Bühnen-Jubiläum : Der Mann mit der Gitarre

Die Gitarre bestimmte seinen Werdegang: Peer Reppert, wie man ihn auf der Bühne kennt.
Die Gitarre bestimmte seinen Werdegang: Peer Reppert, wie man ihn auf der Bühne kennt.

Vor 30 Jahren begann Peer Reppert seine professionelle Sängerlaufbahn und die Bühne bleibt sein Metier, weil „es mir Spaß macht“

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20. Januar 2018, 05:00 Uhr

Schauspieler wollte Peer Reppert eigentlich werden. Das klappte nicht. Dennoch wurde die Bühne zu seinem Revier. Im Januar vor 30 Jahren startete der Perleberger seine professionelle Sängerlaufbahn. Redakteurin Doris Ritzka unterhielt sich mit dem Entertainer.

Warum wurde es nichts mit der Schauspielerei?
Peer Reppert: Zur Aufnahmeprüfung fand sich einfach keine geeignete Rolle. Damit war der Zug abgefahren.

Die Magie der Bretter, die die Welt bedeuten, hielt Sie aber dennoch gefangen.
Hobbymäßig habe ich auch damals schon Musik gemacht, autodidaktisch mir das Gitarrenspiel beigebracht. Irgendwann musste ich mich dann entscheiden.

Zwischen was?
Gelernt habe ich Kellner und etliche Jahre in der Konsumwerbung gearbeitet. Den Tag über habe ich in der Wilsnacker Schauobjekte hergestellt und abends Musik gemacht. Als ich dann nachts mit meinem Trabi samt Anhänger urplötzlich auf einem Feld stand, da wusste ich, so geht es nicht weiter.

Sein Hobby zum Beruf machen, so einfach ging es meines Erachtens in der DDR nicht. Liege ich da falsch?
Ohne Berufsausbildung kam keiner auf die Bühne. Der direkte Weg war ein Musikstudium. Meiner war eine abgeschlossene Berufsausbildung, Gesangsunterricht und Förderverträge.

Klingt nach lang und anstrengend.
Stimmt, zumal ich mein Herz an die Countrymusik, in der DDR eher verpönt, weil aus dem Westen, verloren hatte. Insofern brauchte es schon eine Weile und Beziehungen bevor ich schließlich meine Prüfung ablegen durfte.

Und bereut?
Jein. Was die Musik betrifft, habe ich alles richtig gemacht. Als Hobby ist das okay, doch in die Selbstständigkeit würde ich aus heutiger Sicht nicht mehr gehen. So schön es klingt, sein eigener Chef zu sein, so hart ist es auch, das weiß jeder, der diesen Schritt getan hat. Und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, in meinem Metier zu bestehen.

Warum?
Da gibt es viele Gründe. Statt drei Tage wird heute einen Tag Stadtfest gefeiert. Viele Unternehmen reduzieren ihren Kulturetat, weil das Geld für anderes benötigt wird. Vereine werden altersbedingt immer kleiner oder lösen sich gar ganz auf. Letztlich ist es immer der Kostenfaktor. In den 30 Jahren wurde immer gestrichen und zu allererst an der Kultur gespart. Staatlich geförderte Kulturhäuser wie zu DDR-Zeiten gibt es nicht und auch keinen Kulturfonds in den Betrieben. Dafür aber die GEMA. Deren Gebühren schrecken immer mehr Veranstalter ab.

30 Jahre auf der Bühne, worauf sind Sie besonders stolz?
Was ich in den Jahren gekonnt habe. Ich versuche mein Ohr an der Zeit zu haben, den Geschmack der Menschen zu treffen, einfach modern zu bleiben. Dafür stehen meine Programme – inzwischen sind es 20 an der Zahl für Groß und Klein in den unterschiedlichsten Genres.

Stichwort Räuber Rotbart
Das war mein Einstieg ins Kinderprogramm vor rund zehn Jahren. Es gab einfach zu wenig gute. Ich, der ich selbst Vater bin, wollte es besser machen.

Und haben Sie es?
Kinder sind ein sehr kritisches Publikum. Wenn sie noch vom Räuber Rotbart und dem Märchenwald reden, während ich längst mein Kostüm ausgezogen und mich abgeschminkt habe, dann habe ich alles richtig gemacht. Hautnah am Publikum zu sein, das liebe ich. Das Feedback folgt auf dem Fuße, in einem großen Saal geht es in der Masse zumeist unter.

