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Der Prignitzer

22. Oktober 2017 | 02:47 Uhr

Demnächst: Ja-Wort auf der Schiene

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erstellt am 09.Dez.2012 | 07:53 Uhr

Lindenberg | Kaum hat sich der Pollo am Samstag von Lindenberg aus in Bewegung gesetzt, da heißt es auch schon wieder halt. Übers Feld kommt ein Rauschebart gestapft. Große Kinderaugen blicken ihm entgegen und kleine Nasen, die sich an den Fenstern der Abteile vor Neugier platt drücken. "Da kommt der Nikolaus", ertönt es durch die Waggons. Und für den bleibt selbst der Pollo mitten auf der Strecke mal kurz stehen.

Mit den Nikolausfahrten endet die Saison des Prignitzer Kleinbahnmuseums Lindenberg e. V. - "eine überaus erfolgreiche Saison", fügt Rainer Knurbien an, auch wenn er im Einzeln die Besucherzahlen noch nicht zusammengerechnet hat.

Am 17. März setzte sich die Schmalspurbahn in diesem Jahr bereits in Bewegung, lud ein zur Knieperfahrt. Und eine solchen ist wieder am 17. Februar geplant. "Wir werden mit dem Pollo von Mesendorf nach Brünkendorf fahren, von dort aus eine Knieperwanderung nach Lindenberg unternehmen und anschließend hier einkehren zum Knieperessen", erläutert Rainer Knurbien.

17 Mitglieder waren sie, als sie 1993 den Verein aus der Taufe hoben, beseelt von dem Gedanken, die Geschichte der Kleinbahn, die von 1887 bis 1966 hier fuhr, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern in einer Ausstellung zu bewahren. Heute sind sie um die 80 Mitglieder im Verein und die kommen sowohl aus der Umgebung, aber auch aus Hamburg, Berlin, Potsdam, Pinneberg und Schwerin. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Zu der Ausstellung ist mittlerweile das Original gekommen, das munter wieder von Lindenberg nach Mesendorf und zurück die Passagiere befördert. "Unser jährliches Highlight sind natürlich die Dampfloktage", so der Hobbyeisenbahner Knurbien. 2013, zum 20. Geburtstag des Vereins, wolle man da natürlich etwas Besonderes auffahren. Eigens dafür holen sich die Lindenberger zwei alte Dampfloks in die Prignitz, "vielleicht klappt es auch mit dreien", ergänzt Knurbien, auf jeden Fall werde es einen Zwei-Zug-Betrieb geben. Und entlang der Strecke wird Geburtstag gefeiert.

Ein absoluter Hingucker aber dürfte der wieder aufgebaute Personenwaggon sein. Nahezu fertig steht er bereits in Mesendorf. Bis zu den Dampfloktagen wird er sein Hochzeitskleid erhalten, denn fortan kann sich in diesem Waggon auch das Ja-Wort geben werden.

Ein Wert von 150 000 Euro habe man damit geschaffen, 70 000 Euro flossen als Fördermittel. Für den Kleinbahnverein blieb damit immer noch ein überaus stattliches Sümmchen übrig. "Ohne Sponsoren, die Einnahmen aus den Fahrten und das Engagement unserer Mitglieder hätten wir es nicht gepackt", gesteht der Hobbybahner. Und ein zweiter Personenwaggon wartet schon. Hier hat die Sparkasse Prignitz die Förderung übernommen. "Der Waggon benötigt aber ein Drehgestell, das extra angefertigt werden muss. Das kostet noch mal rund 40 000 Euro", rechnet Rainer Knurbien vor. Der Grund, warum man den Waggon zur Geburtstagsfeier zwar schon zeigen werde, ihn aber noch nicht über die Schienen rattern lassen kann. "Ich hoffe, dass wir es 2014 schaffen."

Der Pollo, wie er schon früher liebevoll genannt wurde, und mit ihm der Kleinbahnverein sind inzwischen zu einer nicht mehr wegzudenkenden einmaligen Attraktion in der Prignitz herangewachsen. Darauf sind die Hobbyeisenbahner mit Recht stolz. Denn nicht nur, dass hier an 80 Freunde der Schmalspurbahn ihren Faible ausleben können, "wir haben auch ein kleines Stück Geschichte wieder in die Gegenwart geholt", so Rainer Knurbien.

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