Nach spannendem Fund in Moskau : Der geheimnisvollen Kiste auf der Spur

Die Auszeichnungsliste mit dem Namen von Boris Zhuravlev.   Repro: Thomas Glass
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Die Auszeichnungsliste mit dem Namen von Boris Zhuravlev. Repro: Thomas Glass

Thomas Glass aus Kleeste kann dank seiner jahrelangen Nachforschungen Hinweise geben

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28. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Was hat es mit der Kiste auf sich, die der Moskauer Geschichtsstudent Mikhail Schegolkov in den Hinterlassenschaften seines Urgroßvaters Boris Zhuravlev, geboren 1917, fand? Das Stadtmuseum wandte sich an den „Prignitzer“, um dem jungen Mann bei der Suche nach Hinweisen zu unterstützen. Denn der Student hatte das Museum angeschrieben, um Unterstützung gebeten. Die Nachforschungen gestalten sich äußerst schwierig.

Die Spur führt, wie der „Prignitzer“ am 22. Dezember auf Seite 11 berichtete, eindeutig nach Wittenberge. Denn in Wittenberge sei sein Urgroßvater als Offizier während des Zweiten Weltkriegs gewesen, schreibt der Geschichtsstudent. Und die geheimnisvolle Kiste trägt als Adresse „Waffen-Insp. A. Griese Wittenberge/Pdm. Parkstr. 25. Der Absender war eine Dienststelle L.31343/Berlin.

In Wittenberge scheint sich niemand mehr an einen A. Griese bzw. an den sowjetischen Offizier zu erinnern. Es gibt allerdings einen Hinweis auf das Adressbuch von 1940/41. Laut diesem Buch wohnte in der Parkstraße 25 damals ein Schlosser namens Albert Griese.

Wichtige Hinweise kommen aus Kleeste. Dort lebt Thomas Glass. Er schreibt, dass er sich seit etwa vier Jahren intensiv mit dem Kriegsende in der Prignitz beschäftige. Deshalb könne er zur Erhellung des Problems beitragen: „Die Kiste gehörte dem Waffeninspekteur Albert Griese, geboren am 2. September 1907. In dieser Dienststellung war er bei der 1. Gruppe des Jagdgeschwaders 3 ,Udet’ tätig.“ Wie Griese nach Wittenberge kam, sei nicht bekannt, so Glass. „Es kann sein, dass er nach der Verlegung des Geschwaders von der Westfront in Wittenberge Quartier bezogen hat“, meint der Hobbyforscher. Denn Griese könne in seiner Funktion als Waffeninspekteur bei der Norddeutschen Maschinenfabrik in Wittenberge gewesen sein. „Diese produzierte Bordwaffen für die Messerschmitt BF-109, mit diesen Modellen war das Jagdgeschwader ausgerüstet.“

Und Glass weiß auch dank seiner jahrelangen Nachforschungen, dass es sich bei der Nummer auf der Kiste um eine Feldpostnummer handelt, die zur besagten 1. Gruppe des Jagdgeschwaders 3 gehört.

Bei seinen intensiven Recherchen, die ihn per Internet bis ins russische Militärarchiv führten, fand Thomas Glass auch Dokumente zu Boris Zhuravlev, darunter eine Auszeichnungsliste.

Der Urgroßvater des Moskauer Studenten hat tatsächlich an der Befreiung von Wittenberge teilgenommen. Glass schreibt, er „war Oberleutnant und Kommandeur des SU-100-Artilleriebataillons des 207. Panzerregimentes unter dem Befehl von Oberstleutnant Artjuschin. Das Regiment gehörte zur 32. Kavalleriedivision unter Oberst Kaljuschny. Zusammen mit der 5. und 6. Garde-Kavalleriedivision des 3. Garde-Kavalleriekorps unter Generalleutnant Oslikowsky hatten die Einheiten den Kampfauftrag, bis an die Elbe vorzudringen und die deutsche Verteidigung niederzukämpfen.“

Die Kiste des ehemaligen Waffeninspekteurs könne also die „Kriegsbeute“ des sowjetischen Oberleutnants Zhuravlev sein, „der wahrscheinlich in Wittenberge in der Parkstraße 25 nach dem Einmarsch am 3. Mai 1945 Quartier bezogen hatte und so in den Besitz dieser Kiste kam“. „Mit ihr wird er wahrscheinlich seine Kriegsbeute mit nach Hause genommen haben, was zu diesem Zeitpunkt nichts Ungewöhnliches war. Die Rote Armee war der Sieger.“  

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