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Umgestaltung einer Wittenberge Freifläche : Der besondere Vorgarten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Oberschüler wollen Platz umgestalten und dort auch an die Opfer des Wittenberger KZ-Außenlagers gedenken

von
erstellt am 10.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Die Oberschule schafft sich einen Vorgarten, in dem sie auch an jene erinnern will, die im KZ-Außenlager in den Zellstoff- und Zellwollewerken unter größtenteils unmenschlichen Bedingungen schuften mussten. 14 Mädchen und Eyk Mencke als ihr Lehrer im Wahlunterricht Kunst in Klasse 10 haben diesen Schulgarten besonderer Art zu ihrem Projekt gemacht. Es ist ein Vorhaben, von dem die gesamte Stadt etwas haben wird, sagt Schulchefin Sigrid Neutmann. Denn geplant sei die Umgestaltung des Schulplatzes.

Wo jetzt noch mehr oder minder geordnet Autos parken, planen die Schüler eine Grüninsel mit Sitzgelegenheiten. Die Litfaßsäule, die auf dem Schulplatz steht, wird ihre Rolle als Hingucker künftig noch ganz anders ausfüllen. Stellplätze für Autos haben die Schüler in ihren Plänen nicht vorgesehen.


Stadt unterstützt Projekt


Wer bisher noch auf dem Schulplatz parkt, wird sich einen anderen Stellplatz suchen müssen. Auf der ehemaligen Brachfläche zwischen Mohren- und Scheunenstraße beispielsweise, die sich genau gegenüber der Schule befindet. Die Stadt hat das Gelände, auf dem in den vergangenen Jahren schon immer geparkt wurde, befestigen lassen und 18 Stellplätze ausgebaut. Auch das ist ein Teil des Projektes Schulvorgarten. Denn die Stadt ist mit im Boot.

Ihre Schule arbeite eng mit der Stadt zusammen, sagen Sigrid Neutmann und Eyk Mencke. So habe Bauamtsleiter Martin Hahn „uns den Kontakt zum Landschaftsplaner Hagen Roßmann vermittelt“. Ihm stellen die jungen Leute ihre Pläne vor, besprechen mit ihm ihre Ideen, berichtet Mencke.

Durch die Pläne der Oberschule bekomme der Schulplatz eine neue städtebauliche Bedeutung, hatte im November Bauamtsleiter Martin Hahn gesagt, als er den Bauausschuss über das Vorhaben informierte.

Ausgangspunkt für die Neugestaltung war das Fällen der großen Linde, die über 100 Jahre dem Platz ein besonderes Gepräge gegeben hatte. Der Baum musste gefällt werden. Morschungen am Stammfuß brachten Gefahren. Als Ersatz müssen und sollen Jungbäume auf dem Schulplatz gepflanzt werden.

Aber das sollte es dann nicht gewesen sein, war man sich an der Oberschule einig. „Wir wollten die Chance nutzen, dem Gelände vor unserer Schule ein besonderes Profil zu geben“, sagt die Schulchefin. Zumal sich, und das ist ihr wie auch Eyk Mencke sehr wichtig, vor drei Jahren Oberschüler mit der Geschichte des KZ-Außenlagers intensiv befasst haben. Entstanden ist damals im Zusammenwirken mit dem Wittenberger Künstler Horst Mencke und einem Karstädter Metallbauunternehmen eine Metallstele, die an die in der Zellwolle Geschundenen erinnert.

„Für diese Stele möchten wir einen angemessenen Platz finden und denken ihn gefunden zu haben, wenn der Schulplatz neu gestaltet ist“, berichten die Schulleiterin und Eyk Mencke von den Überlegungen im Wahlunterricht. Zu Füßen der Stele solle eine Platte eingelassen werden, die Antwort auf das Warum dieser Gedenkstätte gibt.

Die Oberschüler, die vor drei Jahren im Zuge eines Förderprojektes „Demokratie lebt“ zum KZ-Außenlager forschten, haben nach den Worten von Mencke auch herausgefunden, dass Häftlinge auf dem Weg zur Arbeit in der Mohrenstraße an der Schule vorbei mussten. Damit sei der Schulplatz für die Stele ein sehr angemessener Standort.


Litfaßsäule soll „Kleid“ bekommen


Zu den Wünschen und Ideen, die die Schüler für den Schulplatz diskutiert und zusammengetragen haben, gehört auch der Wunsch, Sitzmöglichkeiten zu haben. Ganz spezielle Vorstellungen haben Schüler und ihr Lehrer für die Litfaßsäule. Sie wird eine Art Kleid aus Keramikscherben erhalten. „Im Stile von Antoni Gaudi“, setzt Mencke als Erläuterung hinzu. Mit kleinen, unregelmäßig großen Keramikscherben in der Art eines Mosaiks, wird die Litfaßsäule belegt. 150 Kilogramm Ton liegen bereit. Die Oberschule hat das Geld aus dem Sieg der Stadt bei der Tour de Prignitz dafür angelegt.

Die Schule verfügt über einen Brennofen und sie verfügt – und das ist sicher das Wichtigste – über kreative Energie, ohne die derartige Projekte nicht Realität werden können. Jetzt werden sich die Schüler, Vertreter des Bauamtes und Hagen Roßmann zusammensetzten und weiter am Konzept für den Schulplatz feilen.  

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