bronzehort und Silbermünzen : Der Lebuser Schatz-Meister

Frank Slawinski geht mit einer Metallsonde auf Feldsuche.
Frank Slawinski geht mit einer Metallsonde auf Feldsuche.

Nach dem Bronzehort hat Hobby-Archäologe Frank Slawinski nun 1000 Jahre alte Silbermünzen aus der späten Slawenzeit entdeckt

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21. Januar 2016, 12:00 Uhr

„Es wurde mal wieder Zeit für einen großen Fund“, sagt Frank Slawinski lax. Zwölf Jahre sind vergangen, seit er im Aushub für einen Hausbau auf dem Lebuser Schlossberg auf den berühmten Bronzeschatz gestoßen war. Nun hat der Lebuser Hobby-Archäologe Brandenburgs größten Silberschatz der späten Slawenzeit gehoben.

Es ist der 3. Oktober 2015, der Jubiläums-Tag der Deutschen Einheit. Während seine Nachbarn den sonnigen Feiertag auf einem der vielen Feste bei Bier und Grillwurst verbringen, ist Frank Slawinski mit seiner Metallsonde an den Oderhängen zwischen Lebus (Märkisch-Oderland) und Frankfurt unterwegs.

„Auf Feldsuche“, wie der 56-Jährige sagt. Und das ganz legal. Denn der Lebuser ist einer der wenigen vom Landesamt für Denkmalpflege ausgebildeten ehrenamtlichen Archäologen. Die Suche ist seine Leidenschaft. Und sein Erfolg dabei erstaunlich.

An jenem Feiertag lässt Frank Slawinski der Ton, den die schwarze Metallsonde von sich gibt, aufhorchen. Der Hobby-Archäologe kann unterscheiden, ob das Suchgerät Metallschrott aus den Kämpfen zum Kriegsende oder Edelmetall anzeigt. Er beginnt zu graben.

In nur 30 Zentimetern Tiefe stößt der Lebuser auf erste Silbermünzen. Sie sind jeweils nur etwa ein Gramm schwer, messen im Durchschnitt 16 Millimeter. „60 bis 70 Stück davon lagen verstreut herum. Bei der weiteren Suche bin ich dann auf einen Krug gestoßen“, berichtet der Hobby-Archäologe.

Im zerborstenen Tonkrug befanden sich rund 1800 Silbermünzen. „Sogar der grob gewebte Leinenstoff, in den man sie gewickelt hatte, war noch zu erkennen, einfach toll“, schwärmt der Hobby-Archäologe. Er habe bis zum Einbruch der Dunkelheit gesucht und dann alles mit nach Hause genommen – obwohl die Experten vom Landesamt an solchen Fundstellen gern selbst alles im Originalzustand dokumentieren, wie der ehrenamtliche Sucher aus der langjährigen Zusammenarbeit weiß.

Doch die Gefahr, dass ein illegaler Sondengänger auf den Silberschatz stoßen und ihn stehlen würde, sei zu groß gewesen, sagt Slawinski. Gerade im Oderbruch seien viele illegale Schatzjäger unterwegs, weiß der Lebuser, der sie bei seiner Feldsuche immer wieder trifft.

Dass Frank Slawinski mit dem Fund seinem Namen alle Ehren macht, stellte sich schnell heraus. Denn bei den Silbermünzen handelt es sich um Sachsen- oder Hochrand-Pfennige. Sie seien rund 1000 Jahre alt, stammten aus der späten Slawenzeit, erklärt der Hobby-Archäologe. Sogar der Fundort ist irgendwie typisch für ihn, der in Frankfurt aufgewachsen ist und seit 1996 in Lebus lebt.

Slawinski ging an den folgenden Tagen nach Feierabend – denn sein Brot verdient er als Trockenbauer – wieder zum Fundort, um nachzusuchen. Der Lebuser fand weitere einzelne Münzen. Erst eine Woche nach dem Fund kamen die Experten vom Landesamt zur groß angelegten Nachsuche. Sie habe noch etwa 200 weitere Silbermünzen zutage gebracht, sagt der Ehrenamtler, der von den Experten lange scheel angeschaut wurde. Denn die archäologische Suche mit Metalldetektoren war verpönt. Das hat sich spätestens seit dem ersten Lebuser Schatzfund im August 2003 geändert.

Damals waren die Verantwortlichen des Landesamtes nach dem Fund von zwei Bronzebeilen in einer Baugrube auf dem Schlossberg auf Frank Slawinski zugekommen. Im Bauschutt, der bereits auf eine Deponie in Podelzig (Märkisch-Oderkand) gebracht worden war, lokalisierte die Sonde des Lebusers den Schatz, der als „Bronzehort von Lebus“ in die Annalen einging: Mehr als 100 Beile, Halsschmuck und ein Schwert fanden Slawinski und ein Team von ABM-Kräften. Das Bronze-Werkzeug ist knapp 3000 Jahre alt und im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg an der Havel zu sehen.

Dass der 22,8-Kilo-Fund von der früheren Ministerin Johanna Wanka dort und nicht in Lebus der Öffentlichkeit präsentiert wurde, ärgerte neben Frank Slawinski auch den rührigen Lebuser Heimatverein. Er unterhält das Museum „Haus Lebuser Land“ in der Altstadt. Der Verein musste Tausende Euro Spenden sammeln, um wenigstens einige Repliken aus dem Bronzeschatz für seine Ausstellung anfertigen lassen zu können.

Diesmal soll es anders sein. Er habe sich dafür eingesetzt, dass der Fund in Lebus präsentiert wird, sagt Slawinski. Am 22. Januar kommt der Silber-Schatz für einen Tag nach Lebus zurück. Und dem Finder wird gebührende Aufmerksamkeit gezollt. Denn der Lebuser Schatz-Meister hat eine Powerpoint-Präsentation zu seinem Fund vorbereitet, bei dem es sich um den größten Münzfund Brandenburgs aus jener Zeit handelt.

Slawinskis erster Silbermünzfund ist es indes nicht: Der Lebuser war dabei, als in Stolpe in der Uckermark ein Fürstengrab der Slawenzeit frei gelegt wurde. In unmittelbarer Nähe waren die Archäologen auf ein Depot mit 800 Silbermünzen gestoßen. In Brandenburg an der Havel hatte ein Sondengänger erst unlängst 3000 Silbermünzen aus dem Mittelalter entdeckt.

Slawinski war an den Suchen am Lossower Burgwall, dem Slawenwall bei Reitwein (Märkisch-Oderland) und anderen Vorhaben des Archäologischen Landesamtes beteiligt. Inzwischen ist er Mitglied der Archäologischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Er habe bereits eine weitere „sehr interessante Fundstelle“ im Lebuser Umland in petto, sagt der Hobby-Historiker, der die Funde dem Landesamt stets komplett übergibt. Aus Sicherheitsgründen möchte er den Ort noch nicht verraten. Mit Blick auf den Lebuser Bronze- und den Silber-schatz-Fund erklärt der Lebuser aber lachend: „In etwa zehn Jahren wäre ja dann wohl ein Goldschatz dran!“
 

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