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Der Prignitzer

18. November 2017 | 02:14 Uhr

Der Preisfluch an der Tankstelle

vom

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2012 | 07:01 Uhr

Prignitz | Benzin ist teuer wie nie. Die Preisspirale an den Tankstellen dreht sich immer weiter nach oben. Wirklich fahren oder das Rad nehmen? Manche Kraftfahrer haben die Wahl, doch Unternehmen nicht. Wie gehen sie mit den Rekordpreisen um? Wir haben uns umgehört.

Der Lenzener Omnibusbetrieb Hülsebeck besitzt neun Fahrzeuge und verbraucht pro Woche im Schnitt 1200 bis 1500 Liter Diesel, wie Mitarbeiterin Uta Lehmann informiert. "Wir haben derzeit einen Verlust von etwa 100 Euro im Monat, rechnet sie vor. "Der Liter Diesel hat sich für uns im letzten halben Jahr um 17 Cent erhöht", verdeutlicht sie die rasante Preissteigerung. Ende Februar lag er bei 1,177 Cent - so hoch wie noch nie. Die Verkehrsgesellschaft Prignitz mbH (VGP), in deren Auftrag der Familienbetrieb fährt, habe zwar das Kilometerentgelt ab März erhöht, allerdings reiche das nicht aus, um die Preisschraube abzufangen, erklärt Uta Lehmann. Es sei aber immerhin eine kleine Entlastung.

Ähnlich ergeht es Liane Zucht mit ihrer gleichnamigen privaten häuslichen Kranken- und Seniorenpflege aus Wittenberge. "Sicher sind die hohen Preise für uns ein Problem. Doch eine Lösung sehe ich nicht. Die Krankenkassensätze ändern sich nicht, wir bleiben auf den Mehrkosten sitzen", sagt sie. "Wir müssen die Touren fahren und Patienten versorgen." Einzige Maßnahme, um zumindest etwas Benzin zu sparen, sei die Anweisung an die Mitarbeiterinnen, möglichst wirtschaftlich zu fahren.

Zu Lasten des Gewinns gehen die hohen Tankkosten auch in der Wittenberger Diakoniestation. Deren 14 Fahrzeuge verbrauchen derzeit Benzin in Höhe von rund 3400 Euro monatlich. "Verglichen mit den monatlichen Spritkosten von vor einem halben Jahr sind das 500 Euro mehr", sagt Geschäftsführerin Rita Langwisch. "Diese Mehrkosten bekommen wir nicht refinanziert", bedauert sie.

Auch ihre Mitarbeiterinnen sind dazu angehalten, wirtschaftlicher zu fahren. "Und wir schauen täglich auf die Preistafeln der Tankstellen. Ist der Literpreis mal etwas niedriger, wird sofort getankt, auch wenn der Tank noch nicht leer ist". Die Argumentation der Mineralölkonzerne könne Rita Langwisch nicht nachvollziehen: "Selbst wenn die Ölpreise fallen, ändert sich nichts an den Benzinpreisen. Das kann doch nicht sein."

Verärgert äußert sich auch Frank Rüdiger-Gottschalk, Geschäftsführer beim Reisedienst Westprignitz, mit 54 Bussen das größte Omnibusunternehmen in der Region. Sein Groll richtet sich gegen die Politik und den mangelnden Wettbewerb in der Mineralölbranche. "Angesichts der katastrophalen Spritpreise regt mich am meisten das Verhalten der Bundesregierung, speziell Herrn Ramsauers auf, die nichts gegen die Mechanismen der Preispolitik an den Tankstellen unternehmen. Meiner Meinung nach sollte das australische Modell eingeführt werden, so dass nur einmal am Tag der Benzinpreis verändert wird, statt wie jetzt fünf Mal." Angaben über Konsequenzen der Preissteigerung für seinen Betrieb wollte Rüdiger-Gottschalk gegenüber unserer Redaktion nicht machen.

Auf Erdgas umzusteigen, komme für die befragten Dienstleister nicht in Betracht. "Das rentiert sich nicht", sagen sie einstimmig. Damit sich eine solche Umrüstung lohnt, müssen rund 20 000 Kilometer im Jahr verfahren werden, wie Jörg Kirst vom ADAC auf Nachfrage informiert. "So pauschal lässt sich das aber schwer sagen. Ob sich Erdgas bzw. Autogas rechnet, komme zum einen auf den Verbrauch des Autos, zum anderen auf die jährliche Kilometerleistung an. "Außerdem", so Kirst, "muss man bedenken, dass auch der Preis für Erdgas steigt, wenngleich auch nicht so stark wie Benzin".

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