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Der Prignitzer

18. November 2017 | 09:38 Uhr

"Der Lohnunterschied wird kleiner"

vom

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2012 | 05:42 Uhr

Prignitz | In Rekordzeit wurde Mitte August der neue Tarifabschluss für das Brandenburger Hotel- und Gaststättengewerbe verabschiedet. Und sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Gewerkschaftsseite ist man mit dem Abschluss zufrieden. Zur Erinnerung: In vier Schritten, der letzte am 1. Januar 2015, erhöhen sich die Löhne der Beschäftigten um insgesamt mehr als 20 Prozent.

"Es war wichtig ein Zeichen zu setzen", sagt Henry Tygör, Leiter der Prignitzer Dehoga-Geschäftsstelle in Wittenberge. Durch den Tarifabschluss sei die Grundlage geschaffen worden, um Fachkräfte in der Region zu halten oder sogar neue zu gewinnen. "Es gibt keinen anderen Weg, um der Misere zu begegnen", so Tygör. Der Fachkräftemangel habe sich über die Jahre peu à peu aufgebaut. Wenn jetzt wieder mehr Menschen Interesse an einer Beschäftigung im Hotel- und Gastgewerbe zeigten, sei dies auch im Interesse der Gäste, so Tygör.

Auch auf Gewerkschaftsseite ist man mit dem Tarifabschluss grundsätzlich zufrieden. "Wir haben mit diesem deutlichen Ergebnis eine spürbare Verbesserung der tariflichen Einkommen im Brandenburger Hotel- und Gaststättengewerbe erreichen können", sagt Sebastian Riesner von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG). Dennoch seien die Erwartungen nicht vollständig erfüllt worden. Insbesondere der lange Zeitraum, über den die Erhöhungen umgesetzt werden, kritisiert der Gewerkschafter. "Doch was über 20 Jahre versäumt wurde, lässt sich nicht in einem Schritt korrigieren", so Riesner. Durch den Abschluss werde der Lohnunterschied, etwa zu Berlin, zwar kleiner, dennoch "wird das Berliner Niveau nicht erreicht", sagt Riesner. So erhält, laut NGG, ein gelernter Koch in Brandenburg gut 20 Prozent weniger Monatslohn als ein Kollege in der Hauptstadt.

Viele Gastwirte in der Region bezahlen ihren Angestellten nach eigenen Angaben gar einen übertariflichen Lohn. So auch Knut Diete vom Kranhaus in Wittenberge. "Ich kann mir jedoch vorstellen, dass die Umsetzung der Erhöhungen für kleinere Betriebe abseits der Touristenrouten schwierig werden könnte", gibt er zu bedenken. Thomas Schneider, Geschäftsführer der Lucullus GmbH, die auch den Theaterkeller in Wittenberge betreibt, begrüßt die Lohnanpassung. "Für die Leistungen, die die Arbeitnehmer erbringen, ist die grundsätzliche Erhöhung notwendig", so Schneider. Dennoch sei der Abschluss ein zweischneidiges Schwert, da es für Gastronomen in einer strukturschwachen Region wie der Prignitz nicht einfach sei, Erträge zu erwirtschaften.

Die Fischerkate in Mödlich bezahle zwar übertariflich, habe aber Schwierigkeiten Personal zu bekommen. "Viele wollen in der Region nicht arbeiten", sagt Geschäftsführerin Ute Dressler. Aktuell sucht sie Mitarbeiter für den Servicebereich. "Doch wenn wir nicht mal Bewerbungen erhalten, können wir auch nicht über Löhne sprechen", so Dressler.

Probleme, Mitarbeiter zu bekommen, hat Lutz Mamerow, Geschäftsführer des Hotels Deutscher Kaiser in Perleberg, nicht. "Mitarbeiter, die gut bezahlt sind, bringen auch gern mehr Leistung", sagt er aus Erfahrung. Den Tarifabschluss sieht Mamerow positiv, obwohl er kurzfristig kaum Auswirkungen erwartet. "Doch es ist der richtige Weg".

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