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Bäckergeselle in Krampfer : Der einzige Neue seiner Zunft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Christoph Schneider hat in Krampfer die Bäckerlehre absolviert – er verlässt die Region, will aber zurückkommen

Die Prignitz hat einen neuen Bäckergesellen. Zumindest für einige Tage. Denn Christoph Schneider, der gestern den vorläufigen Gesellenschein erhielt, wird die Region zunächst verlassen. Er hatte als einziger der Zunft aus der Prignitz die Lehre absolviert, bei der Bäckerei Schultz in Krampfer gelernt. Ein Dutzend angehende Bäcker umfasste die einzige Ausbildungsklasse in Brandenburg/Havel. „Im 2. Lehrjahr waren es noch deutlich weniger“, erzählt der 19-Jährige.

Christoph Schneider hat das Hobby zum Beruf gemacht. „Ich komme aus einer Maurerfamilie, habe schon immer gern gebacken. Und ich mag es warm und trocken, will nicht bei Nässe und Kälte draußen arbeiten.“ Bevor er den Lehrvertrag bei Meisterin Sandra Schultz unterschrieb, hatte der Jugendliche mehrere Praktika in Bäckereien absolviert. „Ich suchte eine Firma, wo alles in Handarbeit entsteht. Maschinen kann ich später noch kennenlernen, diese Grundlagen des Berufs nicht“, erzählt der Neu-Geselle. Zur Entscheidung für Krampfer trug auch die familiäre Atmosphäre im 1980 gegründeten Betrieb bei.

„Ich habe mich immer wohlgefühlt und es hat Spaß gemacht. Hier konnte ich alles machen, nicht nur die ganze Woche Teig ausrollen oder Brötchen ansetzen wie in einem großen Betrieb“, so Christoph Schneider.„Das war nicht bei allen meinen Freunden so. Einige fanden die Ausbildung problematisch und andere stellten in verschiedenen Branchen fest, dass der Beruf ganz anders war, als sie erwartet hatten. Es funktioniert manchmal nicht, das Hobby zum Beruf zu machen.“ Der 19-Jährige ist froh, mehrere Praktika gemacht zu haben und nicht nur zwei Tage. „Zwei Wochen müssen sein, um zu sehen, wie der Alltag läuft.“

Die Lehre war ein tiefer Einschnitt in sein Leben. Aus Sydow zog er schon zu Lehrbeginn nach Krampfer um. Bei einem Arbeitsbeginn zwischen 0 und 2.30 Uhr musste eine Wohnung vor Ort her. An die Arbeitszeiten hat sich Christoph Schneider rasch gewöhnt. Heute gewinnt er ihnen sogar Vorteile ab. „Wenn ich am Morgen oder Vormittag in Perleberg einkaufe oder herumspaziere und die Leute zur Arbeit gehen sehe sage ich mir, das hast du schon hinter dir.“

Der 19-Jährige hat in den drei Jahren Disziplin gelernt. „Um 16 Uhr oder etwas später muss ich schlafen gehen, das geht nicht anders. Probleme mit den Freunden hat dieser Lebensrhythmus nicht gebracht „Sie arbeiten oder sind in der Lehre und haben abends in der Woche wenig Lust, viel zu unternehmen. Das passiert am Wochenende.“

In der Lehre hat Christoph Schneider klare Vorlieben entwickelt. „Ich mag Mischbrot und alle Arten Blechkuchen bekomme ich gut hin. Torten sind nicht so mein Ding.“

Auch die habe Christoph immer hinbekommen, erzählt Sandra Schultz. Sie lässt ihren Ex-Azubi ungern ziehen. „Er war immer pünktlich, hat alles geschafft und gut in unseren Familienbetrieb gepasst.“

Dass er jetzt einen Job außerhalb der Prignitz sucht, ist für Christoph Schneider keine Absage an die Region. „Ich will ein Stück weg, andere Betriebe und deren Art zu arbeiten kennenlernen. Ich komme aber wieder, hier ist die Heimat.“

Sandra Schultz versteht das. „Es war immer üblich, nach der Lehre in zwei, drei Betriebe zu gehen, um weiterzulernen." Etwas traurig ist sie dennoch. Auch, weil die Meisterin drei Lehrlinge in zehn Jahren ausbildete, es aktuell keine Praktikumsanfragen und Bewerbungen gibt.

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erstellt am 16.Jul.2016 | 14:00 Uhr

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