Lotte Lehmann Akademie : Der letzte Schritt zur Profikarriere

Itzel Medécigo (Mexiko) und Wagner Moreira (Brasilien) in dem Quintett „Selig wie die Sonne“ aus den „Meistersingern von Nürnberg“.
Foto:
Itzel Medécigo (Mexiko) und Wagner Moreira (Brasilien) in dem Quintett „Selig wie die Sonne“ aus den „Meistersingern von Nürnberg“.

Der künstlerische Leiter Angelo Raciti spricht über die Entwicklung und Anforderungen der Lotte Lehmann Akademie

von
29. August 2016, 10:00 Uhr

Ganz im Zeichen des 40. Todestages von Lotte Lehmann stand am Freitagabend das Abschlusskonzert der Lotte Lehmann Akademie. Die jungen Nachwuchssänger interpretierten ihre größten Bühnenerfolge. ‚Sie mag gestorben sein, aber sie ist nicht tot“, moderierte der künstlerische Leiter Angelo Raciti. Mit ihm sprach Redakteur Hanno Taufenbach über den Erfolg der Akademie und ihre enorme internationale Anziehungskraft.

Drei Wochen lang hat das Dozententeam mit den Teilnehmern hart gearbeitet. Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der Akademie?

Angelo Raciti: Einer unserer Dozenten sprach von einem enormen Qualitätssprung der Teilnehmer. Sie hätten spürbar an Qualität und Präsenz gewonnen. Ich bin sehr zufrieden.

In welchen Momenten war dieser Qualitätssprung zu spüren?

Neben dem Abschlusskonzert am Tag zuvor im Wittenberger Restaurant Kranhaus. Es war ein anspruchsvolles Programm. Sie haben klasse gesungen und das auf einem Level, welches ich nicht erwartet hätte.

Es war die achte Akademie. Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Wer von außen schaut, kann das leichter beantworten. Seit drei Jahren arbeiten wir mit einer Agentur zusammen, die unsere Teilnehmer nach einem Vorsingen berät, ihnen Tipps gibt. Die Agentur bescheinigt uns eine kontinuierliche Tendenz.

Aber ich denke auch, dass sich die Akademie einen Namen erarbeitet hat.

Woran erkennen Sie das?

Quantitativ haben wir uns nicht gesteigert, aber unsere Teilnehmer haben ein höheres Niveau. Sie fragen sich, ob sie sich eine Teilnahme wirklich zutrauen und nur wer sich diese Frage mit Ja beantwortet, kommt zu uns.

Was sind die Ursachen für diesen Erfolg?

Wir haben ein sehr gutes und stimmiges Dozententeam. Dieses bringt alles zusammen, was für die jungen Sänger von Relevanz ist. Wir finden mehr und schnellere Wege, um unsere Ziele zu erreichen. Aber wir sind keine Abkürzung in die professionelle Laufbahn.

Wie meinen Sie das?

Es gibt Veranstaltungen, die das suggerieren, die am Ende ein Vorsingen anbieten mit der Option eines anschließenden Engagements. Davon halte ich nichts. Wer für eine professionelle Karriere bereit ist, der braucht keine Akademie mehr.

Und wer zu Ihnen kommt...?

...bei dem klemmt es noch irgendwo. Wir wollen Grenzen erlebbar machen, den Künstlern eine Schwelle zeigen, die sie dann aber selbst überschreiten müssen.

Kommt es vor, dass Sie einem Teilnehmer von einer Gesangslaufbahn abraten?

Jemanden für nicht geeignet zu halten, kann man selten so grundsätzlich formulieren. Es gibt immer wieder Überraschungen. Wir sind die Ausbilder und treffen somit kein endgültiges Urteil. Das machen die Betriebe und Agenturen, bei denen die Künstler vorsingen.

Die angestrebte Profikarriere ist ein hartes Brot. Gehen Sie auch auf diesen Aspekt ein?

Ja, wir wollen vermitteln, dass die Sänger verantwortungsvoll mit dem Opernbetrieb umgehen, nicht ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Lotte Lehmann ist dafür ein gutes Vorbild, sie stand 40 Jahre auf der Bühne und auch unsere Dozenten haben 25, 30 Jahre und mehr Bühnenerfahrung.

Gibt es eigentlich Wiederholungstäter in der Akademie?

In diesem Jahr nicht, aber in der Vergangenheit häufiger. Das freut uns und einige von denen, die mehrfach teilnahmen, gehören zu unseren eifrigsten Fürsprechern.

Brasilien, Chile, USA, Mexiko – wer die Herkunftsländer der Teilnehmer besucht, begibt sich auf eine Weltreise. Warum kommen so viele von so weit her nach Perleberg?

In diesen Ländern gibt es oft keinen funktionierenden Opernbetrieb. Mitteleuropa dagegen ist ein Biotop. Wir vermitteln, was die Sänger für diesen Markt brauchen.

Warum gibt es so wenig deutsche Teilnehmer?

Sie sind es nicht gewohnt, für ihre Ausbildung zu bezahlen und merken oft zu spät, was ihnen die Hochschule nicht gibt. Wenn sie das erkennen, kommen sie zu uns, aber es sind wenige.

In den drei Wochen gaben Sie sechs Konzerte an verschiedenen Orten und eines im Krankenhaus. Wollen Sie das beibehalten?

Es täte mir in der Seele weh, wenn einer dieser Orte wegfallen würde. Ich denke mit der diesjährigen Auswahl hat sich die Konzertreihe endgültig etabliert, wir hätten für alle Spielstätten mehr Karten verkaufen können, hätte es mehr Plätze gegeben.

Andererseits fände ich die Burg Lenzen sehr attraktiv, die werde ich mir auf alle Fälle einmal anschauen. Wir können den Spielplan aber auch nicht überfrachten.

Sind Veränderungen für die Akademie im nächsten Jahr absehbar?

Es wäre zu früh, darüber nachzudenken. Derzeit würde ich nichts verändern wollen.

Vielen Dank.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen