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„Alte Zellwolle“ in Wittenberge : Denkmal-Kantine mit viel Leben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lucullus GmbH produziert in einem Gebäude mit besonderem Schutz / „Alte Zellwolle“ hat eine nicht alltägliche Geschichte

von
erstellt am 18.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Zwar erst vor gut 35 Jahren errichtet, und trotzdem schon ein Denkmal: Die „Alte Zellwolle“ im Industriegebiet Süd steht damit unter besonderem Schutz. Sie gehört heute der Lucullus GmbH und ist ein Denkmal voller Leben. In dem Haus wird für Kindergarten- und Schulkinder gekocht. Senioren erhalten ihr Mittagessen aus der „Alten Zellwolle“. Firmenmitarbeiter im Industriegebiet Süd steuern zum Frühstück und zum Mittagessen das Denkmal an. Die „Alte Zellwolle“ beherbergt eine moderne Großküche, in deren technische Ausstattung die Lucullus GmbH nach den Worten ihres Geschäftsführers Lars Meiswinkel jetzt noch einmal 100  000 Euro investiert hat.

Abgeschlossen hat die Lucullus GmbH jetzt auch die behutsame, sprich denkmalgerechte Aufwertung des Gaststättensaals. Die „Alte Zellwolle“ ist nicht allein eines der jüngten Denkmäler in der Stadt, sondern hat laut Meiswinkel auch den größten Saal in der Stadt vorzuweisen. „Schützenball und Jugendweihen, die großen Partys zum Jahreswechsel, nicht zu vergessen der jährliche Feuerwehrball und Familienfeiern, wir sind gut gebucht“, freut sich Meiswinkel. Und oder auch gerade deshalb, hat sich die Lucullus-Gesellschaft auch des Saales angenommen, „der von der Optik her etwas in die Jahre gekommen war“.

Eine neue Bar, Spottlicht, kluge Lösungen, den großen Saal mit leichten Stoffbehängen zu unterteilen, extra für die indirekte Raumbeleuchtung entworfene Leuchten, eine frischere Wandfarbe: Die Wirkung überzeugt.


Künstler erfreut über hiesige Botschaft


Dass die Botschaft vom mit viel Fingerspitzengefühl aufgewerteten Saal auch bei einem Schweriner Freunde und Anerkennung auslöst, hat mit der ganz besonderen Denkmal)-Geschichte des Gebäudes, das heute als „Alte Zellwolle“ firmiert, zu tun.

Bei dem Schweriner handelt es sich um den Maler Horst Holinski. Er ist jener Künstler, der noch heute oder besser wieder die Längswand im Restaurant ziert.

Die heutige „Alte Zellwolle“ ließ 1981/82 das Chemiefaserkombinat Schwarza als Betriebsrestaurant, umgangssprachlich Kantine, für die Zellstoff- und Zellwollewerke errichten. „Mein Gemäldefries thematisiert die vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer“, sagte Holinski im Gespräch mit dem „Prignitzer“. Gern hört er die Botschaft, dass mit der farblichen Neugestaltung der Wand, sein Gemälde wieder besser zur Geltung kommt. „Ich halte es nach wie vor für ein gutes Wandbild“, betont Holinski. Er arbeitete mit Acrylfarben auf Spanplatten. Das Gemälde sei zum Teil in seiner Werkstatt bei Schwerin und direkt in der Zellwolle entstanden.

Als nach der Wende die Zellstoff- und Zellwollewerke geschlossen und zu großen Teilen abgerissen wurden, sollte auch die Kantine weg. Es kam anders. Das damalige BBZ unter dem geschäftsführenden Vorstand Heinz Thiede erwarb die Immobilie mit Großküche und Saal. Schon zuvor hatte Thiede – um es vor der Zerstörung zu bewahren – den Gemäldefries von ihm erworben, erzählt Holinski. Dafür sei er heute noch dankbar. Als das BBZ Hausherr in der ehemaligen Betriebskantine wurde, kamen die „Vier Elemente“ wieder an ihren ursprünglichen Platz.

Heute ist das ehemalige Betriebsrestaurant bzw. die Zellwollekantine eines der letzten in dieser Form erhaltenen Funktionsbauten. Daraus resultieren auch Denkmalwert und -schutz.

„Wir wollen diesen Aspekt unseres Gebäudes bzw. unserer Einrichtung künftig etwas mehr betonen“, sagt der Lucullus-Chef und hat dabei auch den touristische Aspekt im Auge. Lächelnd sagt er: „Vielleicht haben ja beispielsweise Radtouristen Lust, mal in einer Denkmal-Kantine zu essen.“

„Aus unserer Sicht ist es durchaus möglich, die Denkmal-Kantine in das touristische Leitsystem in der Stadt aufzunehmen“, reagiert die KSTW-Marketing-Chefin Simone Albers auf die Signale der Lucullus GmbH. Denn es wäre ein weiterer interessanter Mosaikstein in der Angebotspalette Wittenberges.

 

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