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Der Prignitzer

24. Oktober 2017 | 13:36 Uhr

Dem Etikettenschwindel auf der Spur

vom

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erstellt am 06.Jun.2011 | 07:14 Uhr

Berlin/Beelitz | Beelitzer Spargel ist nicht nur das Produkt einer aufwendigen Zucht. Der geschützte Markenname und die geschützte geografische Angabe sind auch das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits der Beelitzer Spargelbauern. Der Disput endete vor gut zehn Jahren mit der erfolgreichen Registrierung der Marke "Beelitzer Spargel" beim Münchner Patentamt. Doch einen Garanten gegen Etikettenschwindel gab es bislang nicht. Ein neues Analyseverfahren soll dies nun ändern.

Entwickelt hat es die Firma IsoAnalysis aus Berlin, ein High-Tech-Unternehmen, das aus der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung ausgegliedert wurde. Auf Basis innovativer chemischer Analytik kann dort die Herkunft und Beschaffenheit bestimmter Materialien und Inhaltsstoffe nachgewiesen werden. "Die Methode wird von der Industrie zur Charakterisierung von Rohstoffen und Produkten nachgefragt", erklärt die Sprecherin der Bundesanstalt, Ulrike Rockland. Gleichzeitig kann damit aber auch nachgewiesen werden, ob tatsächlich Beelitzer Spargel drin ist, wo es draufsteht.

Mineralien im Boden verraten Herkunft des Spargels

Dies ist nur dann der Fall, wenn der Spargel auf den Feldern der 15 zertifizierten Spargelhöfe geerntet wird, die zur geologischen Formation des sogenannten Beelitzer Sanders gehören. Bei der Spargel-Analyse werden die Ergebnisse der untersuchten Proben mit den ständig aktualisierten Werten von Bodendatenbanken, die bundes- und länderweit geführt werden, verglichen. Weisen Boden und Spargel das gleiche Muster auf, lässt das auch auf die Herkunft des Gemüses schließen. "So lässt sich gut unterscheiden, ob Spargel aus Beelitz oder dem Saarland kommt", sagt Rockland. Analysiert würden die unterschiedlichen Variationen der chemischen Elemente Strontium, Bor und Blei, erklärt der Gründer von IsoAnalysis, Martin Rosner. Die Qualität und Quantität dieser Mineralien in der Erde sei prägend für die Beschaffenheit der Böden in verschiedenen Regionen.

Regelmäßige Proben gibt es nicht

Eine "Spargel-Polizei", bewaffnet mit handlichen Messgeräten, die bei einer Stichprobe an einem Verkaufsstand in Sekundenschnelle Echtheit oder Schwindel nachweisen kann, gibt es allerdings nicht. "Die Prüfung dauert etwa zwei Monate", erklärt Rockland. Daher seien es vor allem Spargelbauern und Großhändler, die den Nachweis für die Herkunft ihrer produzierten oder eingekauften Ware in Auftrag gäben.

Die zur Analyse eingereichten Spargelproben werden zerschnitten, zerkleinert, gefriergetrocknet, gemixt und verbrannt; die verbleibende Substanz wird schließlich in einem massenspektrometrischen Verfahren untersucht. Neben Spargel haben die Analytik-Experten auf diese Art und Weise vor kurzem auch Paprika untersucht und deutliche Unterschiede zwischen biologisch angebauten Produkten aus Israel und mitteleuropäischer Gewächshaus-Paprika deutlich gemacht.

Für den Vorsitzenden des Beelitzer Spargelvereins, Manfred Schmidt, ist die High-Tech-Methode zusätzliches Rüstzeug im Kampf gegen Etikettenschwindel. Vor allem aber vertraut er auf den Geschmack der Kunden. Da sich der Beelitzer Sandboden schnell erwärmt, wachse der Spargel schnell, was die Stangen wiederum besonders zart werden lasse. "Und der Sandboden ist relativ geschmacksneutral, so dass sich der eigene Geschmack des Spargels intensiv entfalten kann", sagt Schmidt und ist sich sicher: "Kunden merken daher schnell, wenn sie eine Mogelpackung bekommen, und kaufen dann nicht da, wo sie beschummelt worden sind."

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