Neuer Busfahrplan: ein Interview : „Der Busplan wird komfortabler“

Regionalbahn und Bus auf der gleichen Strecke: Das wird es künftig nur noch in Ausnahmen geben. Buslinien werden gestrichen, um die Auslastung der Züge zu verbessern.
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Regionalbahn und Bus auf der gleichen Strecke: Das wird es künftig nur noch in Ausnahmen geben. Buslinien werden gestrichen, um die Auslastung der Züge zu verbessern.

Edelgard Schimko reagiert im Interview auf die anhaltende Kritik am künftigen ÖPNV / Fahrgastzahlen sind teils deutlich zu niedrig

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29. Juni 2016, 21:00 Uhr

Selten hat eine Entscheidung des Kreises so viele Emotionen und Kritik ausgelöst, wie die Vergabe des ÖPNV. Verwaltung und Kreistagsabgeordnete stehen gleichermaßen in der Kritik. Bürger fühlen sich abgeschnitten vom Busverkehr, Schüler müssen mit teils deutlich längeren Fahrzeiten rechnen. Vor der heutigen Kreistagssitzung sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit Edelgard Schimko. Die Geschäftsbereichsleiterin ist in der Verwaltung für den Nahverkehr zuständig.

Das Unverständnis der Bürger setzt bei der Vergabe der Leistungen für den Busverkehr ein. Warum bekommt ein ortsfremdes Großunternehmen den Zuschlag für einen so sensiblen Bereich?

Edelgard Schimko: Weil die Firma Prignitzbus die Ausschreibung gewonnen hat. Wir wollten nicht ausschreiben, waren aber gesetzlich verpflichtet, dies zu tun und zwar europaweit.

Dabei haben Sie sich als Landkreis aber maßgeblich durch ein Fachbüro vertreten lassen. Warum?

Für uns war es die erste Ausschreibung im Nahverkehr. Ausschreibungen sind heute so kompliziert geworden, dass man dafür Fachbüros benötigt. Ein Fachbüro hat für uns auch den mit dem Angebot eingereichten Fahrplan geprüft und hält ihn für durchführbar. Wir als Kreis und auch die Abgeordneten müssen solchen Fachbüros vertrauen.

Dass der Fahrplan durchführbar ist und sich innerhalb gesetzlicher Vorschriften bewegt, hat niemand bestritten. Die Kritik zielt auf die negativen Veränderungen, auf Fahrzeiten, auf wegfallende Verbindungen.

Ich kann jegliche Art von Aufregung verstehen, es ändert sich wirklich viel. Aber meine Kollegen und ich sind überzeugt, dass der Nahverkehr komfortabler wird.

Ist es komfortabler, wenn Einwohner der Gemeinde Groß Pankow tagsüber nur noch mit dem Zug nach Perleberg fahren können, aber nicht mal ein Bus sie zum Bahnhof bringt? 2138 Bürger haben mit ihrer Unterschrift gezeigt, dass sie das alles andere als komfortabel empfinden.

Das Land hat uns mehrfach darauf hingewiesen, Parallelverkehr von Bahn und Zug einzustellen. Dem sind wir in diesem Bereich gefolgt. Strecken unter 1000 Fahrgästen droht ab 2019 die Einstellung.

Latent davon betroffen sind bei uns der Prignitz-Express RE 6 und die Linie Meyenburg-Pritzwalk-Neustadt/ Dosse. Nicht bedroht ist der RE 2 von Wittenberge nach Berlin bzw. Schwerin. Gezählt wurden 920 Fahrgäste, die deutliche Mehrheit im RE 2.

Sie wollen also die Fahrgäste zum Umsteigen auf die Bahn bewegen. Wie viele sind davon im Bereich Groß Pankow betroffen?

Zwei Beispiele aus der jüngsten Zählung: Den Bus Pritzwalk-Groß Woltersdorf-Pritzwalk nutzen täglich etwa 44 Schüler und acht weitere Fahrgäste. Auf der Strecke Perleberg-Wolfshagen-Hellburg sind es 76 und 14 sowie zwischen Pritzwalk-Perleberg 172 und 137. Ich hätte mir deutlich mehr gewünscht.

Zwischen Wittenberge und Perleberg hingegen fahren weiter Busse und Bahn. Warum?

Ja, denn das ist unsere fahrgastreichste Strecke. Der Zug fährt stündlich, dazwischen der Bus. Ihn nutzen täglich 483 Schüler plus 358 weitere Fahrgäste. Das ist sehr viel mehr.

Orte unter 150 Einwohnern werden gar nicht mehr angefahren. Komfortabel?

Es gibt auch jetzt schon Orte die nicht angefahren werden, genau wie auch jetzt Schulkinder zwischen Bus und Bahn wechseln müssen. Wie bisher holen wir auch künftig Schulkinder mit dem Taxi ab, wenn ihr Dorf nicht angefahren wird.

Auf welcher Grundlage ist der Fahrplan entstanden?

Der Nahverkehrsplan war Grundlage für die Ausschreibung. An diesem haben wir als Verwaltung, Kreistagsabgeordnete, Bahn und Schulverwaltung sowie der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg mitgearbeitet.

Würden Sie sagen, dass die Kreistagsabgeordneten eng in den Prozess eingebunden und gut informiert waren?

Ja, das ist so gewesen.

Im Wirtschaftsausschuss haben Sie gesagt, ein besseres Angebot wäre nur für mehr Geld zu haben. Was kostet den Landkreis der ÖPNV?

Der Zuschuss vom Land ist seit zehn Jahren unverändert, obwohl die Kosten gestiegen sind. Wir haben als Kreis bei der Ausschreibung eine Höchstsumme von sechs Millionen Euro pro Jahr festgelegt. Damit können wir nicht wesentlich mehr leisten, als der Gesetzgeber vorschreibt.

Und wenn die Abgeordneten eine Millionen Euro mehr bewilligen würden?

Ich müsste rechtlich prüfen lassen, ob das eine wesentliche Veränderung der Ausschreibung bedeuten würde, denn das ist nicht zulässig.

Was ist aus Ihrer Sicht eigentlich komfortabler ab dem 1. August?

Durch die Taktung bekommen wir eine bessere Anbindung an die Bahn. Die Stadtverkehre verbessern sich, wir bieten den Fahrgästen Niederflurbusse. Schüler bekommen einen extra gedruckten Fahrplan, den es so bisher nicht gab.

Hat das Unternehmen Prignitzbus auf Kritik reagiert?

Ja. Gerade beim Schülerfahrplan gab es Veränderungen und Lösungen für angesprochene Probleme.

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