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Restauration in Mödlich : Der fast neue Sarg des Admirals

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach fünf Monaten ist die Restauration der Särge von Admiral Gijsels van Lier und seiner Tochter Clara von Merretich fast abgeschlossen

svz.de von
erstellt am 01.Okt.2016 | 05:00 Uhr

Die Arbeiten an den Särgen des 1676 verstorbenen Admirals Gijsels van Lier und seiner Tochter Clara von Merretich stehen vor dem Abschluss. „Wir sind fast durch“, berichtet Restauratorin Annett Xenia Schulz auf „Prignitzer“-Nachfrage und stellt einen Fertigstellungstermin in der zweiten Oktoberwoche in Aussicht.

Die große Schwierigkeit seien die schlechten Umstände gewesen, unter denen die Särge über Jahre aufbewahrt wurden. „Es gibt erhebliche Schäden im Holz und einen Wurmbefall, der aber nicht mehr aktiv ist. Fassungen waren lose und fehlten zum Teil.“

Auch der Umgang mancher mit dem geschichtsträchtigen Holz ist im Nachhinein etwas tragisch. So habe es auf der Oberfläche verschiedene Einritzungen von Zahlen und Buchstaben gegeben, etwa die Jahreszahl 1956. „Wir haben das Holz gefestigt, Tischler Hans Georg Wulff hat die Särge stabilisiert, so dass sie nicht mehr vom Verfall bedroht sind. Die Farben sind gereinigt und retuschiert.“

Wie lange die grundlegende Restaurierung die Särge nun erhalten kann, hänge von den Bedingungen im Kirchenraum ab. So hat Annett Schulz während ihrer Arbeiten in Mödlich die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur in der Kirche aufgezeichnet. Sie will Empfehlungen aussprechen, wie das Holz am besten erhalten werden kann.

„Die Särge haben wirklich einiges mitgemacht, nicht nur das Hochwasser von 1888. Sie müssen vorher schon in einem schlechten Zustand gewesen sein. Und die Baumaßnahmen, die man zum Hochwasserschutz an der Kirche vorgenommen hat, trugen ihr Übriges dazu bei.“

Die Särge standen lange im Grufthäuschen der Kirche. 1894 wurde die Erde um die Kirche aufgeschüttet, beschreibt Schulz. Die ehemals ebenerdige Gruft wurde dadurch etwas zugeschüttet, es wurde dauerhaft feucht im Inneren und die Erdmassen drückten die Wände ein. In den 50er Jahren ist die Erde wieder abgegraben worden. Waren die Särge seit 1912 als Leihgaben in Havelberg, kamen sie 1955 zurück nach Lenzen.

Auch dort könne die Lagerung nicht einwandfrei gewesen sein, schätzt Tischlermeister Hans-Georg Wulff aus Seetz ein, der die Holzarbeiten bei der Restauration vorgenommen hat.

Da die Särge schon einmal im Wasser schwammen und die Farbschichten trotzdem erhalten blieben, müsse es sich um eine sehr hochwertige Farbgebung handeln.

„Ich habe mir nur die Stellen im Holz vorgenommen, die die Konstruktion beeinträchtigt hätten.“ Dabei sei es um die Einrichtung von Keilen, das Verbinden von Teilen mittels Holznägeln und Wiederherstellung sogenannter Zinkungen gegangen. Für Wulff ist die Restauration spannend, solche Aufträge kommen selten.

Für die Reparaturen hat er alte Hölzer verwendet. „Das sind Truhenhölzer von ungefähr 200 Jahre alten Truhen. Es sind aber nur geringe Stücke und Anteile darin.“ Das Gesamtbild stören die Einarbeitungen nicht. „Man sieht es den Särgen an, dass in den vergangenen Jahrzehnten bereits andere Hölzer eingesetzt wurden. Der Boden wurde nach dem Hochwasserfall neu gemacht.“ Nach der jetzigen Restaurierung könne dem Eichenholz unter guten Bedingungen nicht mehr viel passieren.

In der ersten Oktoberwoche wird der Tischlermeister noch eine Bretterdecke direkt über den Särgen einziehen, damit von oben kein Staub, oder Vogelkot herunterrieseln kann. Die historischen Kisten sollen zudem mit einem weißen Tuch abgedeckt werden. „So sind sie dann für die nächsten Jahrhunderte gesichert“, verdeutlicht Hans-Georg Wulff.




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