Woran denken Sie besonders gern zurück?
Ich stand mit einigen Ikonen der Schlager- und Popszene auf der Bühne. Erst im vergangenen Jahr mit Bata Illic. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an ihn. Ein toller Mensch, ein guter Sänger, der trotz seines Alters eine super Show hingelegt hat. Oder Bernhard Brink. Der hat es gesanglich einfach drauf. Und wenn Ute Freudenberg singt, dann stehen mir immer wieder die Nackenhaare hoch. Ich schätze sie sehr, sie hat es einfach gelernt, wie wir alle, und es geschafft, sich über die Zeit zu entwickeln und nicht nur von ihrem Namen zu leben, wie etliche andere einstige Stars der Musikszene.

Drei Jahrzehnte auf der Bühne, gibt es da auch was zum Schmunzeln?
Klar. Ich sage nur Strumpfhose. Ohne eine solche fuhr ich nirgends mit meinem Trabi hin. Denn sie war der beste Keilriemenersatz, den man sich denken konnte. Und ich weiß, wovon ich spreche. Noch heute lache ich auch über das Video vom letzten „Sprungbrett“ mit Carmen Nebel des DFF Fernsehens. Man, hatte ich da lange Haare.

Und dann kam die Wende.
Ich brauchte nicht groß umzudenken, ich musste mich all die Jahre immer selbst vermarkten. Denn als Countrysänger war ich zwar ein Paradiesvogel, den man gern als schmückendes Beiwerk in die Sendung oder Veranstaltung holte, aber vermitteln wollte mich niemand.

Also lief alles nahtlos weiter?
Wäre schön gewesen, doch uns wollte erst einmal niemand. So habe ich mich die ersten zwei, drei Jahre mit Discos über Wasser gehalten. Aber das war einfach nicht mein Ding. Da entstand die Idee vom Schlagercafé, meinem ersten Unterhaltungsprogramm. Als zweites folgte dann ein deutschsprachiges Countryprogramm. Damit bin ich dann durch die Lande getingelt. Inzwischen wollte man uns wieder, wuchs der Bedarf im Sektor Schlager. Ich versuchte in und mit meinen Programmen stets mit der Zeit zu gehen.

Wie kann ich mir das vorstellen?
Während früher der Schneewalzer das Parkett beim Tanz der älteren Generation füllte, ist es heute Andrea Berg. Übrigens, auch der Humor ist heute ein anderer. Früher sorgte Heinz Erhardts geistreicher Witz für Lacher, heute ist alles flacher, wenn ich mir so einige Comedians anschaue.

Gibt es nun ein spezielles Programm zum Bühnenjubiläum?
Nein. Meine zwei neuen Programme, die ich im vergangenen Jahr rausgebracht habe, werde ich natürlich immer noch ein Stück pushen, dazu gibt es überarbeitete und neue Musiktitel, Dramaturgie und zum Teil neues Outfit. Und dann hoffe ich, dass endlich wieder ein paar Türen aufgehen.

Sie lieben es, nah am Publikum zu sein. Was wünschen Sie sich von ihm?
Generell sollte man Gutes nicht für selbstverständlich hinnehmen und nicht nur die eigene Meinung zum Maß der Dinge machen. Kritik gehört in jedem Job dazu, doch der Ton macht die Musik.

Also mehr Offenheit?
Zumindest ein wenig offener sich geben auch für den Geschmack bzw. Zeitgeist der anderen. Wenn früher beim Dorftanz der Walzer gespielt wurde, dann war auch die Jugend auf dem Parkett, verrenkte sich halbwegs dabei, aber sie machte mit. Umgekehrt rockten auch die Alten mit.

Und, machen Sie die 50 Bühnenjahre voll?
Ob es 50 werden, weiß ich nicht. Da ich aber wider aller Gerüchte noch kein Millionär geworden bin, meine Rente irgendwann sehr klein ausfallen wird, werde ich weiter auf der Bühne stehen. Vor allem aber, weil es mir einfach Spaß macht. Ich hoffe, dass ich auch weiterhin eine Nische finde und den Geschmack treffe, um Menschen zu unterhalten. Privat wünsche ich mir natürlich, dass meine Familie und ich gesund bleiben. Und wer weiß,vielleicht finde ich auch noch die große Liebe.

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