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Mausoleum Gadow : Der alte Putz wird gestreichelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Restauratoren arbeiten behutsam im Gadower Mausoleum. Wände und Decken werden konserviert. Geld für alle Arbeiten reicht nicht.

Die Sanierungsarbeiten im Innern des Mausoleums am westlichen Ende des Schlossparks von Gadow haben begonnen. Rund 103 500 Euro sind laut Amtsverwaltung für die Konservierung des Wand- und Deckenputzes sowie für die Wiederherstellung des aus Sandsteinplatten bestehenden Fußbodens in der Erbbegräbnisstätte der Familie von Wilamowitz-Möllendorff veranschlagt.

Beim Eintritt durch die in Kalkstein gerahmte Gittertür, die sich auf ägyptische Weise nach oben hin verjüngt, wird man von Bauscheinwerfern geblendet. Zwischen den bis an die Decke reichenden Baugerüsten steht André Streich und entfernt mit einem Schaber oder mit einer Drahtbürste behutsam alten und lockeren Putz von den Seitenwänden des tonnenüberwölbtem Mittelschiffs.

„Wir wollen so viel alte Substanz wie möglich erhalten“, erklärt der Restaurator aus Potsdam. Wenige Meter daneben ergänzt seine Kollegin Annerose Seidel die Fehlstellen an den, jeweils von fünf rundbogigen Nischen unterbrochenen Seitenwänden mit Kalkputz.

Und Jakob Schoder hantiert mit einem in flüssigem Kalk getränkten Pinsel, mit dem er sachte über die gereinigten Putzkanten streicht. „Der Kalk soll jetzt so einziehen, dass er den alten Putz festigt und stabilisiert, so dass man später darüber putzen kann, ohne dass es herunter bricht“, erklärt Schoder.
Seit Juni arbeiten die Denkmalpfleger hier. Schon Mitte der 1990er Jahre hatte die Gemeinde Lanz viel Geld für die Sanierung der Fassade und des Daches investiert. „Der Innenbereich ist in einem recht desolaten Zustand. Das kommt daher, dass das Dach viele Jahre kaputt war. Auch Vandalismus hat eine Rolle gespielt“, weiß André Streich.

In den zurückliegenden Wochen hatten er und seine Kollegen bereits das reich mit gemalten Kassetten verzierte Deckengewölbe gereinigt und konserviert. Dabei haben sie Reste von Erstanstrichen mit rosé oder grau-blauen Farben entdeckt. Streich vermutlich, dass sie von einstigen Probeanstrichen stammen. „Die vorhandenen Kassetten werden noch verdichtet, so dass sie besser zur Geltung kommen“, sagt André Streich zu den restauratorischen Ergänzungen.

Noch liegt jede Menge Arbeit vor ihnen. Schon jetzt ist klar, dass die finanziellen Mittel nicht ausreichen werden, um etwa die ehemals an den Seiteninnenwänden bis zur Decke angebrachten Rosetten, von denen die Denkmalpfleger lediglich einige Bruchstücke gefunden haben, neu zu gestalten. Auch die teilweise fehlenden Säulenimitate an den Wänden müssen weiter auf die endgültige Fertigstellung warten und werden zunächst nur gesichert.
„Wie liegen im Zeitplan. Im August soll der Fußbodenmit grau-schwarzen Sandsteinplatten verlegt werden“, sagt Architektin Annette Schulze aus Bad Wilsnack. Denn noch arbeiten die Fachleute auf purem Sand als Untergrund. „Zu DDR-Zeiten wurden die alten Platten herausgerissen und keiner weiß, wohin sie kamen. Da muss mit schwerer Technik gearbeitet worden sein“, erzählt Jakob Schoder. „Vielleicht weiß jemand, wo die Platten abgeblieben sind. Der möge sich bitte melden.“

 

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erstellt am 27.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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