Aus Wittenberges Ur- und Frühgeschichte : Der Kuhberg birgt ein großes Geheimnis

kuhberg

Archäologen vermuten auf der Erhebung am Industriegebiet extrem viele Gräber / Stadt ändert Erweiterungspläne für das Industriegebiet

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05. Februar 2014, 12:00 Uhr

Die Stadt Wittenberge will das Gewerbegebiet an der B 189 für Industrieansiedlungen erweitern. Aber: Sie wird den Kuhberg nicht anrühren, obwohl er sich direkt an das Gewerbegebiet anschließt. Der Grund: Der Kuhberg birgt in seinem Innern mit großer Wahrscheinlichkeit ein noch unerforschtes Geheimnis Prignitzer Geschichte.

Landesgebietsarchäologe Jens May sagt: „Wir haben für den Bereich eine begründete Bodendenkmalvermutung.“ Und er erklärt, die Archäologen gehen davon aus, dass sich „dort Grabanlagen aus verschiedenen ur- und frühgeschichtlichen Perioden befinden“. May betont im Gespräch mit dem „Prignitzer“ außerdem, dass in Bezug auf den Kuhberg nicht die Rede von einigen wenigen Gräbern ist. Vielmehr gehen die Archäologen von einem großen Bestattungsplatz „mit extrem vielen Grabstätten“ aus. Hoffnungen, dass es in absehbarer Zeit Aufschluss darüber geben kann, wer am Wittenberger Kuhberg vor Tausenden von Jahren seine letzte Ruhe fand, hält May entgegen, dass „Ausgrabungen eine große Herausforderung an Zeit und Mitteln bedeuten“. Sie sind noch nicht geplant.

Warum aber haben Ur-Prignitzer gerade den Kuhberg als Begräbnisstätte ausgewählt und wo lebten jene Menschen, die auf dem Kuhberg ihre Toten bestatteten? Jens May verweist auf archäologische Sondierungen, die im September des vergangenen Jahres stattfanden. Die Untersuchungen haben Erstaunliches zu Tage gefördert. Nahe dem heutigen Gewerbegebiet an der B 189 befand sich mit größter Wahrscheinlichkeit in der jüngeren Bronzezeit und der vorrömischen Eisenzeit ein Siedlungsplatz. Die Archäologen gehen deshalb davon aus, dass die Menschen aus dieser Siedlung und aus Siedlungen, die die Fachleute noch im Umfeld begründet vermuten – wie sie sagen – ihre Toten auf dem Kuhberg bestatteten.

Heute fällt der Kuhberg als kleine Erhebung in der Landschaft – unmittelbar an der Straße im Gewerbegebiet hinter der neuen Austrotherm-Firma gelegen – kaum auf. Anders war es zu ur- und frühgeschichtlicher Zeit. Der Kuhberg bildete den Kern einer natürlichen Erhebung, war als Landmarke etwas Besonderes. Daher könnte auf ihn die Wahl als Bestattungsfläche gefallen sein.

Für die Kommune zieht die begründete Bodendenkmalvermutung am Kuhberg Konsequenzen nach sich. Bauamtsleiter Martin Hahn sagt, dass die Stadt die ursprünglich geplanten sechs Hektar Industriefläche, um die das Gewerbegebiet hinter Austrotherm in südwestlicher Richtung erweitert werden sollte, um zwei Hektar reduziert. Das Kuhberg-Gelände wird nicht bebaut, sondern als Ausgleichsfläche für Eingriffe in die Natur genutzt.

Eine zweite, ebenfalls sechs Hektar große Erweiterungsfläche, die im Nordosten des Gewerbegebietes in Planung ist, wird von den archäologischen Bodendenkmälern nicht berührt.


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