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Jahresrückblick : Der Alte vom Wasser sagt Tschüss

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach zehn Jahren Entwicklungshilfe im Tschad geht der Prignitzer Urban Britzius in den Ruhestand

svz.de von
erstellt am 27.Dez.2015 | 12:02 Uhr

Urban Britzius hat seine Tasche gepackt. Noch einmal duschen mit Wasser aus dem Kanister, eine letzte Audienz beim Sultan, Hände schütteln - von Anwohnern, Mitarbeitern , Flüchtlingen. Nach zehn Jahren Entwicklungshilfe im Tschad kehrt er zurück ins kleine Eldenburg bei Lenzen. Urban Britzius geht in den Ruhestand.

Anfang des Jahres hat ihn Redakteur Hanno Taufenbach in den Tschad begleitet, zwei Wochen über seine Arbeit, über sein Leben in dem afrikanischen Land berichtet. Es war eine Reise ins Mittelalter, in ein Land, in dem Kinder eine Tagesreise unterwegs sind, um Wasser für ihr Dorf zu holen. Ganz im Osten nahe der sudanesischen Grenze hat Britzius im Dorf Iriba gelebt, im Auftrag der Organisation Help das benachbarte Flüchtlingslager Am Nabak betreut. Sein wichtigstes Projekt war und ist die Versorgung der 14  000 Flüchtlinge mit Trinkwasser.

Als die deutsche Hilfsorganisation Help den Auftrag für die Wasserversorgung 2004 übernahm, schrien die Menschen im Lager nach Wasser. Es gab keines. „Fünf Jahre lang holten wir das Wasser mit Tanks aus Brunnen in der Umgebung, täglich bis zu 160 000 Liter.“ Automiete und Treibstoff verschlangen jährlich Unsummen, in der Regenzeit war das Camp manchmal tagelang nicht erreichbar.

In einem zweiten Schritt begann Urban mit dem Brunnenbau. Direkt vor dem Camp liegt ein Wadi, ein ausgetrocknetes Flussbett. Urban war sich sicher, dass es dort unterirdisch Wasser gibt. Ab wo sollte man graben? Im benachbarten Ort suchte er den Dorfältesten auf, sprach mit ihm. Gemeinsam gingen sie ins Wadi, bis der alte Mann stehen blieb und auf eine Stelle im Sand zeigte: „Hier musst du graben“, waren seine Worte.

Britzius grub und stieß in ca. zehn Meter Tiefe auf Wasser. Der erste Brunnen ging vor sieben Jahren ans Netz. Heute gibt es zwei Wasserfelder mit insgesamt zehn Brunnen.

Eine etwa 1,5 Kilometer lange Hauptleitung bringt das Trinkwasser in einen Sammeltank am höchsten Punkt des Camps. Von hier gelangt es zu den verschiedenen Verteilstellen und fließt dort aus Wasserhähnen, die für die Masse der Menschen im Tschad noch immer unbekannt sind.

Anfangs beförderten Dieselpumpen das Nass aus der Erde. Seit zwei Jahren wird das Camp ausschließlich über Solarpumpen versorgt. „Es ist die größte Solar-Wasserversorgung des Landes und nach Aussagen der UNO weltweit das einzige Flüchtlingslager, welches gänzlich ohne Dieselpumpen auskommt. Dafür wurde Help 2013 mit dem Deutschen Solarpreis ausgezeichnet.

Hilfe in Krankenhäusern, Brunnenbau in Dörfern, der Bau von sicheren Querungen breiter Flusstaldurchfahrten – Urban Britzius hat viel erreicht und einen Spitznamen im Tschad bekommen: Sie nennen ihn den Alten vom Wasser.

 

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