Chronist von Wolfshagen : Der Herr über das Ortsgedächtnis

Harri Schulz hat die Geschichte von Wolfshagen in drei Aktenordnern gesammelt und für eine Chronik aufbereitet.
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Harri Schulz hat die Geschichte von Wolfshagen in drei Aktenordnern gesammelt und für eine Chronik aufbereitet.

Seit rund 15 Jahren pflegt Harri Schulz ehrenamtlich die Chronik von Wolfshagen

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21. August 2016, 05:00 Uhr

Im kommenden Jahr wird Wolfshagen 625 Jahre alt, denn der Ortsteil der Gemeinde Groß Pankow (Prignitz) fand seine Ersterwähnung im Jahr 1392. Ob und wie die Feierlichkeiten begangen werden, weiß Harri Schulz noch nicht. Doch der Wolfshagener kann so Einiges an geschichtlichen Fakten seines heutigen Heimatortes beitragen.

Drei dicke A-3-Ordner liegen auf dem Tisch ausgebreitet. Jeder für sich ist gewichtig, nicht nur an Pfunden, sondern vor allem an Inhalt. Denn darin befindet sich die Entwicklung des Dorfes, besonders was die Geschichte seit Kriegsende 1945 betrifft. Bereits zu DDR-Zeiten hatte die Kindergärtnerin Angelika Krüger begonnen, historisches Material über Wolfshagen zu sammeln. „Damals waren wir ja noch eine eigenständige Gemeinde, gehörten Seddin und Tacken dazu“, erinnert sich Harri Schulz. Und auch daran, dass nach der Wende Ute Krüger aus Hellburg als ABM-Kraft weiter in geschichtsträchtigen Unterlagen forschte, auch im Perleberger Kreisarchiv, so manches handschriftlich und auch im Bild festhielt. „Sie ist heute noch eine treue Hilfe und schreibt meine Berichte ab“, lobt der Wolfshagener. Auch die damalige Wolfshagener Ärztin Frau Dr. Stillich forschte zur Heimatgeschichte. „Aber das waren nur Rohfassungen, die aufgearbeitet wenn mussten“, erzählt Schulz.

Er nahm sich der Geschichte an, als Ende 2002 aus dem Amt die Gemeinde Groß Pankow wurde, Wolfshagen seine Eigenständigkeit verlor, damit auch kein Bürgermeister mehr benötigt wurde. „Da hatte ich mehr Zeit und nahm mich der Chronik an“, erzählt der 82-Jährige. „Zunächst stand die Frage, wie bekommt man das bereits gesammelte Material in eine richtige Form? Ich entschied mich dafür, die Texte auf A-4-Blättern festzuhalten und dann in A-3-Format zu kopieren. Für Fotoseiten wurde extra ein Farbkopierer benutzt“, berichtet der Chronist im Ehrenamt.

Archive hat er für seinen Fundus nicht bereist, aber viele alte Zeitungen und Berichte gewälzt, Fotos gesammelt – mehr als 3000 kamen zusammen – und natürlich auch Bezugsquellen genutzt. So fanden sich beispielsweise in Zeitungsberichten von 1836 Anzeigen vom Wolfshagener Gut. Darin ging es um Geldklau in der Mühle ebenso wie um die Schmiedeverpachtung und anderes mehr, weiß Harri Schulz. Oder die Schulgeschichte, denn zu DDR-Zeiten wurden in Wolfshagen die Mädchen und Jungen aus dem Ort und den umliegenden Dörfern unterrichtet. Heute beheimatet das Schloss, das einst die Gans Edlen zu Putlitz errichteten, ein Museum, das weit über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinaus bekannt ist. Viel über die Schlossgeschichte und den Park sowie auch den Gutsbetrieb in Wolfshagen weiß Torsten Foelsch, der dem Chronisten ebenso als Bezugsquelle diente wie Siegfried Saldik, „von dem ich viel über die Landwirtschaftsbetriebe erfahren habe, also die ehemalige LPG Pflanzenproduktion und auch die Tierproduktion“. Und auch der heutige Berliner Dr. Erhard Drenkow, ein Sportwissenschaftler, der einst in Wolfshagen zu Hause war, hat so manche Erinnerung mit eingebracht, freut sich Schulz. Nicht zu vergessen die jährlichen Treffen „der alten Wolfshagener“, bei denen so manche „alte Kamelle wieder aufgewärmt wird“.

Konzentriert hat sich Harri Schulz vor allem auf den Ort Wolfshagen. „Aber natürlich findet auch das Seddiner Königsgrab Erwähnung. Und dann auch Dannhof, schließlich ist das meine eigentliche Heimat. Und der Ort hat zudem eine sehr aktive Feuerwehr“, gesteht er lächelnd. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er zum 80-jährigen Jubiläum der Aufsiedelung von Dannhof in diesem Jahr extra Material zusammenstellte.

Vorrang hat aber nach wie vor Wolfshagen. Wie schon gesagt, mittlerweile füllt die geschichtsträchtige Sammlung drei große Ordner. „Große Hilfe erhielt ich dabei auch von Sandra Burisch und Gabriele Jekal von der Groß Pankower Gemeindeverwaltung“, bedankt sich Schulz. Die Stunden, die er ehrenamtlich in die Chronik investierte, hat er nicht gezählt. Wie es auf lange Sicht weitergeht, weiß Harri Schulz, der im Oktober seinen 83. Geburtstag feiert, nicht. „Wenn ich es einmal nicht mehr kann, dann werde ich die Ordner Professor Bernhard von Barsewisch, dem Vorsitzenden des Fördervereins vom Schlossmuseum übergeben“, blickt der Chronist in die Zukunft, „denn im Schloss ist die Chronik am besten aufgehoben“.
 

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