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Der Prignitzer

13. Dezember 2017 | 12:28 Uhr

Erbrecht : Der lange Weg bis zum Erbschein

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unser Leser Günther Schalla kämpft am Nachlassgericht um sein Erbe, aber notwendige Dokumente fehlen oder sind verloren.

Einen Erbschein zu bekommen, kann eine langwierige und komplizierte Angelegenheit sein. Diese Erfahrung macht unser Leser Günther Schalla. Am 17. März war sein Bruder Dieter verstorben und damit sei er der einzige noch lebende Verwandte, sagt Günther Schalla. Doch das Amtsgericht Perleberg verlange von ihm Formulare und Bescheinigungen, die er nicht vorlegen könne. In seiner Not wandte er sich an unsere Redaktion und bat um Unterstützung.

Günther Schalla räumt selbst ein, dass die Sache kompliziert sei. Es geht um Geschwister, um einen Halbbruder, um Geburts- und Sterbeurkunden. Es geht um polnische Dokumente aus den Vorkriegsjahren, die nicht mehr existieren würden, die in den Kriegswirren verloren gegangen seien. Aber er habe dennoch viele der geforderten Urkunden und Nachweise dem Nachlassgericht vorlegen können, so Schalla. Er könne nicht verstehen, dass dies noch immer unzureichend sei.

„Das ist es aber“, sagt Frank Jüttner. Der Amtsgerichtsdirektor hat auf Bitten unserer Redaktion mit der zuständigen Kollegin gesprochen, sich selbst die Akte angeschaut. Das Ausstellen eines Erbscheins in solchen kinderlosen Fällen und ohne vorliegendes Testament sei gesetzlich genau vorgeschrieben.

„Ich habe Verständnis für Herrn Schalla, aber uns fehlen noch einige Dokumente“, sagt Jüttner. In dem Familienstammbaum seien 14 Namen aufgelistet und in der Tat müssen zu allen Personen Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden vorgelegt werden.

Es geht um den Nachweis der verwandtschaftlichen Beziehungen. Deshalb sei es auch nicht ausreichend, wenn Fotos von einem Grabstein dem Gericht gezeigt werden. In diesem Fall soll es sich um das Grab eines Halbbruders handeln, der 1943 an der Ostfront starb. „Ein Grabstein sagt nichts über die Eltern des Verstorbenen aus“, erklärt Frank Jüttner.

Das Gericht könne und dürfe nicht über die Glaubwürdigkeit urteilen, sondern muss sich an den Beweisen orientieren. „Das kann im Einzelfall wie bei Herrn Schalla intensive Nachforschungen bedeuten“, sagt Jüttner. Grundsätzlich habe der Antragsteller die Beweise zu erbringen.

„Die Erfahrung zeigt, dass es auch in Polen häufig gelingt, solche alten Urkunden zu bekommen oder zumindest Auszüge aus Registern“, sagt Jüttner. Selbstverständlich gebe es aber auch Fälle, in denen das nicht mehr gelingt und benötigte Unterlagen wirklich nicht mehr vorhanden sind. In so einem Fall könne dennoch ein Erbschein ausgestellt werden. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich der Antragsteller ausreichend bemüht habe, alle Unterlagen zu bekommen. Das sei im Fall Günther Schalla aus Sicht des Gerichtes noch nicht geschehen.

„Er kann gerne einen Termin vereinbaren, dazu auch eine Person seines Vertrauens mitbringen. Wir sagen ihm dann konkret, welche Dokumente wir noch benötigen“, bietet Jüttner Unterstützung an. Eine Rechtsberatung werde das Gericht nicht geben, auch keine Ratschläge, an wen sich Günther Schalla wenden muss. Allerdings gebe es auf solche Fälle spezialisierte Rechtsanwälte.

Allgemein rät Frank Jüttner dazu, bei kinderlosen Familien ein Testament aufzusetzen. Damit könne unabhängig von verwandtschaftlichen Beziehungen festgelegt werden, wer das Erbe antritt. „Dann ist das Ausstellen eines Erbscheins kein Problem“, sagt Jüttner.

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