Gemeinsam für faire Milchpreise : Dem Milchpreisverfall Paroli bieten

<strong>Stehen für faire Milchpreise: </strong>Nicole Leppin-Tuischer, Carola Meißner, Burkhard Junker und Ute Kolbe (v. r.) von der  Agrargenossenschaft Brunow, die 450 Milchkühe hält. <foto>Foto: Petra Ferch</foto>
Stehen für faire Milchpreise: Nicole Leppin-Tuischer, Carola Meißner, Burkhard Junker und Ute Kolbe (v. r.) von der Agrargenossenschaft Brunow, die 450 Milchkühe hält. Foto: Petra Ferch

Milchbauern aus der Region wollen etwas gegen die sinkenden Milchpreise tun und gründen deshalb die Milcherzeugergemeinschaft Nordpool. Angesprochen sind betroffene Landwirte in Brandenburg, MV und Sachsen-Anhalt.

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26. Juni 2012, 06:18 Uhr

Brunow/Prignitz | Wenn Helge Dieckmann die Preisentwicklung der Milch verfolgt, könnte er verzweifeln. "Derzeit gibt es zwischen 27 bis 30 Cent pro Liter. Dafür kann man eigentlich keine Kühe mehr halten. Im vergangenen Jahr erhielten wir wenigstens noch 34 Cent durchschnittlich." Und der Abwärtstrend gehe weiter, prophezeit der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Brunow und erklärt das anhand der Preisentwicklung bei Magermilchpulver und Butter. Ersteres sei innerhalb eines Jahres um 30 Prozent gefallen, Butter sogar um 38 Prozent.

Helge Dieckmann und weitere Milchbauern wollen das nicht mehr hinnehmen. Deshalb soll am 9. Juli die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Nordpool gegründet werden. Angesprochen sind betroffene Landwirte in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. "Unser Ziel ist es, mit der MEG die Milch zu bündeln", betont Dieckmann. Und er fügt hinzu, dass es keine Aktion gegen den Verbraucher sei, sondern "es geht um die verarbeitende Industrie. Wir müssen die Preise bestimmen, sonst gibt es keinen Wettbewerb mehr", beschreibt Dieckmann das Dilemma. Mit der MEG-Gründung wollen sich die Landwirte dem widersetzen, wollen ihre Milch künftig vor der Lieferung verkaufen.

In Bayern klappe das schon sehr gut. Deshalb wird bei der Gründungsversammlung am 9. Juli in Güstrow Markus Seemüller, Geschäftsführer der Bayern MEG, darüber berichten, wie es die bayerischen Bauern geschafft haben, derzeit rund 1,7 Milliarden Liter Milch selbst erfolgreich zu vermarkten.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der Milcherzeugergemeinschaft ist allerdings die Tatsache, dass die Landwirte nicht in Abhängigkeit zu anderen Lieferverpflichtungen stehen, macht Peter Guhl, Landwirt aus der Nähe von Boizenburg (Mecklenburg) deutlich, der im Namen der Initiativgruppe zur Gründungsversammlung einlädt. Ausdrücklich betont er dabei, dass mit der MEG-Gründung "nicht zur Kündigung von bestehenden Verträgen oder Mitgliedschaften" aufgerufen werde. Das seien unternehmerische Entscheidungen, die jeder eigenverantwortlich für sich treffen müsse.

Allerdings, darauf macht Dieckmann aufmerksam, gebe es Signale, dass sich demnächst zwei große Liefergenossenschaften Norddeutschlands zusammenschließen würden. Komme die Fusion zustande, bestünde ein Sonderkündigungsrecht. Die Gründung von Nordpool soll im übrigen nur der erste Schritt in Richtung starker Interessenvertretung der Milchbauern sein. Denn bereits einen Tag später, am 10. Juli, werde in Lüneburg die Nord MEG gegründet "als Dachorganisation, die sämtliche Erzeugergemeinschaften von Ostfriesland bis Ost-Vorpommern sowie im Süden bis Osnabrück zusammenfasst. Rund 10 Milliarden Liter können wir damit zusammen bekommen. Das wäre ein Drittel der Milchproduktion in Deutschland", beschreibt Dieckmann die Dimension.

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