Zahn der Zeit nagt in Hoppenrade : Der Niedergang eines Champions

Ein Pilz hat dem Baum so schwer zugesetzt, dass einige Äste herabfielen und die Buche zurückgeschnitten werden musste.
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Ein Pilz hat dem Baum so schwer zugesetzt, dass einige Äste herabfielen und die Buche zurückgeschnitten werden musste.

Die Kletterbuche im Landschaftspark ist von einem Pilz befallen und musste zurückgeschnitten werden.

svz.de von
18. April 2017, 21:00 Uhr

Noch vor fast genau einem Jahr wurde die riesige Kletterbuche im Landschaftspark Hoppenrade als „Champions Tree“ gekürt, als größte und dickste Buche Deutschlands. Jetzt ist von dem imposanten, etwa 175 Jahre alten, Riesenbaum nicht mehr viel übrig. Der Zahn der Zeit nagt auch an einer noch so starken Buche.

Vor gut einer Woche sind bei einem Sturm zwei große Stämmlinge abgebrochen. Die Buche besteht nämlich nicht aus einem einzigen Stamm, sondern aus mehreren, die miteinander verwachsen sind. Ein Alarmzeichen auf das sofort reagiert wurde, war der Absturz von zwei mächtigen Stämmen. Vertreter des Parkvereins, der unteren Naturschutzbehörde, einer Baumfällfirma und des CJD Berlin-Brandenburg, auf dessen Grundstück die Buche steht, trafen sich vor Ort. „Die Verkehrssicherheit geht einfach vor. Kinder unserer Einrichtung aber auch Besucher des Parks bewegen sich unter der Buche und da ist Sicherheit das oberste Gebot“, sagt Jörg Stricker vom CJD Berlin-Brandenburg. Bei den Untersuchungen vor Ort wurde festgestellt, dass die Stämme zu einem sehr großen Teil durch einen Pilz befallen sind. Niederschläge sammelten sich in der Mitte der Stämmlinge, die wie ein Trichter wirkten. Hier konnte der Pilz sehr gut gedeihen und das Holz von Innen regelrecht schwammig werden lassen, erklärt Frank Giese von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Die meisten der Stämmlinge wurden bis auf eine Höhe von drei Metern über dem Erdboden zurückgeschnitten, zwei bleiben etwa acht Meter lang. Die Schnittreste werden in diesen Tagen von einer Fachfirma geschreddert. Damit ist von dem einst imposanten Erscheinungsbild der Riesenbuche nur noch ein kläglicher Rest übrig. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir den Baum retten können. Linden und Weiden schlagen nach so einem massiven Rückschnitt immer wieder aus. Buchen sind da deutlich empfindlicher. Ich fürchte, dass es mit der Buche im Landschaftspark zu Ende geht“, sagt Frank Giese. Für den Landschaftspark Hoppenrade ein ganz massiver Verlust, veranlasste doch allein dieser Baum viele Menschen dazu, das Areal zu besuchen. Der Champion im Landschaftspark ist noch nicht k.o. gegangen, aber zumindest ist er stark angeschlagen und wird bereits angezählt.

Wie alt die „Kletterbuche“ ist, vermag niemand wirklich zu sagen. Vertreter des Fördervereins Landschaftspark Hoppenrade gehen davon aus, der Baum um 1840 gepflanzt wurde, als der Landschaftspark angelegt wurde. Die Kletterbuche vertrat Anfang des Jahres Deutschland bei der Internet-Wahl zum „Europäischen Baum des Jahres 2017“, landete dort aber auf dem letzten Platz. „Für diese Wahl sind wir hier wohl zu ländlich“, meint Marcel Michael vom CJD, der in Hoppenrade die Einrichtung für Kinder und Jugendliche leitet. Den Wettbewerb gewann die Joseph-Eiche in Polen, gefolgt von der Brimmon-Eiche in Wales und der Linde bei Lipka in Tschechien.  
 

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