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Der Prignitzer

23. November 2017 | 16:17 Uhr

Wölfe : Den Wolf im Blick behalten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Jagdverband Perleberg sammelt Informationen für genaue Einschätzungen und will erst dann Schlussfolgerungen ziehen.

von
erstellt am 05.Mär.2017 | 12:00 Uhr

„Wir träumen nicht davon, einmal einen Wolf zu schießen.“ Udo Becker, 2. Vorsitzender des Jagdverbandes Perleberg, ist sich sicher, mit diesem Satz für fast alle Jagdgenossen zu sprechen. Aber die Wiederansiedlung sei bei Jägern wie bei den Bürgern ein wichtiges Thema. Und noch eins teilen die Waidmänner mit den übrigen Bürgern: Nur wenige haben bereits eines der scheuen Tiere gesehen. Das habe sich auf diversen Veranstaltungen gezeigt, so Becker.

Die Rückkehr des Wolfes habe langfristig Folgen für die Wildbestände und die Viehhaltung. Diese könnten über die bisherigen Angriffe auf Schaf- und Rinderherden hinausgehen. „Der Wolf lebt und jagt sehr energieeffizient“, erläutert Uwe Roese, Wolfsbeauftragter von Landesumweltamt und Jagdverband. „Er wählt die leichteste, mit dem geringsten Aufwand erreichbare Beute.“ Das Schema, dass 90 Prozent Wild- und zehn Prozent Nutztiere gerissen würden, sieht er auch für die Prignitz gültig. Auf der Speiseliste stehen alle Jungtiere, Rehe und Rotwild weit oben.

Doch für die Jäger sind viele Fragen offen. Dazu zählt, ob Wölfe helfen, zu hohe Schalenwildbestände zu reduzieren. Der Jagdverband will Antworten durch ständige Beobachtung finden. Etwa zwei Jahre werde es dauern, bis sich die heimischen Tiere an das Raubtier gewöhnt haben, meint Becker. Die Jäger wollen während dieser Zeit verfolgen, ob Reh-, Rotwild- und Wildschweinrudel größer werden, um sich so besser gegen die Nachstellungen zu wappnen. Zwar gibt es erste Sichtungen größerer Rudel bei Lenzen, aber diese seien nicht repräsentativ. Schlecht stehen die Chancen für das vor einigen Jahrzehnten angesiedelte Muffelwild. Den Wildschafen fehlten Felsen und anderer natürlicher Schutz, der ihnen in ihrer Heimat das Überleben sichern. Die Beständen seien akut gefährdet, meint Becker.

Uwe Roese und Udo Becker sammeln alle Berichte über Wolfssichtungen. Roese sucht zudem nach Beutespuren, Abdrücken und Wolfslosung, die er kürzlich beispielsweise am Rand des Rambower Moores fand. Kritisch gesichtet werden im Internet kursierende Bilder von Wildkameras, die mehrfach fälschlich in der Prignitz verortet wurden. „Bisher kamen fast alle Aufnahmen aus anderen Regionen, in einem Fall sogar aus den USA. Nur einmal wurden bisher Internet-Bilder von zwei Tieren sicher der Prignitz zugeordnet.

Alle Wolfssichtungen im Landkreis gehen bisher auf das Carwitzer Rudel zurück, das im Grenzbereich zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg lebt. Ihm werden zwei Altwölfe, zwei Jungtiere und vier Welpen zugerechnet. Die Zuordnung beruht auf DNA-Spuren. Neue Rudel werden entstehen, denn mit zwei Jahren werden Jungwölfe verstoßen und suchen sich eigene, etwa 250 Quadratkilometer große Reviere.

Beobachtet wird auch das Verhalten der Tiere. Beispielsweise ob „Springer“ auftauchen, wie sie aus Skandinavien bekannt sind. Für diese stellen auch 1,60 Meter hohe Einfriedungen kein Hindernis dar. Wenn solche Probleme auftauchen, wünschen sich die Jäger mehr Mitsprache statt Betonung des absoluten Schutzes. Ortskenntnis und regionaler Sachverstand sollten dann stärker einbezogen werden, wünscht sich Becker.  

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