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Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 11:06 Uhr

Der falsche Geldsegen

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2012 | 10:55 Uhr

Zernikow | Eigentlich müsste Bernhard Pöplow schon im Geld schwimmen. Denn seit Jahren erhält der Zernikower immer mal wieder freundliche Schreiben, in denen ihm gratuliert wird, denn er habe gewonnen. Einmal sind es 10 000 Euro, einmal 5000, das variiert. Einmal kommt die Post vermeintlich aus Cottbus, einmal aus Leipzig, Absender ist immer ein Postfach.

Der jüngste Geldsegenbrief datiert vom 6. Januar dieses Jahres. Darin wird dem rüstigen Senior eine Jackpotauszahlung am 2. Februar versprochen. Diesmal sind es wieder 10 000 Euro, die der Prignitzer in bar gewonnen haben soll. Nur Bares wirklich gesehen hat er bis heute nicht. Und er glaubt auch nicht daran. Auch wenn auf einem der Schreiben von einer Lotterie Bohmann die Rede ist. Denn, so zeigt Bernhard Pöplow dem "Prignitzer": Für die angebliche Gewinnübergabe muss man sich anmelden, werde dann mit dem Reisebus von zu Hause abgeholt. Und die Auflistung der Geschenke, die jeder Mitreisende zusätzlich erhalte, erinnert den Zernikower zudem ganz stark an die so genannten Kaffeefahrten.

Seine Vermutung bestätigt die Verbraucherschutzzentrale im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern. Gibt man nämlich im Internet das Stichwort Bohmann-Lotterie ein, findet man als erstes eine Warnung der Verbraucherschutzzentrale. Deren Beraterin Sylke Sielaff verweist in diesem Text auf das Beispiel einer Schwerinerin, die zu Beginn des neuen Jahres gleich fünf Einladungen zur Gewinnübergabe erhalten habe. Für jeden Dienstag im Januar ein Termin, an dem es Geld geben soll. Insgesamt würden ihr Gewinne in Höhe von 15786 Euro versprochen. Die Absender dieser Gewinnversprechen seien eine Bohmann-Lotterie, zwei Auszahlungskanzleien sowie eine Firma Erlebnisreisen.

Die Gesetzeslage sei klar: "Wer einen Gewinn verspricht, muss diesen auch übergeben", erklärt Sylke Sielaff in dem Internetauftritt. Die Erfahrung zeige jedoch, dass keine Gewinne ausgezahlt würden, sondern Verkaufsveranstaltungen stattfänden. "Die Durchsetzung des Rechtsanspruches auf einen Gewinn scheitert dann schon an einer nicht mitgeteilten vollständigen Anschrift. Auf den Anmeldungen ist immer nur ein Postfach angegeben", macht die Beraterin deutlich.

Die Verbraucherschutzzentrale rät deshalb allen "Gewinnern", die Mitteilungen genau zu prüfen. Und wer sich dennoch auf eine solche Fahrt einlasse, sollte auf diesen Veranstaltungen nur nach vorherigen Preisvergleichen etwas kaufen. Denn die Teilnehmer hätten zwar nach Abschluss eines Kaufvertrages bei Kaffeefahrten grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht ihrer Vertragserklärung. "Jedoch ist es bei sofortiger Bezahlung des Kaufpreises, zum Beispiel mit EC-Karte und PIN-Nummer, sehr schwer, auch das Geld zurückzuerhalten", macht Sylke Sielaff deutlich. Bernhard Pöplow lässt sich erst gar nicht ein auf diese Fahrten und möchte auf diesem Wege anderen Betroffenen davon abraten. "Denn ich weiß, dass solche Gewinnbriefe, wie ich sie bekomme, auch Glöwener Bürger erhalten haben", erzählt er.

Insgesamt scheint diese Lotterie-Masche in Brandenburg aber noch nicht so häufig aufzutauchen, wie Evelyn Dahme, Pressesprecherin der brandenburgischen Verbraucherschutzzentrale sagt: "Unsere Berater im Land hatten noch nicht mit diesen Unternehmen zu tun zumindest so massiv, dass sie sich daran erinnern könnten". Doch es scheint ohnehin kein ausgemacht ostdeutsches Problem zu sein, macht das Internet-Forum über Abzocken bei Kaffeefahrten des Antispam e.V. deutlich, einem gemeinnützigen Verbraucherschutzverein, der sich mit der Bekämpfung unerwünschter E-Mails beschäftigt. Da warnen Mitglieder aus dem süddeutschen Raum vor dem "Abzockkurs", bei dem die erwähnte Lotterie auftauche.

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