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Keine Kleingartenidylle in Wittenberge : Den Gärten gehen die Gärtner aus

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie hier in der Stadt mit dem immer größeren Leerstand in Vereinsanlagen umgehen? Ein Konzept soll machbare Wege bis 2030 aufzeigen.

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erstellt am 20.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Kleingartenidylle kontra harte Realität: In Wittenberge ist die Zahl der Hobbygärtner, die eine Vereinsparzelle bewirtschaften, von 1752 im Jahr 1992 auf 1190 im letzten Jahr zurück gegangen. „Und das Schrumpfen geht weiter. Darauf müssen wir uns nicht nur einstellen. Wir müssen darauf unbedingt reagieren“, sagt Wolfgang Strutz. Strutz spricht als Kleingärtner. Seine Frau und er kümmern sich mit Hingabe um ihren Garten in der Anlage „Paul Klink“. Strutz schaut aber im wahren Sinne des Wortes auch über den eigenen Gartenzaun. Als Abgeordneter im Stadtparlament weiß er, „dass es höchste Zeit ist, entscheidende Weichen für die Zukunft hier in der Stadt zu stellen“. Und er sagt: „Wir haben dazu jetzt eine über Jahre nicht wiederkehrende Gelegenheit. Denn das Stadtparlament hat mit dem Überarbeiten des Flächennutzungsplans für Wittenberge begonnen.“

Jetzt die Chance nutzen


Das ist die Chance festzulegen, wo es in der Stadt auf lange Sicht noch Kleingartenanlagen geben soll und wo welche Flächen anders genutzt werden könnten. Das gibt dann sowohl Pächtern wie auch Verpächtern von Land über Jahre eine gewissen Sicherheit.

Grundlage für derartig weitereichende Entscheidungen muss ein Konzept sein, sagt Strutz gemeinsam mit Bernd Kaffenberger, ebenfalls seit Jahren engagierter Kleingärtner. Beide haben sich zu einer Arbeitsgruppe des Kreisverbandes der Gartenfreunde Prignitz zusammengetan, um dieses Konzept für die weitere Entwicklung des organisierten Kleingartenwesens in Wittenberge und den damit verbundenen Rückbau von Kleingartenanlagen in der Stadt bis 2030 – so der offizielle Name – zu erarbeiten.

Noch bewirtschaften hier in der Stadt die knapp 1200 Vereinsmitglieder in 28 Vereinsanlagen ihre Gärten. In den zurückliegenden drei Jahren haben im Durchschnitt in Wittenberge zwischen 50 und 60 Kleingärtner aufgegeben. Ein Beispiel ist die Kleingartenanlage „Paul Klink“. In nicht einmal mehr der Hälfte der dort ursprünglich 200 Gärten wird gegraben, gejätet und geerntet. Das sieben Hektar große Gelände nutzt die Stadt schon jetzt teilweise für Ersatzpflanzungen von Bäumen.

Strutz sagt: „Auch wenn uns für unser Konzept derzeit noch die genaue Altersstruktur fehlt, die ja ebenfalls wichtig für Entwicklungstendenzen ist, müssen wir davon ausgehen, dass wir 2030 nur noch gut 500 organisierte Kleingärtner haben werden, die in vielleicht zehn Vereinsanlagen ihrem Hobby nachgehen.“

Parzellen zu Bauland


Kaffenberger und Strutz betonen, dass niemand verunsichert werden solle, „aber man muss sich rechtzeitig auf diese Entwicklung einstellen“. Denn Fakt sei: Der bisher mehr oder minder sporadisch betriebene Rückbau in verschiedenen Gartenanlagen, wo Parzellen leer stehen, brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Die Arbeitsgemeinschaft des Kreisverbandes wolle nun in enger Verbindung mit der Stadtverwaltung eine solche Konzeption erarbeiten, „die die aktuellen und mittelfristigen Bedürfnisse der Stadt und die weitere Entwicklung des organisierten Kleingartenwesens in Wittenberge berücksichtigen soll“. Ein Punkt kann beispielsweise darauf abzielen, heutiges Gartenland im überarbeiteten Flächennutzungsplan als Bauerwartungsland auszuweisen.

Entsprechende Festlegungen haben die Stadtverordneten übrigens bereits vor 20 Jahren im derzeit aktuellen Flächennutzungsplan getroffen. So wurden die Anlagen „Kirschblüte“ und „Anglerweg“, Teile der Anlage „Paul Klink“, „Wüstenweg“ und „Gartenfreunde“ als Bauerwartungsland ausgewiesen.
 

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