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Rathaus Perleberg : Decke trägt mehrere Handschriften

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Malermeister Emil Rathsack ist nicht Urheber der Malereien im Rathaussaal: Heimatforscher gibt Aufschluss zur Gewölbegestaltung

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erstellt am 19.Mai.2016 | 10:00 Uhr

Im Erinnerungsblättchen Nr. 32 stellte die Stadt Perleberg zu Beginn dieses Jahres Malermeister Emil Rathsack als städtische Persönlichkeit vor. In der Publikation wurde auch Bezug auf die Malereien durch Rathsack im Rempter (großer Saal) des Perleberger Rathauses genommen. Allerdings, so Hobbyhistoriker und Autor Jens Nering, müsse man einschränken und klarstellen, dass Rathsack nicht der Urheber der Malereien in heutigen Sitzungssaal ist.

Aus den Quellen und Recherchen des Perlebergers geht hervor, dass ein Flügel des alten Rathauses 1836 auf Magistratsbeschluss abgerissen wurde – die Seite mit der Gerichtslaube, dem heutigen Standesamt, blieb erhalten. Darüber befindet sich der große Sitzungssaal. „Die anschließenden Bauarbeiten zogen sich über die Jahre 1837 bis 1839 hin, wobei man aber zunächst auf eine farbliche Ausgestaltung des Rempters verzichtete“, so Nering. Erst 1850 folgte die Innengestaltung mit Gewölbemalereien, bestehend aus Ranken und Handwerksdarstellungen, was Paul Viereck in seinem Buch über die Baugeschichte Perlebergs dokumentierte. Über den Urheber dieser Malereien gibt Vierecks Buch allerdings keine Auskunft.

In den folgenden Jahren verblasste die Malerei zusehends, so dass dann in den 1930er Jahren eine Erneuerung durch Malermeister Rathsack erfolgte. Zur 700-Jahrfeier der Stadt, 1939, erstrahlte das Gewölbe des Rempters in neuem farblichen Glanz. Der Zahn der Zeit nagte dann jedoch wieder an den Deckenfarben, so dass zur 750-Jahrfeier im Jahre 1989 eine nochmalige Erneuerung erforderlich wurde. Im Auftrag der Stadt führte Malermeister Karl Zeggel diese Arbeiten aus und übernahm darüber hinaus die farbliche Neugestaltung der Ziffernblätter an der Rathausuhr.

Die heute vorhandene Malerei im großen Sitzungssaal entspreche also nicht mehr dem Original, so Nering. Sie wurde zunächst durch die Maltechniken von Rathsack und später von Zeggel verändert. Jeder von ihnen habe den Abbildungen eine eigene Handschrift gegeben. „Sehenswert ist diese Gewölbe-Gestaltung aber auf jeden Fall“, konstatiert Jens Nering.


Einst ein echter Ratskeller


Übrigens kann man der Publikation von Paul Viereck auch entnehmen, dass es im Perleberger Rathaus tatsächlich einmal einen Ratskeller mit Restaurantbetrieb gab. Der wurde mit dem Umbau des Hauses eingestellt. Noch heute findet man indes entsprechende bauliche Hinweise im Keller des altehrwürdigen Gebäudes.  

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