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Der Prignitzer

17. Oktober 2017 | 04:08 Uhr

Der Hecht und das Hochwasser

vom

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 05:51 Uhr

Prignitz | Petrijünger, die dieser Tage an der Elbe zwischen Wittenberge und Quitzöbel auf Fischwaid gehen, haben gute Chancen, einen Hecht zu erbeuten. Wer öfter an er Elbe angelt, dem fällt zudem auf, dass es zur Zeit viele kleine Hechte gibt und die Zusammensetzung des Bestandes in der sogenannten Alterspyramide unvollständig ist. Vor allem Fische in der Größe zwischen 50 und 60 Zentimetern sind hier eine Seltenheit - und das, obwohl regelmäßig Exem plare zwischen 70 und 80 Zentimetern und richtige Kracher jenseits der Metermarke gefangen werden.

Sven Halletz, Ressortleiter der Angelzeitschrift Esox, konnte vor kurzem einen Hecht von 128 cm landen und machte sich unter dem Mikroskop ein Bild von den Schuppen des "Elbkrokodils". "Man kann anhand der Schuppen das Alter der Fische bestimmen, und ich würde sagen, das dieser Fisch aus dem Jahr 2002 stammt", sagt Halletz und stellt die These auf, dass vor allem die regelmäßigen Hochwässer der Elbe für den anwachsenden Bestand verantwortlich sind.

"Die Altersbestimmung ist anhand von Jahresringen möglich, die fast wie bei Bäumen ausgeprägt sind und gezählt werden können. Allerdings ist das bei Hechten ein schwieriges Unterfangen", sagt Dr. Uwe Brämik, Leiter des Institutes für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow. "Denn der Hecht frisst das ganze Jahr über und so sind die Jahresringe im Schuppenbild nur schwach ausgeprägt."

Die Elbe war schon in der Vergangenheit ein sehr produktiver Fluss. In alten Aufzeichnungen sind Erträge von 100 Kilogramm pro Hektar Wasserfläche aufgezeichnet, womit die Elbe etwa den doppelten Fischertrag für die Fischer lieferte wie vergleichbare Seen. "Das ist auch nicht verwunderlich", sagt Brämik, "denn die Fischer können ja nicht den ganzen Fluss befischen, sondern immer nur gewisse Stellen, außerdem wandern die Fische in der Elbe und wenn sie an einem Ort gefangen werden, stammen sie mit Sicherheit aus viel weitläufigeren Bereichen".

Sicher sei aber, dass die Hochwässer auf den Fischbestand einen durchweg positiven Einfluss haben, viele Untersuchungen belegen dies. Für den Hecht sei es aber wichtig, das es zeitige Frühjahrshochwässer sind, wenn der Raubfisch auf den überschwemmten Flächen laicht. "Es darf noch nicht zu viel Vegetation gewachsen sein, damit es keine Sauerstoffzehrung gibt, denn dann kann sich der Laich nicht entwickeln", erklärt Brämik.

Bei der Entwicklung der Junghechte spricht man von 120 Tagesgraden. Das heißt 12 Tage mit einer Wassertemperatur von 10 Grad lassen die Junghechte schlüpfen. Wenn das Wasser dann langsam wieder in das gewohnte Flussbett zurückkehrt, ziehen auch die Jungfische zurück in den Fluss. Auf diese Weise könne man durchaus am Bestand zumindest die Frühjahrshochwässer der Elbe absehen. Die vielen kleinen Hechte zwischen 20 und 30 Zentimeter, die zur Zeit in der Elbe gefangen werden, stammen also aus dem Frühjahr 2012. "Allgemein kann man sagen, dass Hochwässer für die Elbe und ihren Fischbestand enorm wichtig sind. Die Bestände werden vermischt, es bieten sich zahlreiche Laichmöglichkeiten und auf den überschwemmten Elbvorländern bietet sich den Jungfischen ein reich gedeckter Tisch an Kleintieren."

Selbst ein zeitiges Frühjahrshochwasser habe schon Auswirkungen für den Fischbestand, sagt Brämik, denn Hechte laichen auch unter einer Eisdecke. Dann dauert es nur länger, bis der Nachwuchs schlüpft. Der zunehmende Hechtbestand ist aber auch auf eine sich verbessernde Wasserqualität zurückzuführen. Denn der Hecht ist ein Augenräuber, und das zunehmend saubere Elbwasser schafft damit günstigere Lebensbedingungen für den Esox, so sein lateinischer Name.

Im Gegenzug verringert sich allerdings der Zanderbestand in der Elbe, denn Zander mögen es lieber trüb, und so scheint sich im Moment ein Wandel der vorherrschenden Fischarten in der Elbe zu vollziehen. Sicher ist aber, dass die Elbe mit ihren regelmäßigen Hochwässern ein enorm produktiver Fluss ist. Allerdings hat ein Jahrhunderthochwasser wie in diesem Jahr und zu dieser Jahreszeit auf das Laichgeschäft der Fische kaum noch einen Einfluss. Der einzige sei der, dass durch die enormen Überschwemmungsflächen viele Jungfische heranwachsen, weil sich der Lebensraum in dieser Zeit enorm erweitert. So kann man auch in diesem Herbst beobachten, dass es an der Elbe und den Nebenflüssen Unmengen an Jungfischen gibt, wie es nur sehr selten zu beobachten ist. Damit ist dann aber auch der Tisch an der Elbe reich gedeckt. Denn nicht nur Hecht, Zander, Wels und Barsch sind auf die Jungfische als Nahrung angewiesen, auch zahlreiche Vogelarten finden hier Beute.

Hochwässer, die für die Menschen an der Elbe manchmal zu einer Bedrohung werden können, wie in diesem Jahr, sind für die Tierwelt über und unter Wasser an der Elbe ein Segen und wichtig für den Fortbestand der Arten und Lebensräume."

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