper … Besonders pikant: Ursprünglich ist der Caganer eine Figur in typischer Kleidung katalanischer Bauern, heute hingegen stellt sie häufig populäre Persönlichkeiten wie Politiker, Sportler oder gekrönte Häupter dar.

Weniger schräg sind andere Advents- und Weihnachtsbräuche in und rund um Barcelona. Üppige Deko, Lichter, Weihnachtsmärkte, Adventskalender, all das kennt Miguel aus seiner Heimat. In der „Noche Buena“, der Heiligen Nacht am Abend des 24. Dezember, kommen – wie bei uns – die Familien zusammen. „Wir sind immer so um die 15 Personen“, erzählt der Spanier, der zu Weihnachten zu Hause, in Caldes de Montbui, sein wird. „Papa Noel“, der Weihnachtsmann, bringt die Geschenke. Spezielle Speisen am 24. und 25. Dezember sind der katalanische Fleisch- und Gemüseeintopf „Escudella“, typischerweise mit muschelförmigen Nudeln namens „Galets“, außerdem „Cannelloni“, mit Hackfleisch gefüllte Teigrollen.

Der bedeutsamere Feiertag, so Miguel, sei der „Dia de los Reyes“, der Drei-Königs-Tag am 6. Januar. Vielerorts gibt es große Umzüge und biblische Aufführungen. Und dazwischen wird, wie bei uns, der Jahreswechsel gefeiert, mit einem besonderen Brauch zu Silvester: Kurz vor Mitternacht trifft man sich auf den Rathausplätzen der Städte und verspeist zu den zwölf Glockenschlägen nach und nach zwölf Glückstrauben, „Uvas de suerte“, auf dass es ein gutes neues Jahr werden möge.
 

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