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Der Prignitzer

19. Oktober 2017 | 13:03 Uhr

Der Fischer und das Huhn

vom

svz.de von
erstellt am 27.Sep.2013 | 05:26 Uhr

Hohengöhren/Berlin | Roter Teppich, Blitzlichtgewitter, Fernsehstars, politische Prominenz - mittendrin Fischer Gernot Quaschny aus Hohengöhren. Dass er zu den Preisträgern der Goldene Henne - Deutschlands größ tem Medienpreis - gehört, ahnt der 50-Jährige nicht, als er am Mittwochabend im Taxi auf dem Potsdamer Platz vorfährt. Denn seine Töchter Cindy (26) und Judy (19) hatten ihm erzählt, dass sie bei einem Preisausschreiben die Teilnahme an einer Filmpremiere gewonnen haben.

"Ich dachte mir noch, dass das ja ein doller Film sein muss, als ich die vielen Prominenten gesehen habe." Er wird neben Ute Freudenberg sowie Silly-Sänger und Schauspielerin Anna Loos platziert, ein paar Stühle weiter sitzen Matthias Platzeck, Peter Maffay und Frank Schöbel. Dann beginnt die Ehrung. Jan Josef Liefers und Frank Elstner stehen auf der Bühne, nehmen die Goldene Henne in Empfang.

Plötzlich sind auf der Leinwand Bilder vom Deichbruch am 10. Juni in Fischbeck zu sehen. Hier beginnt die Geschichte des Hohengöhrener Fischers, der inzwischen deutschlandweit bekannt ist. Denn selbst mit seinem Haus und den beiden Fischereibetrieben von der Flut betroffen, fährt er tagelang bis zur Erschöpfung mit dem Boot zu den Inselorten Fischbeck, Schönhausen und Hohengöhren, um die nicht Evakuierten mit Kraftstoff für die Notstromaggregate und mit Lebensmitteln zu versorgen.

"Als ich die Bilder sah, ahnte ich, dass es um mich gehen könnte und hab sicherheitshalber schnell meinen Kaugummi runtergeschluckt", sagt er. Und dann sind tatsächlich alle Kameras auf ihn gerichtet und er wird auf die Bühne gebeten, um die Goldene Henne in der Kategorie "Charity" entgegenzunehmen. Die Knie zittern. Aber die Aufregung lässt er sich aber nicht anmerken, wie ein Profi mit langjähriger Bühnenerfahrung erzählt er von der Katastrophe, die über die Region hereingebrochen ist und wie selbstverständlich es für ihn war, zu helfen.

Ein unvergesslicher Abend mit Interviews, Fotos und Plaudereien mit Stars und Sternchen folgen. "So manch ein Promi wollte wissen, ob er denn noch für die Flutopfer spenden kann. Vielleicht halten sie ja ihre Versprechen."

Auch Gernot Quaschny hat für den Landesfischereiverband Sachsen-Anhalt einen Scheck über 25 000 Euro von der Finanzgruppe des Ostdeutschen Sparkassenverbandes bekommen. "Das Geld können wir für den Besatz unserer Seen im Elbe-Havel-Land sehr gut gebrauchen. Denn sämtliche Fische sind hier verendet", sagt er und ergänzt, dass er als Fischer noch dieses Jahr mit dem Besatz in den sich inzwischen gut erholten Gewässern beginnen wolle.

Die Goldene Henne hat Zuhause einen Ehrenplatz in der Vitrine im Wohnzimmer bekommen. Ein weiterer Preis für sein selbstloses Engagement kommt Anfang Dezember dazu, dann erhält der Hohengöhrener den Deutschen Bürgerpreis. "Das Wichtigste an diesen ganzen Ehrungen und dem Medienrummel ist, dass wir im Elbe-Havel-Land nicht in Vergessenheit geraten und man sich in ganz Deutschland auch dann noch an uns erinnert, wenn die Spuren des Hochwassers beseitigt sind."

Der Medienpreis "Goldene Henne" wird von der Zeitschrift "Superillu" zusammen mit dem RBB und dem MDR vergeben.

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