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Der Prignitzer

23. November 2017 | 08:51 Uhr

Hochwasserschutz : Der Breeser Deich wächst

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bauabschnitt in Richtung Weisener Wehr beginnt. 2013 drohte dem Dorf an dieser Stelle akute Gefahr

von
erstellt am 09.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Er hat es wieder getan. Wenn Jörg Vogelsänger einen Bagger sieht, juckt es dem Landesumweltminister in den Fingern. Beim gestrigen Spatenstich für den nächsten Deichabschnitt in Breese erklimmt er die Kanzel. Die Schaufel gräbt sich ins Erdreich, eine Staubwolke hüllt die übrige Prominenz ein. Sauer ist niemand darüber. Heute wird gelacht und gescherzt. Die Zeit der Misstöne aus Breese gehört der Vergangenheit an.

Vogelsänger lobt sein eigenes Haus, allen voran die Mitarbeiter des Landesumweltamtes für die zügige Planung. Er lobt Landrat Torsten Uhe und Bürgermeister Werner Steiner, die sich vor Ort so stark für den Hochwasserschutz engagieren würden.

Seine Zahlen sind beeindruckend: 50 Millionen gibt das Land pro Jahr für den Wasserbau aus, 30 bis 35 Millionen davon für den Hochwasserschutz. „Diese Größenordnung werden wir beibehalten“, verspricht er und wenn Bundes- oder EU-Mittel nicht fließen, werde das Land in die eigene Schatulle greifen.

Werner Steiner wirkt entspannt an diesem sonnigen Freitagnachmittag. Noch drei, vielleicht vier Jahre, dann ist sein Dorf nach menschlichem Ermessen sicher vor der nächsten Flut. „Anfangs habe ich die Zusammenarbeit mit dem Ministerium kritisiert, aber sie ist sehr gut geworden.“

Bestes Beispiel sei die Munitionsbergung. Das Suchgebiet wurde nach den Bombenfunden auf der Bautrasse in diesem Jahr umgehend erweitert. „Ich hätte mit mindestens einem Jahr Verspätung gerechnet.“

Der jetzt entstehende Deichabschnitt liege rund drei Kilometer von der Elbe entfernt. 845 Meter lang, verläuft er vom Abzweig der Kreisstraße nach Weisen bis zum Wehr Weisen. „2013 hatten wir ihn gar nicht im Blick und völlig unterschätzt“, erinnert Steiner. Nachts hätte ihn die Feuerwehr aus dem Bett geholt. Da sei das Wasser an dieser waldreichen und hügeligen Stelle bereits Richtung Dorf gelaufen. Torsten Voß habe mit seinem Bagger notdürftig Dämme aufgeschüttet und sei damit zu „einem kleinen Helden“ geworden, sagt Steiner.

Landrat Torsten Uhe erinnert an die zwei Millionen verbauten Sandsäcke, ein Großteil davon hier in Breese. Nach der Flut habe der Kreis 2013 vor großen Herausforderungen gestanden. Diskussionen mit Breeser Einwohnern seien teils kritisch verlaufen, „aber letztlich haben wir schnell einen Interessenausgleich finden können“, so Uhe. Er dankt neben dem Landesumweltamt explizit seinen Mitarbeitern Bernd Lindow und Erich Schlotthauer, die für ihre jeweiligen Sachbereiche zügig gearbeitet hätten.

So zügig der Deichbau voran schreitet, so zügig verlaufen Spatenstich und Pressekonferenz. Minister Jörg Vogelsänger verabschiedet sich, blinzelt in die Sonne und meint: „Mein Kollege Holger Rupprecht sitzt jetzt im NSU-Untersuchungsausschuss. Ich habe den besseren Termin.“

 

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