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Der Prignitzer

22. November 2017 | 00:07 Uhr

Der Einsatzbefehl lautet Hochwasserschutz

vom

svz.de von
erstellt am 02.Jun.2013 | 05:40 Uhr

Quitzöbel/Havelberg | Am Elbdeich nahe der Wehrgruppe Quitzöbel füllen Soldaten Sandsäcke. Die einen verwenden dafür ein schräg zugeschnittenes Drainagerohr, die anderen eine Sandsackfüllmaschine. Die erste Variante ist zwar - von den benötigten Handwerkszeugen her - die einfachste, aber auchdie effektivste.

Selbst nasser, klumpiger Sand lässt sich auf diese Weise schnell in die Sandsäcke füllen, erfahren die Teilnehmer der Übung "Quitzöbel 2013". Unter ihnen der Prignitzer Landrat Hans Lange, der General der Panzergrenadierbrigade 41 Torgelow, Andreas Marlow, sowie Vertreter der Landkreise Stendal, Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Lüchow- Dannenberg, Ludwigslust-Parchim und Havelland, von Bundes- und Landespolizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk.

Im Vierländereck wurde die Hochwasserabwehr bei einem Elbehochwasser geübt. Dabei glich das angenommene Szenario dem vom Jahrhunderthochwasser 2002 an der Elbe. Im August des Jahres war zum ersten Mal die Wehrgruppe bei Quitzöbel geöffnet worden. Elbwasser floss zur Entlastung der Unterlieger die Havel aufwärts, flutete die Polder, setzte Häuser unter Wasser und bedrohte die Stadt Havelberg sowie umliegende Dörfer massiv. Über Wochen stand das Wasser in der Region um Havelberg.

Mittlerweile gibt es einen Staatsvertrag, der die Handlungsweise im Fall einer erneuten Havelpolderflutung regelt. Was die Landkreise und die Einsatzkräfte in so einem Fall zu tun haben, wurde in der Theorie durchgespielt. "Wir haben das Übungsziel voll erreicht", sagt Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis Prignitz.

Den Teilnehmern wurde vermittelt, welche Maßnahmen bei der Hochwasserabwehr, insbesondere bei der Deichverteidigung, auf sie zukommen und was in der Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg erforderlich ist.

Dabei war die Polderflutung, von der außer Havelberg auch Teile des Havellandes und der Ostprignitz bedroht sind, ein Schwerpunkt. Für die Prignitz stand etwa die Sicherung der Karthane-Niederung im Mittelpunkt. Ein Lob schickt Schlotthauer an die Havelberger Pioniere, die die Kräfte sehr gut unterstützt haben.

Das Ziel der Polderflutung ist, den Hochwasserscheitel der Elbe in Extremfällen durch die Wehröffnung zu kappen und die Unterlieger wie Wittenberge und Lenzen zu schützen.

Der Leiter des Flussbereiches Genthin des Landesbetriebes für Hochwasserschutz, Reinhard Kürschner, hatte die Teilnehmer über die Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus der Havelpolderflutung vor elf Jahren informiert. Die pioniertechnischen Möglichkeiten der Bundeswehr bei der Hochwasserabwehr erläuterte der Chef der teilaktiven Pionierkompanie 952, Hauptmann Robert Thiele, im Übungsgebiet im Wald zwischen Nitzow und Quitzöbel (siehe unten stehenden Beitrag).

An der Wehrgruppe Quitzöbel wurde die Funktionsweise der Anlage erklärt. Ganz in der Nähe, am Bauernbrack, demonstrierten die Soldaten des nicht aktiven Pionierbataillons 901 Havelberg unter der Leitung ihres Kommandeurs Oberstleutnant Hauke Krüger die verschiedenen Möglichkeiten der Deichverteidigung.

Neben dem Befüllen von Sandsäcken zeigten sie, wie der Deich wasser- und landseitig geschützt werden kann. Dabei kommen außer Sandsäcke Folien zum Einsatz oder aus Kiefernstämmen gebundene Faschinen. Auch die sogenannte Aufkartung eines Deiches, also die Erhöhung, wurde trainiert.

Soldaten zeigen, wie Deiche gesichert werden

Für die zivilmilitärische Zusammenarbeit (ZMZ) gibt es in der Havelberger Kaserne einen Stützpunkt. Auch wenn die Pioniere derzeit nicht mit schwimmfähiger Technik ausgestattet sind, so können sie doch auf verschiedene Weise Hilfe bei Hochwasser leisten, sagte Personalfeldwebel Martin Dietsche vom Pionierbataillon 901. Etwa bei der Deichsicherung und bei der Wegesicherung oder -schaffung können die Pioniere helfen.

Für Landrat Hans Lange war es wichtig, in dieser Woche das Zusammenwirken aller beteiligten Kräfte und Verantwortlichen auch unter dem Aspekt unterschiedlicher gesetzlicher Bestimmungen und Strukturen zu üben und Schwachstellen herauszufinden, um für einen möglichen Ernstfall gut gewappnet zu sein.

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