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Wittenberger müssen noch weiter zahlen : Deponie bis Jahresende versiegelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zauneidechsen leben jetzt in speziellen Hotels. Die Gasproduktion sorgt für Einnahmen.

von
erstellt am 21.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Die Sanierung der Deponie Wittenberge wird bis Ende des Jahres abgeschlossen sein und damit etwas früher als geplant. Doch selbst wenn die Baufahrzeuge abrücken, bleibt der Deponiekörper unter Beobachtung und wird wohl für weitere 30 Jahre die Gebührenzahler einige Millionen Euro kosten.

„Wir stehen nicht auf einem Hügel, sondern auf einem technischen Bauwerk“, sagt Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft im Landkreis. Auf Bitten unserer Redaktion führt er uns zusammen mit seinem Mitarbeiter Christian Pubanz exklusiv über die Deponie.

Der höchste Punkt gewährt nicht nur eine ungewöhnliche Perspektive auf Wittenberge, sondern von hier lässt sich erst das Ausmaß der Deponie erfassen: 18,1 Hektar beträgt die Grundfläche. Seit den 60er Jahren wurde Abfall entsorgt, seit 1978 Hausmüll, Industrieabfälle und Schlacke geordnet abgelagert. Bis zur Schließung im Mai 2005 kamen 1,8 Millionen Kubikmeter Müll zusammen.

Deponien seien nicht grundsätzlich verboten, aber die naturschutzrechtlichen Auflagen immens verschärft worden, vor allem was den Schutz von Boden und Grundwasser betrifft. Ein Umbau zu einer basisabgedichteten Deponie wäre finanziell noch teurer geworden. „Heute würde es so nah am Fluss nicht mal eine Genehmigung für eine Deponie geben“, ergänzt Christian Pubanz. Die ersten drei Bauabschnitte haben seit 2006 fast 16 Millionen Euro verschlungen. Immerhin gab es knapp fünf Millionen Euro Förderung. Entwässerungsanlagen, Betriebswege, Randgraben wurden gebaut und die Grundfläche muss bis Jahresende vollständig abgedichtet werden. Nach einem komplizierten System wird die Schutzhülle in mehren Schichten aufgebaut.

Zu einem Baustopp und zu Mehrkosten führte die Entdeckung der streng geschützten Zauneidechsen. „Eine Schätzung ging von 300 Tieren aus, gefunden wurden 140“, sagt Much. Ihre Umsiedlung war eine Herausforderung, aber am Ende gelang dies sogar auf dem Deponiegelände. 75 Zauneidechsen-Hotels entstanden. Die Haufen aus Reisig, Stein und Sand wirken wie Schildkrötenpanzer auf der sonst ebenen Fläche. Man habe großzügig geplant, schließlich sollen sich die Tiere noch vermehren. Auch an die gesichteten Vogelarten Neuntöter und Dorngrasmücke hat man gedacht. Drei Strauchgruppen bieten ihnen ideale Brutmöglichkeiten. Gesamtkosten für den Artenschutz: 90 000 Euro.

Die Deponie verursacht aber nicht nur Kosten, sondern erwirtschaftet auch Einnahmen. Seit 2007 wird Deponiegas in einem Blockheizkraftwerk in Strom umgewandelt. 2015 konnten rund 500 Haushalte mit 1,8 Millionen Kubikmeter versorgt werden. „Der Gegenwert entspricht 54 000 Euro, die gebührensenkend berücksichtigt werden“, sagt Pubanz. In 24 Gasbrunnen sammelt sich das Gas an. Auf dem letzten Bauabschnitt entstehen sieben weitere. Prognosen gehen von einer ausreichenden Gasentstehung aus, die sich mittelfristig jedoch verringern wird. „Sobald die Deponie ganz abgedichtet ist, kein Wasser mehr einsickert, verlangsamen sich die chemischen Prozesse“, erklärt Pubanz.

Eine weitere Möglichkeit, die Deponie zu versilbern, sind Photovoltaikanlagen. Auf der Elbseite biete sich eine Fläche dafür an. Entschieden sei es noch nicht. Ein Gutachten soll zuvor das Potenzial einer solchen Anlage errechnen.

Auch nach Abschluss der Bauarbeiten wird die Deponie Kosten verursachen. Grundwasser und Entgasunsgverhalten müssen überwacht werden. Entwässerung, Wege, Zäune sind weiter zu pflegen und eine Berichterstattung an die Überwachungsbehörde ist ebenfalls vorgeschrieben. Es wird ein langer Weg, bis die Deponie an die Natur zurückgegeben werden kann.

Bürger müssen zahlen
Die Sanierungskosten trägt ausschließlich der Bürger. Sie sind in der Müllgebühr enthalten – etwa fünf Euro pro Einwohner und Jahr.  Was wenig klingt, macht unterm Strich  eine Millionensumme aus. Für die Nachsorge werden aus diesen Beiträgen Rücklagen gebildet, die bei geschätzten Kosten von jährlich 150 000 Euro  für 30 Jahre reichen sollen.


 

 

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