Lenzen : Deichrückverlegung sorgt für größere Artenvielfalt

Erste Ergebnisse zur Deichrückverlegung wurden bereits im nen „Auenreport spezial“ 2013 vorgestellt.
Erste Ergebnisse zur Deichrückverlegung wurden bereits im nen „Auenreport spezial“ 2013 vorgestellt.

Gemeinsame Themenpakete für Natur- und Kulturtourismus würden mehr Besucher nach Lenzen bringen

svz.de von
26. September 2017, 21:00 Uhr

„Wir beobachten im Gebiet der Lenzener Elbdeich-Rückverlegung entgegen dem allgemeinen Trend eine wachsende Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten“, sagte die Leiterin des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, Dr. Heike Ellner, gestern auf einer Fachtagung in Wittenberge. Experten verschiedener Wissenschaftsdisziplinen stellten dabei Forschungsergebnisse zum Naturschutzgroßprojekt „Lenzener Elbtalaue“ vor. Das 2009 mit der Rückverlegung des Altdeiches abgeschlossene Leuchturmprojekt zur Wiederherstellung einer natürlichen Flussaue auf 420 Hektar gilt als wegweisend für den Natur- und Hochwasserschutz.

„Der Bereich ist zu einem beliebten Ort für Umweltbildung und Naturerleben geworden, die Teilnehmerzahlen der Führungen nehmen stetig zu“, betonte Ellner.

„Die Zustimmung zum Projekt ist seit den Befragungen 2004 und 2009 deutlich gestiegen, rund zwei Drittel der Befragten im Raum Lenzen sprechen sich inzwischen dafür aus“, sagte Jürgen Peters von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Befürchtungen, dass das Grundwasser steigen könnte und dass das Heranrücken der Elbe an Lenzen mehr Qualmwasser in die Stadt drücken würde, haben sich nicht bewahrheitet. Es gibt aber Zweifler, die fragen, ob so viel Geld in den Hochwasser- und Naturschutz investiert werden muss“, so Peters.

Der Wissenschaftler verwies darauf, dass durch die Deichrückverlegung mehr Touristen nach Lenzen und in die Nachbarorte kämen. Der Zustrom ließe sich steigern, wenn in Berlin und Hamburg mehr für Aufenthalte geworben würde und Touristiker Themenpakete mit Kultur und Natur schnürten, Führungen und Veranstaltungen in Lenzen verbunden würden mit Besuchen der Deichrückverlegung.

Zentraler Bestandteil des Naturschutzgroßprojekts ist die Wiederherstellung von Auwald. Von 2004 bis 2007 wurden 124 000 typische Gehölze der Hart- und Weichholzaue gepflanzt. Die Entwicklung von über 8000 Bäumen wird untersucht. Dies liefert wichtige Erkenntnisse für das Wiederanlegen von Auwald. Trotz zum Teil ungünstiger Witterungsbedingungen wuchsen im Vorjahr 56 Prozent der Weiden im Deichvorland an. Auch die Flatterulme gehört mit 21 Prozent zu den etablierten Baumarten. Mit Raten unter zehn Prozent weniger erfolgreich waren die Stieleiche und Straucharten wie der gemeine Schneeball oder der Blutrote Hartriegel.

Die Universität Hamburg nutzt das Freilandlabor Deichrückverlegung seit 2009, um die Vorkommen der gefährdeten Rotbauchunke zu untersuchen. Denn die Rückverlegung ließ neue Kleingewässer und damit neuer Lebensräume für Amphibien und Fische entstehen. Nährstoffreicher als der Hauptstrom der Elbe ermöglichten sie beispielsweise das Entstehen einer großen Steinbeißerpopulation.

Die neue Überflutungsfläche bietet der Rotbauchunke ein größeres Spektrum an Laichplätzen. Gleichzeitig kann es durch schnelleres Austrocknen der Laichplätze im Deichhinterland zum Abwandern der Rotbauchunken ins Deichvorland kommen. Die bevorzugten Laichgewässer variieren also je nach Überflutungsstatus.

Bei den Vögeln haben sich seltene Arten wie das Blaukehlchen angesiedelt, auch Bekassine und Großer Brachvogel wurden gesichtet. Arten von Nord- und Ostsee wie die Zwerggans kommen regelmäßig als Gäste.
 

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