Nach 24 Jahren ist Schluss : Der Käpt'n geht von Bord

Das „Steuer“ seiner Fähre übergibt Erich Butchereit nach 24 Jahren an das Amt Lenzen-Elbtalaue.
Das „Steuer“ seiner Fähre übergibt Erich Butchereit nach 24 Jahren an das Amt Lenzen-Elbtalaue.

Fährmann Erich Butchereit verabschiedet sich nach Verkauf der Fähre in den Ruhestand

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30. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Wenn Erich Butchereit am 5. Januar die täglich zwischen Lenzen und dem niedersächsischen Pevestorf (Landkreis Lüchow-Dannenberg) pendelnde Fähre im Steuerstand zum letzten Mal über die Elbe chauffiert, endet für den Fährmann auch ein nicht unbedeutender Lebensabschnitt.

Nach dem Verkauf des Fährbetriebs an das Amt Lenzen-Elbtalaue geht er einen Tag später, nach der offiziellen Übergabe, in den wohl verdienten Ruhestand. Sehr zur Freude auch von Gattin Gerlinde. „Es war schön, aber manchmal auch schön anstrengend. Ich war 24 Jahre mit ganzem Herzen dabei. Irgendwann muss aber auch mal Schluss sein. Ich bin froh, dass die Querelen um den Verkauf endlich vorbei sind“, sagt der mittlerweile 74-Jährige, nachdem er fast zwei Jahre einen Nachfolger für den Betrieb der „Westprignitz“ gesucht hatte. „Nun bin ich froh, dass die Fähre hier in Lenzen bleibt.“

Als die Stadt Lenzen im Jahr 1992 einen Fährmann suchte, nahm der gelernte Binnenschiffer, der auch als Vollmatrose über die Weltmeere gefahren ist, das Angebot an. Anfang 1994 kauften Butchereits dann die zuvor an die Stadt gepachtete Fähre von der Gemeinde Höhbeck, führten den Fährbetrieb danach in Eigenregie und bauten die „Westprignitz“ mehrfach um. „Es steckt sehr viel Herzblut in der Fähre. Und viel Geld“, erklären Butchereits, bei denen sich in den vergangenen 24 Jahren alles nur um die Fähre drehte. „24 Stunden am Tag, erst dann kam die Familie. Das war unser Leben“, so Gerlinde Butchereit. Denn zu tun gab es an der in die Jahre gekommenen Fähre immer etwas. Auch wenn Hoch- und Niedrigwasser das Fährschiff in den vergangenen beiden Jahrzehnten mehrfach zum Stillstand gezwungen hatten. „Der Horror waren die Zeiten in der Werft“, meint Fährmannsfrau Gerlinde. Täglich seien ihr Mann und die Belegschaft nach Havelberg gefahren, um bei den Arbeiten mitzuhelfen. Manche Defekte wurden aber auch auf abenteuerlich anmutende Art und Weise behoben. „Beim Entrosten habe ich ’mal ein Leck entdeckt. Ich habe vom Fleischer eine Speckseite geholt und es damit abgedichtet. Das hielt“, erzählt der Fährmann von einem auf See üblichen Kniff.

Viele Menschen hat der manchmal auch als etwas bärbeißig geltende Fährmann auf den unzähligen, rund drei Minuten dauernden Überfahrten zum jeweils anderen Elbufer kennengelernt. „Viele freundliche, aber auch einige neidische“, wie er sagt. Im Gedächtnis sind auch einige Begebenheiten geblieben. „Einmal hat uns ein Sportboot gerammt. Der Schiffsführer hatte Fernsehen geguckt und die Fähre nicht bemerkt. Passiert ist Gott sei Dank aber nichts“, grinst Erich Butchereit. Auch nicht, als vor Jahren mal ein Auto auf der niedersächsischen Seite über den Fähranleger hinaus in die Elbe gefahren ist. Relativ glimpflich ging auch der Unfall am Lenzener Hafen vor fast genau zwei Jahren aus, als ein auf die Fähre wartendes Auto in die Elbe gerollt war. Der Fahrer, ein älterer Herr aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg, wollte seinen Mercedes noch irgendwie stoppen und ist mit hinein ins kalte Wasser, verlor dann aber die Orientierung. Erich Butchereit eilte mit heruntergelassener Landeklappe seiner leeren Fähre zur Hilfe, bot dem im Wasser schwimmenden Mann so eine Möglichkeit zum Festhalten an. „Zunächst ist der ältere Herr von der Fähre noch weg geschwommen, hatte Angst, dass sie ihn überfährt“, erinnert sich Gerlinde Butchereit. Später zog der Fährmann den Mann auf die Fähre und brachte ihn ans Ufer. Hier nahm sich seine Frau dem klitschnassen Pechvogel an. „Ich habe ihm dann trockene Sachen von meinem Mann zum Anziehen gegeben“, erzählt Gerlinde Butchereit weiter. Bis auf den Schrecken und eine Unterkühlung, ein gewässertes Auto und verloren gegangene Papiere sei dem wenig später aus dem Krankenhaus entlassenen Herrn aber nichts weiter passiert. Noch heute benutze er die Fährverbindung.

In Zukunft wird das Leben von Gerlinde und Erich Butchereit sicher etwas ruhiger. „Ich habe am Haus mein Tun und die Zeit Sachen zu erledigen, die lange liegen geblieben sind“, erzählt der dann ehemalige Fährmann. Auch will das Ehepaar öfter mal „die Kinder besuchen“ und sich die „Zeit für Urlaube gönnen“. Die Fähre hat Erich Butchereit aber auch in Zukunft weiter im Visier. Dann aber nur, wenn er von seinem Haus direkt am Elbdeich hinunter zum Fähranleger blickt.  

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